|
||||
|
„Später einmal“, heißt es gleich zu Beginn, „werden wir auf einen schwarzen Bildschirm starren ...“ – es würde dann der 9. September sein. Mit diesem Vorgriff aufs Ende beginnt Daniel Goetsch seine Parallelgeschichte einer doppelten Identitätskrise. Der Erzähler Dan Kader mogelt sich unlustig durchs Leben, sein Verhalten zeigt autistische Züge und verrät überspielte Unsicherheit. Dass dies auch mit seinem Vater Ben zu tun hat, mag er nicht zugeben. Allmählich muss er sich aber dessen Lebensgeschichte stellen, die von einer Entfremdung anderer Art erzählt. Als junger hoffnungsvoller Orientalist, der in Algier zur Welt kam, in Paris lebte und armenische Wurzeln hatte, wurde Ben Kader 1957 in den Kolonialkrieg nach Algerien einberufen, um als Spezialist und Übersetzer bei den „strengen Verhören“ der Franzosen mit dabei zu sein. Was er sah, war schrecklich, und verwirrte ihn zutiefst. Er verdrängte diese Irritation und verarbeitete sie in Form einer radikalen Position innerhalb der Orientforschung. Seinen Sohn jedoch vermochte er damit nicht zu beeindrucken, vielmehr wirft ihm dieser bis aufs Totenbett vor, sich abwesend gemacht zu haben. Von diesem Vorwurf zehrt Dan in seiner Unentschlossenheit, die sich auch gegenüber seiner Geliebten Miriam manifestiert. |
||||
Freitag, 25. November 2011
Titelgeschichte: Die Geisterstadt
Daniel Kehlmann über Sherwood Andersons einflussreichen Klassiker Winesburg, Ohio
Sebalds Neger
Die Vereinnahmung von W.G. Sebald als Klassiker erfordert ein Ausblenden seiner widerborstigen Seite. Von Uwe Schütte
Tiere und Pflanzen, diese gewaltige Dichtung
Jean-Henri Fabres Erinnerungen eines Insektenforschers. Von Ulrike Draesner
Eigen, skurril, versponnen
Christoph Schröder über Jan Peter Bremers Roman Der amerikanische Investor
„Du elender Hauseingang!“
Klaus Kastberger über Xaver Bayers Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen
„Rache ist ein schlechter Berater“
Christoph Hein spricht mit Katrin Hillgruber über seinen neuen Roman Weiskerns Nachlass.
Dichter unter Hochdruck
Daniela Strigl über Leben und Werk des Lyrikers Walter Buchebner
Neulich
Andreas Maier dümpelt im Moorsee.
Grandioses Cartoon-Gespann
Nicolas Mahler illustriert Thomas Bernhards Alte Meister. Von Thomas von Steinaecker
Lyrik-Logbuch Michael Brauns Eintragungen zu Gedichten der Gegenwart
Lyrischer Moment
Silke Scheuermann als Pandabär in Hongkong
Siebzehn Stufen
Zum Verhältnis von Alltag und Literatur. Von Georg Klein
Wie Literatur funktioniert
Gerrit Bartels über James Woods Die Kunst des Erzählens
Das Fahrrad weiß mehr
Nicht mehr lieferbar! – Eine Serie von Clemens J. Setz über vergriffene Werke bedeutender Autoren. Teil 2: Denton Welch.
„Es ist viel Arbeit, normal zu bleiben“
Die Literatur im Zeitalter von Wordpress und Twitter. Eine Umfrage
Die Bewohner von Château Talbot Von Arno Geiger
Unsere Popmoderne Die Wechselstunden. Von Marc Degens
Sehr gepflegt, aber Perser!
Pavel Kohout entfaltet in seinem neuen Roman Der Fremde und die Schöne Frau ein Panorama alltäglicher Xenophobie. Von Ulrich Faure
Geld und Erlösung
Über Hermann Brochs ökonomische Fantasie. Von Bernhard Fetz
Was kostet ein Broch?
Rezeption und Autografenhandel. Von Michael Hansel
Platzanweisung
Christina Böhms Siegertext beim 19. open mike
Herr Jesus springt
Der Siegertext des FM 4-Literaturwettbewerbs Wortlaut. Von Isabella Straub
Im Schatten der Mauer des Lebens
Mirko Bonné zu seiner Neuübersetzung von Sherwood Andersons Winesburg, Ohio