volltext.net

Dienstag, 13. Februar 2007

All die gesprochenen Worte

 

Bühnen sind heute wichtige Laboratorien, in denen neue Schreibweisen erprobt werden, nicht selten für ein neues literarisches Publikum. Dabei fallen Grenzen, es bilden sich neue stilistische Koalitionen, die nicht mehr zwangsläufig auf das Buch als Endprodukt hinzielen. Spoken Word steht für diese Öffnung der ästhetischen Konventionen.
Zusammengestellt von zwei der umtriebigsten Slam-Organisatoren, Ko Bylanzky und Rayl Patzak vom „Substanz“ in München, gibt die CD Europe speaks erstmals einen ausgezeichneten Überblick über die europäische Spoken-Word-Szene, die seit einigen Jahren richtiggehend boomt. Alle Möglichkeiten sind erlaubt, um das kreative Potential auszuschöpfen. Das Spektrum reicht hier vom einfachen Vortrag über rasante Wort-Reim-Spiele bis hin zu ausgefeilten Rap-Songs.
Der britisch-ghanesische Autor Nii Parkes oder Michael Lee Burgess aus Dänemark (Shopping with Osama) beispielsweise erzählen ohne klanglichen Zierrat, ganz im Vertrauen auf die eigene Geschichte. Bas Böttcher, Slam-Pionier in Deutschland, oder der Schwede Henry Bowers setzen dagegen auf schnelle Wortfolgen, in denen sich die Lautsprache von der Geschichte loslöst und selbst zu Klang, Musik wird.
Demgegenüber betten der Wiener Peter Jeidler oder der schräge Pilote le Hot ihre Texte effektvoll in verführerisch gefällige Songstrukturen ein, während Jürg Halter seine Rezitation und De Woorddansers aus Rotterdam den zweistimmigen Sprechgesang mit minimalistischen Sounds untermalen. Alle auf der CD versammelten 22 Performance-Poeten aus zehn Ländern zählen zu den Pionieren im Spannungsfeld von Poesie und Musik.

Europe speaks
Verlag der gesunde Menschenversand 2006
CD, 75 Minuten, € 16,50

 

www.menschen-versand.ch


<< zurück

    Freitag, 25. November 2011 

    Cover Volltext 4/2011

    Titelgeschichte: Die Geisterstadt
    Daniel Kehlmann über Sherwood Andersons einflussreichen Klassiker Winesburg, Ohio

    Sebalds Neger
    Die Vereinnahmung von W.G. Sebald als Klassiker erfordert ein Ausblenden seiner widerborstigen Seite. Von Uwe Schütte

    Tiere und Pflanzen, diese gewaltige Dichtung
    Jean-Henri Fabres Erinnerungen eines Insektenforschers. Von Ulrike Draesner

    Eigen, skurril, versponnen
    Christoph Schröder über Jan Peter Bremers Roman Der amerikanische Investor

    „Du elender Hauseingang!“
    Klaus Kastberger über Xaver Bayers Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen

    „Rache ist ein schlechter Berater“
    Christoph Hein spricht mit Katrin Hillgruber über seinen neuen Roman Weiskerns Nachlass.

    Dichter unter Hochdruck
    Daniela Strigl über Leben und Werk des Lyrikers Walter Buchebner

    Neulich
    Andreas Maier dümpelt im Moorsee.

    Grandioses Cartoon-Gespann
    Nicolas Mahler illustriert Thomas Bernhards Alte Meister. Von Thomas von Steinaecker

    Lyrik-Logbuch Michael Brauns Eintragungen zu Gedichten der Gegenwart

    Lyrischer Moment
    Silke Scheuermann als Pandabär in Hongkong

    Siebzehn Stufen
    Zum Verhältnis von Alltag und Literatur. Von Georg Klein

    Wie Literatur funktioniert
    Gerrit Bartels über James Woods Die Kunst des Erzählens

    Das Fahrrad weiß mehr
    Nicht mehr lieferbar! – Eine Serie von Clemens J. Setz über vergriffene Werke bedeutender Autoren. Teil 2: Denton Welch.

    „Es ist viel Arbeit, normal zu bleiben“
    Die Literatur im Zeitalter von Wordpress und Twitter. Eine Umfrage

    Die Bewohner von Château Talbot Von Arno Geiger

    Unsere Popmoderne Die Wechselstunden. Von Marc Degens

    Sehr gepflegt, aber Perser!
    Pavel Kohout entfaltet in seinem neuen Roman Der Fremde und die Schöne Frau ein Panorama alltäglicher Xenophobie. Von Ulrich Faure

    Geld und Erlösung
    Über Hermann Brochs ökonomische Fantasie. Von Bernhard Fetz

    Was kostet ein Broch?
    Rezeption und Autografenhandel. Von Michael Hansel

    Platzanweisung
    Christina Böhms Siegertext beim 19. open mike

    Herr Jesus springt
    Der Siegertext des FM 4-Literaturwettbewerbs Wortlaut. Von Isabella Straub

    Im Schatten der Mauer des Lebens
    Mirko Bonné zu seiner Neuübersetzung von Sherwood Andersons Winesburg, Ohio