„Die anderen Systeme schließen aus, die Poesie umschlingt“

Man­fred Rothen­ber­gers Gesprä­che mit Elke Erb. Von Almut Tina Schmidt
Elke Erb © Christine Bofinger

Elke Erb: „Ich war zwei­mal in der Ner­ven­kli­nik. Das ist schon ein Grenz­be­reich.“ Foto: Chris­ti­ne Bofin­ger

Wach, aber ruhig blickt das klei­ne Kind dich an – auch wenn es eigent­lich nur neu­gie­rig die eige­nen Fin­ger betrach­tet. Es liegt auf dem Schoß sei­ner Mut­ter, in einem Lie­ge­stuhl im Frei­en, die Mut­ter hat die Augen geschlos­sen, wirkt erschöpft und ent­spannt zugleich. Mit die­sem Foto beginnt der Band Tan­zen­de Ord­nungs­lust, in dem Man­fred Rothen­ber­ger sei­ne Gesprä­che mit Elke Erb in ihren letz­ten Lebens­jah­ren doku­men­tiert. Das Buch ent­hält vie­le schö­ne Auf­nah­men von Elke Erb, aber kei­ne ein­zi­ge, die die Dich­te­rin als Diva insze­niert. „Wohl kei­ne ande­re Autorin im deut­schen Sprach­raum ist der­art selbst­re­fle­xiv und dabei so emi­nent unei­tel“, kon­sta­tiert Jan Kuhl­brodt in sei­nem Bei­trag zum „Text+Kritik“-Band über Elke Erb 2017 in Bezug auf Leben wie Werk. Die sind bei einem radi­kal poe­ti­schen Men­schen wie Elke Erb ohne­hin nicht zu tren­nen. „Ich arbei­te sowie­so immer“, erklärt sie Rothen­ber­ger – Lyrik als Lebens­form, durch­läs­sig und wider­stän­dig zugleich.

Das ver­mit­telt sich in ihrem gesam­ten Werk, von den bei­läu­fig klin­gen­den All­tags- oder Rei­se­be­ob­ach­tun­gen vie­ler kür­ze­rer Gedich­te über die for­mal avan­cier­ten Sprach­er­kun­dungs­va­ria­tio­nen der Win­kel­zü­ge, ihrem kon­se­quent das All­ge­mei­ne im Per­sön­lichs­ten befra­gen­den Haupt­werk der 1980er-Jah­re, bis zur ins Kunst­werk inte­grier­ten Selbst­kom­men­tare­be­ne der mitt­le­ren bis spä­ten Lyrik­bän­de. Und es spie­gelt sich wider in der lebens­lan­gen Aus­ein­an­der­set­zung mit den Tex­ten ande­rer als Über­set­ze­rin respek­ti­ve Nach­dich­te­rin und Her­aus­ge­be­rin.

„Wir waren lei­der auch immer rela­tiv arm, das heißt, ich habe vie­le Anzieh­sa­chen sel­ber genäht.“

Im münd­li­chen Dia­log mit Rothen­ber­ger über­wiegt eine gewis­se Alters­la­ko­nie, die zum Unter­hal­tungs­wert die­ser Gesprä­che bei­trägt. Unan­ge­passt genug sind ihre Posi­tio­nen alle­mal. So fin­det sich kei­ner­lei Ten­denz, die eige­ne Kind­heit zu ver­klä­ren: „Ich war ein Acht­mo­nats­kind, da konn­te man nicht viel erwar­ten.“ Und: „Wenn du auf dem Land auf­wächst, dann denkst du, das kann nicht alles sein. Da war ja nix. Außer mei­ner grund­sätz­li­chen Emp­fin­dungs­be­reit­schaft.“ Spä­ter, wäh­rend des