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Ich habe vor meinem 31. Lebensjahr nie geschrieben, keine Gedichte als Jugendliche, keine Stücke, Romane, kurze Texte. Ich habe es als Studentin in Leipzig ein einziges Mal versucht und war nach einer halben Seite völlig erschöpft. So geht Schreiben nicht, dachte ich, und gab den Wunsch, die Idee, ganz auf. Einige Jahre später hatte ich einen Freund, einen Journalisten, mit dem ich viel spazieren ging, reiste, dauernd redete, erzählte. Du musst schreiben, sagte er. Ich dachte an meine halbe Seite und seinen Beruf, den er jahrelang an der Universität gelernt hatte. Schriftsteller kann man nicht lernen, dachte ich, das kann man durch Herkunft, durch zweifelsfreies Wollen. Man schreibt, und der Text ist sofort fertig. Ich kam nach Köln, brach mir nach zwei Monaten einen Mittelfußknochen und saß monatelang am Schreibtisch, am Küchentisch, am Esstisch, las, sah aus dem Fenster und schrieb Briefe. Schreib, bedrängte mich der Freund wieder. Ich muss Geld verdienen, sagte ich, keine Zeit. Ich suchte mir eine Arbeitsstelle und verlor sie nach einem Jahr wieder. Ich war in einem Land mit tausendmal mehr Germanisten, Kulturwissenschaftlern, Philosophen als in der DDR und war offenbar überflüssig. Meine Arbeitskraft brauchte niemand. Ich war auf eine Art frei von einer Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber. Ich überlegte keine Sekunde, was ich nun tun könnte. Ich kaufte mir einen Computer und schrieb. Jeden Tag, wie ein Arbeiter, von neun bis vier. |
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Freitag, 25. November 2011
Titelgeschichte: Die Geisterstadt
Daniel Kehlmann über Sherwood Andersons einflussreichen Klassiker Winesburg, Ohio
Sebalds Neger
Die Vereinnahmung von W.G. Sebald als Klassiker erfordert ein Ausblenden seiner widerborstigen Seite. Von Uwe Schütte
Tiere und Pflanzen, diese gewaltige Dichtung
Jean-Henri Fabres Erinnerungen eines Insektenforschers. Von Ulrike Draesner
Eigen, skurril, versponnen
Christoph Schröder über Jan Peter Bremers Roman Der amerikanische Investor
„Du elender Hauseingang!“
Klaus Kastberger über Xaver Bayers Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen
„Rache ist ein schlechter Berater“
Christoph Hein spricht mit Katrin Hillgruber über seinen neuen Roman Weiskerns Nachlass.
Dichter unter Hochdruck
Daniela Strigl über Leben und Werk des Lyrikers Walter Buchebner
Neulich
Andreas Maier dümpelt im Moorsee.
Grandioses Cartoon-Gespann
Nicolas Mahler illustriert Thomas Bernhards Alte Meister. Von Thomas von Steinaecker
Lyrik-Logbuch Michael Brauns Eintragungen zu Gedichten der Gegenwart
Lyrischer Moment
Silke Scheuermann als Pandabär in Hongkong
Siebzehn Stufen
Zum Verhältnis von Alltag und Literatur. Von Georg Klein
Wie Literatur funktioniert
Gerrit Bartels über James Woods Die Kunst des Erzählens
Das Fahrrad weiß mehr
Nicht mehr lieferbar! – Eine Serie von Clemens J. Setz über vergriffene Werke bedeutender Autoren. Teil 2: Denton Welch.
„Es ist viel Arbeit, normal zu bleiben“
Die Literatur im Zeitalter von Wordpress und Twitter. Eine Umfrage
Die Bewohner von Château Talbot Von Arno Geiger
Unsere Popmoderne Die Wechselstunden. Von Marc Degens
Sehr gepflegt, aber Perser!
Pavel Kohout entfaltet in seinem neuen Roman Der Fremde und die Schöne Frau ein Panorama alltäglicher Xenophobie. Von Ulrich Faure
Geld und Erlösung
Über Hermann Brochs ökonomische Fantasie. Von Bernhard Fetz
Was kostet ein Broch?
Rezeption und Autografenhandel. Von Michael Hansel
Platzanweisung
Christina Böhms Siegertext beim 19. open mike
Herr Jesus springt
Der Siegertext des FM 4-Literaturwettbewerbs Wortlaut. Von Isabella Straub
Im Schatten der Mauer des Lebens
Mirko Bonné zu seiner Neuübersetzung von Sherwood Andersons Winesburg, Ohio