Zu Recht vergessen

Eine Serie von Danie­la Stri­gl und Karin Wozo­nig.

Die Serie „Zu Recht ver­ges­sen – die bes­ten schlech­ten Dich­ter aller Zei­ten“ wid­met sich dem Phä­no­men der Berühmt­heit zu Leb­zei­ten, die durch kei­ner­lei ästhe­ti­sche oder poe­to­lo­gi­sche Qua­li­tät gerecht­fer­tigt ist. Der zu Recht ver­ges­se­ne, einst aber bekann­te und gefei­er­te Autor ist men­ta­li­täts­ge­schicht­lich grund­sätz­lich inter­es­san­ter als das zu Leb­zei­ten ver­kann­te Genie, das „sei­ner Zeit vor-aus“ war. Im Unter­schied zum „all­zeit gül­ti­gen“ Werk des Klas­si­kers stellt sich am Bei­spiel der Pro­duk­ti­on des schlech­ten Autors oder der schlech­ten Autorin die Fra­ge nach der his­to­ri­schen Kon­tin­genz ästhe­ti­scher Wer­te und Wer­tun­gen. Oder, mit Karl Kraus gesagt: „Nicht alles, was tot­ge­schwie­gen wird, lebt.“ – Danie­la Stri­gl, Karin S. Wozo­nig

„Die Dich­ter alle dich­ten“
Schie­fe Bil­der, gna­den­lo­ser Reim­zwang, huma­nis­ti­sches Pathos und unbe­ding­ter Glau­be an die eige­ne poe­ti­sche Sen­dung – Frie­de­ri­ke Kemp­ner galt schon Sig­mund Freud als Para­de­bei­spiel für die „unfrei­wil­li­ge Komik der Rede“. Von Karin Wozo­nig

Der Goe­the der Fünfzigerjahre
Wer­ner Ber­gen­gruen schrieb auch in der Mit­te des 20. Jahr­hun­derts noch so, als wäre das 19. nie ver­gan­gen. In gekünstelt hohem Ton erdich­te­te er eine hei­le Welt der Wörter, in der für poli­ti­sche Realitäten und Veränderung kein Platz war. Von Tho­mas Stangl

Sänger und Gei­ger
Anton Wild­gans war der meist­ge­fei­er­te Dich­ter der Ers­ten Repu­blik. Heu­te erin­nert nichts mehr an ihn. Außer einem Lite­ra­tur­preis der Österreichischen Indus­trie. Von Klaus Kast­ber­ger

Ala­bas­ter mit Krat­zern
Ema­nu­el Gei­bel war einer der berühmtesten Dich­ter des 19. Jahr­hun­derts, im späteren 20. Jahr­hun­dert wur­de er weit­ge­hend ver­ges­sen. Aus herkömmlichen Lyrik-Antho­lo­gien verdrängt, keh­ren sei­ne Ver­se im Inter­net in unge­ahn­ter Wei­se wie­der. Von Her­mann Schlös­ser

„Max Mell, wie immer der gehässigste“
Der österreichische Schrift­stel­ler Max Mell war ein kul­tur­po­li­ti­sches Phänomen eige­ner Art. Ob Mon­ar­chie oder Repu­blik, Ständestaat oder Natio­nal­so­zia­lis­mus – von offi­zi­el­ler Sei­te wur­de sein Werk stets hoch geschätzt. Von Eve­ly­ne Polt-Heinzl

Emp­find­sam und emp­fin­dungs­los
J. W. L. Gleim, der Lie­bes- und Kriegs­po­et der Aufklärung. Von Franz M. Eybl

Ein ver­schol­le­ner Apos­tel der Schön­heit
Robert Hamer­ling (1830–1889) beein­druck­te das weib­li­che Lese­pu­bli­kum sei­ner Zeit wie kein Zwei­ter. Ger­ma­nis­ten moch­ten ihn schon damals nicht. Von Karl Wag­ner

Der Ame­ri­ka-Enthu­si­ast
Fried­rich Gerstäcker prägte im 19. Jahr­hun­dert mit sei­nen süffigen Roma­nen und Rei­se­be­schrei­bun­gen das Bild der Deut­schen von der Neu­en Welt. Auch in den USA waren sei­ne Bücher beliebt. Von Fati­ma Naq­vi

Pfings­t­i­dyll an der Reichs­au­to­bahn
Böse bota­ni­sie­ren mit Karl Hein­rich Wag­gerl. Von Paul Jandl

Kein Makel, nir­gends
Dani­el Wis­ser über Her­mann Suder­manns raschen Ruhm und lang­sa­mes Ver­schwin­den aus dem Kanon

„Beim schrei­ben auf die spra­che gesto­ßen“
Was bleibt von Vere­na Ste­fan und den Frau­en der Neu­en Inner­lich­keit? Von Almut Tina Schmidt

Die Erfin­dung des Natio­na­lis­mus
Gus­tav Frey­tag prägte die bürgerliche Lite­ra­tur der zwei­ten Hälfte des 19. Jahr­hun­derts. Heu­te ist er ver­ges­sen. Eine Spu­ren­su­che. Von Ste­fan Neu­haus

Gott, Vater­land und Führerkult
Von Ebner-Eschen­bach und Tho­mas Mann hoch geschätzt, von der Nach­welt verschmäht – der lite­ra­ri­sche Kurs­sturz Enri­ca von Han­del-Maz­zet­tis. Von Eli­sa­beth Gra­ben­we­ger

Frei­heits­lie­ben­de Skla­ven­hal­te­rin­nen
Mrs. E.D.E.N. Sou­thwort­hs Südstaatenheldinnen. Von Bet­ti­na Balàka

„Jen­ny­lein, was war ich für ein Esel!“
Hanns Heinz Ewers’ Gedan­ken­ex­pe­ri­men­te und ihr brau­nes Ende. Von Cle­mens Ruth­ner

„sehr schlu­de­rig und flüchtig“
Hans Weigel: der „Förderer“ als Schrift­stel­ler. Von Wolf­gang Straub

Will­kom­men im Muse­um des Lei­dens ohne Weh­ge­schrei
Pau­la Grog­gers Hei­mat­ro­man Das Grim­ming­tor. Von Han­no Mil­le­si

Die Lust am Schuss
Wil­li Gails deut­sche Sci­ence-Fic­tion-Roma­ne. Von Roland Inner­ho­fer

Knie­fall­phi­lo­lo­gie
Wie Emil Staiger aus der Mode kam. Von Tho­mas Sträss­le

Oppor­tu­nis­mus, der sich bezahlt macht
Franz Karl Ginz­key, Dich­ter von Hat­schi Brat­schis Luft­bal­lon. Von Kle­mens Renold­ner

Fashionable Novels made in Wei­mar
Unter dem Pseud­onym Ama­lie Berg publi­zier­te Caro­li­ne Lud­e­cus (1755–1827) viel gele­se­ne Erzählungen und Roma­ne. Mit ihrer Unter­hal­tungs­pro­sa gewährte die Kam­mer­frau am Wei­ma­rer Hof span­nen­de Ein­bli­cke in die Lebens­wel­ten der pri­vi­le­gier­ten Krei­se ihrer Zeit. Von Anna Ana­nie­va

Der aller­letz­te Rit­ter
Oder: Die Kränkungen des Richard Schau­kal. Von Harald Gschwandt­ner

Bud­den­brooks, chi­ne­si­sche Vari­an­te
War­um Pearl S. Buck den Nobel­preis für Lite­ra­tur ver­dient und nicht ver­dient hat. Von Nor­bert May­er

Der abge­dank­te Dichterfürst
Paul Heyse war Deutsch­lands ers­ter Nobelpreisträger für Lite­ra­tur. Geblie­ben ist von sei­nem aus­ufern­den Werk zum Glück fast nichts. Von Danie­la Stri­gl

 

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Online seit: 26. August 2024

Zuletzt geän­dert: 9. Sep. 2024