John Dos Passos unter Artilleriebeschuss / Swetlana Alexijewitsch verlässt Weißrussland / Peter Stamm / Ulrike Draesner / Richard Ford …
Kommentare der Jury zur Auswahl / Preisverleihung am 12. Oktober in Frankfurt
Daniel Mellem im Gespräch über seinen Roman Die Erfindung des Countdowns, der das Leben des Raumfahrtpioniers, Raketenbauers und Ufologen Hermann Oberth erzählt.
Lektürenotizen von Thomas Lang zu Büchern von Bret Easton Ellis, Juan Guse, André Gide u.a.
Thomas Kunsts Roman Freie Folge beschreibt die Welt als Jagdrevier. Von Hans Höller
„Man möchte das Buch oft wegschleudern, aber man würde es wieder holen und wieder aufschlagen und würde staunend wieder neu zu lesen beginnen.“
„Bei aller Liebe zum unterhaltsamen Quasseln über studentischen Alkoholkonsum, Körpergewicht und tollpatschigen Sex, ist Dunhams Literatur leider gar von Lieblichkeit befallen.“
Der Übersetzer Gerrit Bussink zählt zu den wichtigsten Vermittlern deutschsprachiger Literatur in den Niederlanden. Dieter Bandhauer sprach mit ihm über die Tücken sprachlicher Verwandtschaft und das Übersetzen von Kultur.
Gisela Trahms im Gespräch mit dem Julien Gracq-Übersetzer Dieter Hornig.
„In der Literatur habe ich keine Kollegen mehr“, schrieb Gracq und sah sich selber als ein folkloristisches Überbleibsel, auf das man die Touristen hinweist wie auf den vom Bauern selbst geräucherten Schinken.“

Aus dem neuen Roman von Daniel Mellem. (Das Buch erscheint am 15. September bei dtv).
Wie und wovon wird Literatur künftig erzählen? Wie verändern die neuen Medien den Schreibprozess? Und welche Rolle wird die Literatur in der Zukunft überhaupt spielen? – Prognosen aus dem Jahr 2014 von Marion Poschmann, Thomas Melle, Ulrike Draesner, Thomas Hettche, Marcel Beyer, Teresa Präauer, Philipp Schönthaler, Benjamin Stein, Matthias Nawrat, Daniela Seel und Gunter Geltinger.
Manu Larcenets unheimliche Comic-Serie Blast. Von Thomas Ballhausen

„In der von Larcenet entworfenen, deutlich deformierten Männergesellschaft ist eine bedrohliche Haltung wechselseitigen Missbrauchs und unvorhersehbarer, drastischer Gewaltausbrüche allgegenwärtig.“

Ein Dramolett. Von Klaus Siblewski
Perlen aus dem Archiv: Eine Kolumne von Andreas Maier
Texte und Materialien aus Alexander Kluges sieben Körben.

„Die im Herbst von ihm ersehnte Atempause für eine Erholung der Nerven war ihm durch Stalingrad abhandengekommen. Hoffnung hatte er nicht. Das war die Stunde, in der Mikroorganismen Hitlers Hirn attackierten. Von Stirn bis Ohr wie taub.“ Hohes, ja, tageweise lebensgefährliches Fieber. Die Viren erahnen die Schwäche oder Melancholie des Wirtskörpers und greifen an.
Alban Nikolai Herbst erinnert an den Schriftsteller Heinrich Schirmbeck, dessen Werk in der Nachkriegszeit der Kahlschlag-Doktrin zum Opfer fiel.

„Nun gehört die Perversion zu denjenigen Kräften, ohne die es Kunst gar nicht gäbe.“

Die radikale Wortkunst des Franz Richard Behrens. Michael Braun im Gespräch mit Michael Lentz.

„In seinen späten Jahren lebte Behrens in bitterer Armut. An sein eigenes Werk erinnerte er sich nur noch peripher.“

Über Lyrik, Songtexte und Musikerromane im Zeitalter der Popkultur. Von Uwe Schütte.

„Macht es insofern also nicht durchaus Sinn, sich ebenso in der Gegenwartsmusik umzusehen, wenn man nach relevanter Poesie für unsere traurigen Zeiten sucht?“

Leitung: Stefan Gmünder / Start: 23. September / Anmeldefrist: 1. September. / 25% Rabatt für VOLLTEXT-Abonnenten / Begrenzte Teilnehmerzahl!
Aus dem Nachlass von Ulrich Becher.

„Von 1954 an begab ich mich für ein halbes Jahrzehnt infolge der Hasstiraden von Torberg und Complizen in eine 2. freiwillige Verbannung aus Austria.“

Die familiär verstrickte Autorschaft von Marie-Jo und Georges Simenon. Von Felix Philipp Ingold.

„Ich will jeden Anschein von Literatur vermeiden. Ich habe einen Horror vor Literatur!“

Thomas Stangl über Georges Perros’ Klebebilder

„All den ungestümen Wesen, die sich unter meinem erbärmlichen Namen regen, das Wort geben.“

Einige Überlegungen zu und anhand Peter Roseis Die große Straße. Reiseaufzeichnungen. Von Kurt Neumann.

„Was besagt das Zitat? Dass eine auf Wesenhaftigkeit und Unbedingtheit von Überzeitlichkeit gerichtete „reine“ Wahrnehmung ohne Wimpernzucken über die Schuld an Millionen von Getöteten hinwegzuschreiten gedenkt.“

Iris Hanika liegt mit Echos Kammern vor Zsófia Bán (Weiter atmen) und Georges-Arthur Goldschmidt (Vom Nachexil). …
Mady Morrison: Yoga, Fitness, Lifestyle.

Wir haben so viel an Aggression geparkt in unseren Herzen, in unseren Bäuchen, und wir tragen sie schwer auf unseren Schultern. Das belastet uns und macht uns müde.

Thomas Hummitzsch im Gespräch mit Alban Nikolai Herbst über Leben und Werk – anlässlich des Erscheinens seiner gesammelten Erzählungen.

„So las ich meinen hoch aggressiven, doch zu allererst verzweifelten Text quasi noch in Rainald Goetz’ Blut.“

Eine fast wahre Geschichte. Von Klaus Modick.
„Literaturproduktion ist wesentlich ein sich selbst generierender Prozess. Wer auf ‚gute Ideen‘ wartet, wartet vergeblich.“
Für Eileen Myles und Isabelle Lehn – sisters of mercy. Von Jan Wilm.
„Aber Literatur wird von Körpern gelesen, wie sie von Körpern geschrieben wird, und es erschien mir den größten Unterschied zu machen, ob ich ein Buch im Zustand der Verzweiflung las oder im Zustand der Verliebtheit.“

Literatur als Traumabewältigung. Von Felix Philipp Ingold.

„Schon vor dem Ausnahmezustand der Covid-19-Pandemie dominierten in der Belletristik Stoffe und Themen aus dem Bereich privater und gesellschaftlicher Pathologie.“

Monate lebten wir an der Stange. Die Verbote wurden drastischer, wir blieben an der Stange. Die Zeichen kamen ins Gesicht der Menschen, wir waren an der Stange.
Thorsten Nagelschmidt und sein politischer Roman Arbeit. Von Uwe Schütte.

„Die Brandstiftungen in Einkaufszentren sind das Fanal des soziokulturellen Wandels in den sogenannten Szenekiezen.“

Katrin Hillgruber im Gespräch mit Ludwig Fels über seinen neuen Roman Mondbeben, afrikanische Sehnsüchte und die Macht der leisen Wirklichkeit.
Marina Zwetajewa über Ossip Mandelstam: „Dieses Buch stammt vom erbärmlichsten Typus, den die Menschheit zu bieten hat: von einem Ästheten; es ist verrottet bis ins Mark.“

Jan Wilm: „Aber Literatur wird von Körpern gelesen, wie sie von Körpern geschrieben wird, und es schien mir den größten Unterschied zu machen, ob ich ein Buch im Zustand der Verzweiflung las oder im Zustand der Verliebtheit.“

Praktika können ab sofort beginnen, Dauer und Stundenzahl flexibel.
„Die einzige Erklärung, die ich schließlich für das Verhalten der Gruppe fand, war, dass alle sich gegenseitig durch ihre Vorbildlichkeit in Schach hielten.“ – Von Norbert Gstrein.
Paul-Henri Campbell über die Poesie der Dichterin* Koleka Putuma.

„Ich will jemanden, die mich ansieht / und mich liebt / so wie weiße Leute Mandela ansehen / und lieben“

Aus dem Tagebuch von Clemens J. Setz.
„Er ging auf den Friedhof, um Namen zu tanken.“
Eine Sammlung von Texten über Literatur und Kritik, Betrieb, Markt und Ästhetik. Mit Beiträgen von Katrin Passig, Felix Philipp Ingold, Hubert Winkels, Insa Wilke, Daniela Strigl, Stefan Gmünder, Norbert Gstrein, Philipp Schönthaler u.v.m.
Von Andreas Maier

„Aus den Begriffen NPD, Ortsvorsteher und Wetterau ergibt sich also automatisch, dass ich den Leuten einfalle.“

Aus dem neuen Roman von Iris Hanika.
„Offenbar hatten nicht nur über Auschwitz alle ihre Kollegen schon ein Buch geschrieben, sondern alle auch schon eins über New York. Als wären das die beiden Grenzpfosten, zwischen denen die deutsche Befindlichkeit sich spannt.“
Stefan Gmünder über die Tiroler Partnergemeinde von Sodom und Gomorra.
„Bei der anschließenden Explosion fing nicht nur der Arm des Kellners, sondern auch ein Lokalgast Feuer. In Ischgl ist dergleichen nicht weiter der Rede wert.“

Dieter Bandhauer zu Samuel Becketts Briefen.
„Der große Minetti, den ich neulich als Marat in dem Weiss-Stück so glänzen sah, als Pozzo unglaublich daneben – und störrisch“.
Über die verzerrte Wahrnehmung Anton Kuhs. Von Walter Schübler

„Ich sehe leider: ob Hitler, ob Karl Kraus – es ist dasselbe.“

Matthias Nawrat über Artur Becker und seinen Roman Drang nach Osten
Aus dem Tagebuch des Clemens J. Setz.
„Ich gerate vor den Muscheln allmählich ins Flüstern und Murmeln, berichte ihnen silbenweise von der schwierigen Zeit, die ich gerade erlebe.“
Böse botanisieren mit Karl Heinrich Waggerl. Zu Recht vergessen, Teil VI. Von Paul Jandl

Heroische „Einfalt hinter furchigen Stirnen“ und „das schwere Blut“ der Bauern treten gegen die „Imbezillokraten der Vernunft“ an.
Michael Braun im Gespräch mit Ilma Rakusa.
„Es gibt die lakonische Feststellung, dass du ein Drittel deines Lebens in verdunkelten Zimmern zubringen musstest wegen deiner Migräne. Insofern sind das Dunkel und das Schwarz deine Lebensbegleiter gewesen.“

„Gegenwartssprech und Internetmemes, Standardfloskeln zwischen Aufregung und Abgeklärtheit aus dem diskursiven Repertoire der Social Media“
Materialien & Texte aus den sieben Körben. Von Alexander Kluge

„Mangel an Dolmetschern und berittener Erkundung – das notierte Franz Kafka als Grund Nr. 19 der Niederlage Napoleons in Rußland.“
Grenzgänge der Literatur V – Aktuelle Leseerfahrungen mit Mendele Moicher Sforim, Danilo Kiš und Olga Tokarczuk. Von Felix Philipp Ingold

Unterwegs zu Eduard von Keyserling. Von Klaus Modick

„Seinem Charme verdankte er freilich auch die Syphilis.“

Lektürenotizen von Arno Geiger zu Büchern von Peter Handke, Joan Didion, Elfriede Jelinek, Erich Maria Remarque, Karl Kraus u.a.
Bei den Nazis war der Begriff ebenso beliebt, wie später in der DDR. Heute scheuen auch die politisch Korrekten nicht vor seiner Verwendung zurück. Michael Buselmeier über die Lieblingsvokabel aller Kulturlobbyisten.
Eine Leseprobe aus Frank Witzels Roman.
Dass sich der vierzigjährige Adorno als „Archibald Stumpfnase Kant von Bauchschleifer“ bezeichnet und seine Mutter als „Marimumba, meine Stutensau“, verweist auf eine derart vor-ödipale Naivität, dass man als Außenstehender nur ungern daran teilhaben möchte.
Der tägliche Newsletter mit Links zu einschlägigen Beiträgen in deutschsprachigen Medien.
Diese Themen haben unsere Leserinnen und Leser seit 2002 am meisten interessiert.
Angelika Klammer im Gespräch mit Oswald Egger über den Triumph der Farben und anderes.

„Es geht um die lachende Misere, den Trost, dass das ganze Um und Auf sich nicht ausgeht.“

Thomas Lang im Gespräch mit Dietmar Dath über Science-Fiction und sein neues Buch Niegeschichte.

„Die Kulturindustrie hat den Kanon gekillt, weil sie zu viel Zeug ausstößt, um es noch nach Rang zu sortieren.“

Ein E-Mail-Wechsel über neue Editionen von Wolfgang Koeppen und Peter Hacks. Von Klaus Siblewski

„Reich-Ranicki wollte Koeppen in den 1960er-Jahren als Gegenfigur zum katholischen Heinrich Böll aufbauen und dessen Bedeutung zurückdrängen.“

Zwei Dominanten heutiger Belletristik. Grenzgänge der Literatur (IV). Von Felix Philipp Ingold
„… sich auszudrücken für nichts und wieder nichts.“
Zum Geschäft der Literaturkritik heute

„Die Vorstellung, dass die eigene Lektüre möglichst schnell an die Diskussionen im Gesellschaftsteil rückgekoppelt werden muss, halte ich für fehlgeleitet.“
Esther Kinsky über das Schreiben, Übersetzen und Unterrichten von Literatur

„Ich glaube auch, wenn man Künstler sein will, darf man keine Schonung erwarten.“

Aus dem Tagebuch der Clemens J. Setz.
„Ein Jogger rennt mit Blaulicht auf dem Kopf. Eine Frau mit Narkolepsie, sie trägt einen Helm, ist gerade umgesunken und schläft.“

Von Teresa Präauer.

„… und wir sind zurück in den Achtzigerjahren.“

Von Andreas Maier. „Ich bin Reichsdeutscher. Wenn ich das sage, werde ich meistens missverstanden.“
Die unbekannten Anfänge eines literarischen Sisyphos: Zu Stefano Apostolos Studie über Thomas Bernhards erfolglose frühe Prosa. Von Franz Haas

„Der Genuß, junge Männer in abgewetzten Lederanzügen anzuschauen, reizt mich zum Erbrechen.“

Eine Poetikvorlesung von Ernst-Wilhelm Händler.

„In den vergangenen Jahrzehnten wurde das amerikanische Schreiben – eher schlicht, eher gefühlsnah, eher unterhaltsam – als die „wirklich“ gute Literatur propagiert.“
Wolfgang Emmerich im Gespräch mit Michael Braun über Paul Celans Verhältnis zu seinen deutschen Kritikern.
„Frau Heidegger hat ja behauptet, sie und ihr Mann hätten nicht gewusst, dass Celan Jude sei.“

Ulrike Draesner im Interview mit sich selbst über ihr Leben als Schriftstellerin und als Professorin für literarisches Schreiben.

Das ist der Haufen, in dem ich lebe. Das sind „die Deutschen“.

Uwe Schütte im Gespräch mit dem Berliner Künstler, Musiker und Autor Hendrik Otremba über Kryonik, Scott Walker, Roberto Bolaño, W. G. Sebald und seinen Roman Kachelbads Erbe.
Die Julius-Campe-Preisträgerin gibt Auskunft über den Stand der Literaturkritk,  persönliche Vorlieben und Lektüren.
„Ich beobachte bei einigen Kollegen die Neigung, schnell in das Bedeutungsverlust-Karaoke des Betriebs einzustimmen.“
Siegfried Unseld zum Gedenken. Norbert Gstreins Kolumne „Writer at Large“.
Scott Walker begann seine Karriere als Schnulzensänger und entwickelte sich zum radikalen Kunstmusiker. Seit Kurzem liegen seine exzentrischen, auch unter literarischen Gesichtspunkten interessanten Songtexte als Buch vor. Von Uwe Schütte
Michael Braun im Gespräch mit Kenah Cusanit
Bekannt ist, dass die Fotografie wie auch die Kartografie im 19. Jahrhundert ein Erstarken des Nationalgefühls bewirkte.
Norbert Gstreins Kolumne „Writer at Large“„Ich hatte keine Ahnung, wie über die Grenze zu schreiben wäre, zwischen Peter Handke in seiner bosnischen Phase, Claas Relotius und vielleicht Heribert Prantl als Maßstab der Maßstäbe in punkto Moral.“

Zum Stand der Literaturkritik heute

„Man kann auch zuviele Bücher lesen.“

Persönliche Lektüre-Empfehlungen von Thomas Lang, Martin Prinz, Karin S. Wozonig, Uwe Schütte, Susanne Schleyer und Teresa Präauer.
Über den englischen Magier, Okkultisten und Romancier Aleister Crowley, samt der Spuren, die er in der Literaturgeschichte hinterlassen hat. Von Uwe Schütte.
„Die Einheimischen beobachteten den Mix aus sex, drugs und magick samt der Nacktbaderei mit großer Empörung. Benito Mussolini persönlich unterschrieb die Ausweisungsorder gegen Crowley.“
Michel Leiris und das Schreiben über sich selbst. Von Thomas Stangl
„Ist das, was auf dem Gebiete der Schriftstellerei vor sich geht, nicht jeden Wertes bar, wenn es ,ästhetisch‘ bleibt, harmlos und straffrei?“
Die Marktbedingungen, unter denen freie Schriftsteller arbeiten, schlagen sich in der Ästhetik nieder – und in der sozialen Zusammensetzung des Literaturbetriebes. Von Philipp Schönthaler
Wie ticken Strigl, Winkels, Kegel & Co? Kritikerinnen und Kritiker geben Auskunft über ihre Vorlieben, ihre Fehlurteile und ihren literaturtheoretischen Hintergrund.