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Für Verschwörungstheoretiker stellt der Van-Allen-Gürtel, der auf 6000 Kilometer Höhe die Erde umhüllt, eine Barriere dar. Seine radioaktive Strahlung verhindert nicht nur den Ausbruch des Menschen in den Kosmos hinaus, sie hat konkret auch die Landung auf dem Mond verunmöglicht, so dass sie in einem Hollywood-Studio gefilmt werden musste. Dergestalt ist dieser Van-Allen-Gürtel eine treffliche Metapher für die Gefangenschaft des Menschen auf seinem Jammerplaneten. Wolfgang Herrndorfs Helden empfinden diese Bodenhaftung mit besonderem Nachdruck. Sie kommen einfach nicht hoch, sie finden nie zur viel beschworenen Leichtigkeit des Seins. Dabei sind es nicht nur Lektüren wie die von Eugenides-Romanen, die den allzu vorschnellen Sterbehelfer Hendrick erschlagen, sondern die lähmende Zwischenmenschlichkeit an und für sich. Georg Bitsch erlebt eine Begegnung der dritten Art mit einer jungen Frau, bei der er eines Nachts die Polizei alarmieren will, weil ihm das Auto geklaut wurde. Wie sich mit jemandem verständigen, den man nicht kennt? Während er es mit Smalltalk versucht, belehrt sie ihn blasiert: „Wir sehen uns nie wieder, verstehst du? Da muss man nicht über Banalitäten reden.“ Mehr als solche Banalitäten kommen auf der Party seiner Ex-Frau Christine nicht zur Sprache, weil keiner der Gäste aus dem eigenen Gesellschaftskokon herausfindet. Und auch die Gründung einer obskuren „Zentralen Intelligenz Agentur ZIA“ endet andernorts nur in chaotischer Unübersichtlichkeit. |
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Freitag, 25. November 2011
Titelgeschichte: Die Geisterstadt
Daniel Kehlmann über Sherwood Andersons einflussreichen Klassiker Winesburg, Ohio
Sebalds Neger
Die Vereinnahmung von W.G. Sebald als Klassiker erfordert ein Ausblenden seiner widerborstigen Seite. Von Uwe Schütte
Tiere und Pflanzen, diese gewaltige Dichtung
Jean-Henri Fabres Erinnerungen eines Insektenforschers. Von Ulrike Draesner
Eigen, skurril, versponnen
Christoph Schröder über Jan Peter Bremers Roman Der amerikanische Investor
„Du elender Hauseingang!“
Klaus Kastberger über Xaver Bayers Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen
„Rache ist ein schlechter Berater“
Christoph Hein spricht mit Katrin Hillgruber über seinen neuen Roman Weiskerns Nachlass.
Dichter unter Hochdruck
Daniela Strigl über Leben und Werk des Lyrikers Walter Buchebner
Neulich
Andreas Maier dümpelt im Moorsee.
Grandioses Cartoon-Gespann
Nicolas Mahler illustriert Thomas Bernhards Alte Meister. Von Thomas von Steinaecker
Lyrik-Logbuch Michael Brauns Eintragungen zu Gedichten der Gegenwart
Lyrischer Moment
Silke Scheuermann als Pandabär in Hongkong
Siebzehn Stufen
Zum Verhältnis von Alltag und Literatur. Von Georg Klein
Wie Literatur funktioniert
Gerrit Bartels über James Woods Die Kunst des Erzählens
Das Fahrrad weiß mehr
Nicht mehr lieferbar! – Eine Serie von Clemens J. Setz über vergriffene Werke bedeutender Autoren. Teil 2: Denton Welch.
„Es ist viel Arbeit, normal zu bleiben“
Die Literatur im Zeitalter von Wordpress und Twitter. Eine Umfrage
Die Bewohner von Château Talbot Von Arno Geiger
Unsere Popmoderne Die Wechselstunden. Von Marc Degens
Sehr gepflegt, aber Perser!
Pavel Kohout entfaltet in seinem neuen Roman Der Fremde und die Schöne Frau ein Panorama alltäglicher Xenophobie. Von Ulrich Faure
Geld und Erlösung
Über Hermann Brochs ökonomische Fantasie. Von Bernhard Fetz
Was kostet ein Broch?
Rezeption und Autografenhandel. Von Michael Hansel
Platzanweisung
Christina Böhms Siegertext beim 19. open mike
Herr Jesus springt
Der Siegertext des FM 4-Literaturwettbewerbs Wortlaut. Von Isabella Straub
Im Schatten der Mauer des Lebens
Mirko Bonné zu seiner Neuübersetzung von Sherwood Andersons Winesburg, Ohio