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Dienstag, 20. März 2007

Neun Träume in Rot

 

Schriftsteller sind oft seltsame Leute, aber kaum einer kann eine so ungewöhnliche Biografie vorweisen wie Galsan Tschinag, der in der westlichen Mongolei als Sohn tuwinischer Nomaden geboren wurde, in Leipzig Germanistik studierte, in Ulan Bator als Universitätslehrer, Schauspieler und Journalist arbeitete und heute als Schamane und Oberhaupt eines 4.000 Menschen zählenden Stammes wirkt. Seine Werke schreibt der mehrfach preisgekrönte Romancier übrigens auf Deutsch.

In seinem neusten Roman Die neun Träume des Dschingis Khan schildert Tschinag die letzten Lebensstunden des mongolischen Welteroberers. Der greise Dschingis Khan ist peinlicherweise vom Pferd gefallen und dämmert, alt und krank, dem Tod entgegen. In seinen Träumen erinnert sich der „All-Einzige Khan“ an Szenen seines Lebens, seiner Kämpfe, seiner Fehler, seiner Triumphe und seiner leidvollen Erfahrungen mit den „bösen, dummen, schläfrigen und noch mit weiteren siebenundsiebzig schäbigen Eigenschaften behafteten Menschen“. Es ist ein grausames Leben in einer barbarischen Welt, das im Traum wie in den wachen Momenten hinter einem blutroten Schleier verschwimmt. Reue kennt der alte Krieger nicht, wenn er auch bedauert, so viele Menschen in sinnlosen Eroberungen geopfert zu haben und eine Militärmaschine zu hinterlassen, die unersättlich ein Land nach dem anderen überrollen wird, ohne daraus dauerhaften Nutzen zu ziehen. Nicht das „Meer von Blut, der Berg von Leichen, die Wüste von Asche“ haben des Khans bedeutungsvollen Sturz vom Pferd bewirkt, sondern Übermut und Gier.

Tschinag hat für diesen dramatischen Stoff genau die richtige Tonlage getroffen. Nie verfällt er in blutrünstigen Schlachtenkitsch oder faschistoiden Heldenkult. Mit einer behutsam aus dem Alltagsgebrauch verschobenen Sprache, überraschenden Wendungen und Figurenreden in freien Rhythmen löst Tschinag auf seine Weise das Problem jedes historischen Romans, nämlich eine Erzählweise zu finden, die weder altertümelnden Schwulst noch anachronistische Trivialität ergibt, sondern lesenswerte Literatur.

Galsan Tschinag
Die neun Träume des
Dschingis Khan
Insel, Frankfurt a. M. 2007
252 Seiten. € 17,80 (D) /
€ 18,30 (A) / sFr 31

 


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    Freitag, 25. November 2011 

    Cover Volltext 4/2011

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    Klaus Kastberger über Xaver Bayers Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen

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    Christoph Hein spricht mit Katrin Hillgruber über seinen neuen Roman Weiskerns Nachlass.

    Dichter unter Hochdruck
    Daniela Strigl über Leben und Werk des Lyrikers Walter Buchebner

    Neulich
    Andreas Maier dümpelt im Moorsee.

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    Nicolas Mahler illustriert Thomas Bernhards Alte Meister. Von Thomas von Steinaecker

    Lyrik-Logbuch Michael Brauns Eintragungen zu Gedichten der Gegenwart

    Lyrischer Moment
    Silke Scheuermann als Pandabär in Hongkong

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    Christina Böhms Siegertext beim 19. open mike

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    Mirko Bonné zu seiner Neuübersetzung von Sherwood Andersons Winesburg, Ohio