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super lucky dog ist der Titel des Theaterstücks, das ich Ende letzten Jahres geschrieben habe. Mit Kate, Pete, Sabine, Wulf, Trace, einem Kunden und den Hunden in der Nähe von Berlin. Kate und Pete, ein Hundezüchterpaar, bekommen Besuch von Kates Vater Wulf, der in den Fünfzigern nach Amerika ausgewandert ist, dort im Kartoffelanbau viel Geld verdient und wieder verloren hat. Sie sitzen in Gartenstühlen, im Hintergrund die Hunde und ihr Haus, in dem sich Trace, ihre Tochter aus erster Ehe, aufhält. Ich bin in Westberlin aufgewachsen. Meine Großmutter hat auf die Mauer geschimpft wie wohl alle Berliner, denn am 13. August 1961 hat ihr ältester Sohn die Nacht bei seiner äußerst gut betuchten Freundin im Ostteil von Berlin verbracht. Und wir später alle Familienfeste in ihrem Haus, mit Garten und Hundezucht. Dann habe ich viele Jahre eine Kartoffelfarm in Idaho geleitet. Die Aufführungsrechte für super lucky dog liegen bei Suhrkamp.
1. Im Garten. KATE Wir hatten uns in einem kleinen Wald verlaufen und wussten nicht mehr, wo das Hotel ist. Also sind wir über einen Acker gelaufen und dann zu ein paar Häusern, wo wir einen Mann in seinem Garten gefragt haben, und dann und deshalb erzähle ich das, kurz vor dem Hotel habe ich in die völlig falsche Richtung gezeigt und zu jemandem anderes gesagt, ich glaube, da rechts ist es, und da hast du in die andere Richtung gezeigt und gesagt, da ist das Hotel, ihr seid schrecklich. Und darüber habe ich gelacht und das verstehe ich bis heute nicht. Was daran lustig war: ihr seid schrecklich, da ist das Hotel. Ich habe so laut gelacht, dass der Kirchturm gewackelt hat und die Glocken angefangen haben zu läuten, der Mann aus seinem Garten zu uns gelaufen ist und wir noch im gleichen Glockenklingen geheiratet haben. SABINE Das ist schön, und seitdem seid ihr verheiratet? KATE So ungefähr. Ich hoffe ja nur, dass ich keinen Krebs habe. PETE Tut dir was weh? Ach, stimmt ja, entschuldige, das ist so gemein, finde ich, dass Krebs nicht weh tut und dass das auch gar nicht stimmt. KATE Irgendwie tut Krebs dann nämlich doch weh. SABINE Natürlich, ich meine, wie könnte da auch was wachsen und nicht weh tun, das tut natürlich weh, aber nicht gleich, aber du weißt nichts Genaues? PETE Müssen wir mal abwarten, da habe ich ja selbst auch immer Angst vor. KATE So, dann ist ja alles klar, die Show ist gut gelaufen, die Hunde sind wieder da und ihr seid wieder da, wenn ich Auto fahren könnte, würde ich mit dir fahren, Sabine, aber das weißt du ja, und ich sags mal, wie es ist, ich lass meine Alphahündin gar nicht gern allein, meine Abbalisa, und jetzt seid ihr wieder da, also, alles wieder in Ordnung, und ich habe auch ein paar Neuigkeiten, Pete, aber eins nach dem anderen. PETE Wir unterhalten uns gerade so schön. SABINE Hören die Nachbarn euch hier eigentlich? PETE Du, das kann ich gar nicht einschätzen, manchmal denke ich, die hören jedes Wort und das habe ich schon seit meiner Kindheit so, dass ich das nicht einschätzen kann, oder, wenn ich jetzt genauer überlege, dann habe ich das seit meiner Pubertät. SABINE Ja, Pete. PETE Ja, richtig schlimm wurde es, als ich mir kurz vor Ende der Pubertät ein Livealbum gekauft gekauft habe, ich geniere mich ja sowieso schnell, ich meine, falsche Musik und so, aber dieses Livealbum, als der erste Applaus aufbrandet und mein Sänger schreit, this is und seinen Namen, während unserer Nachbar die Tür aufschließt, da wusste ich, ich möchte sterben, forever and ever, Tausende applaudieren und ich halte mir die Ohren zu. Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich machen konnte, bitte sag ja, bitte, ich geniere mich jetzt wieder so, das ist wie, wenn ich selbst sehr laut singen würde im Schlaf, sagen wir mal so, im Schlaf singen und nicht aufwachen, das kommt dem nahe. How can I tell you? KATE Habt ihr denn gar keinen Hunger, jetzt habe ich mich so auf heute gefreut und jetzt. PETE Du könntest dich auf morgen freuen. KATE Das kann ich jetzt nicht, gestern war es einfacher, als ich mich noch auf morgen, also auf heute freuen konnte. SABINE Das stimmt aber nun mal wirklich. KATE Soll ich Abbalisa mal Stacey nennen, habe ich gestern gedacht, ich finde dieses Abbalisa so komisch. PETE Wo ist eigentlich Tracey? —- Trace! KATE Habt ihr denn nun Hunger? PETE Ein bisschen. SABINE Also Kate, wir wissen ja alle, worum es geht, und wenn die Nachbarn was anderes denken, Kate, dann sag ihnen einfach mal: Entschuldige, aber das ist so mit den Hunden, die Hunde müssen zu den Messen, sonst können wir sofort einpacken, ist doch so, Kate. Und Sabine hat nun mal den Wagen und ihren Ovid, ihren Zuchtrüden, und da können meine, also sagst du, meine Hündinnen mitfahren und ein bisschen Hilfe kann die kleine Sabine schon gebrauchen und deshalb hilft ihr der Pete beim Fahren, denn ich kann nicht Autofahren, so würde ich das einfach sagen, wenn ich du wäre, ganz einfach wie es ist. PETE Lass doch, Sabine, wir unterhalten uns gerade so schön. Was ich noch sagen wollte, ich habe jedenfalls gefragt, was machen Sie, wenn es brennt. Wir haben eine Brandmelderin kennengelernt, Kate, für den Zug, die in Köln solange Aufenthalt hat, dass sie einen Großteil ihres Gehalts dort ausgibt. SABINE Ach, das habe ich gar nicht mehr mitgekriegt, dass du das gefragt hast, was hat sie denn dann gesagt? PETE Dass es noch nicht passiert ist, hat sie gesagt, wenn, dann müsste sie verschiedene Telefonate führen. KATE Also nicht selbst löschen. SABINE Ach, Kate, jetzt erzähl du doch erst mal. KATE Einkaufen war ich. Vor einer Woche habe ich festgestellt, dass ich unmöglich aussehe, dass ich also mal los muss. SABINE Vor einer Woche sind wir doch auch gerade los, Pete, das ist ja ein Ding, das glaub ich nicht, beiß mich mal. PETE Warte mal, Sabine, wir unterhalten uns doch gerade so schön. KATE Beim ersten Mal war es ja ganz toll, ich war in einer Bekleidungsabteilung, in einem großen Kaufhaus, eine Modeetage, in der von vielen kleinen Firmen, die natürlich auch große Firmen sind, aber in dem Kaufhaus wirkt das klein, weil jeder ein Eckchen hat und das auch fast nie ineinander übergeht, obwohl, nein, nehm ich zurück, stimmt nicht ganz, das ist eigentlich doch gut gemacht, nur manche eben, da kann mans nicht gut erkennen, aber im Allgemeinen eben doch. SABINE Was war toll? KATE Was war toll, was toll war, der erste Tag war toll oder die erste Stunde, sagen wir, eigentlich war der Shop toll, also nicht der erste Stand sondern die ganze erste Etage. Ich dachte toll, was es alles gibt, wunderbare Sachen, ich hätte mir mal eher was kaufen müssen, kaufen sollen, sagen wir besser und dann habe ich mich in eine Umkleidekabine gesetzt, in den Spiegel gesehen und zu mir selbst gesagt, vorher war es nicht nötig. SABINE Das stimmt, Befehle immer durchsetzen, auch wenn es nicht mehr nötig scheint. KATE Ja, ich mein aber auch im privaten Bereich war es einfach nicht nötig, dachte ich, Moment, dachte ich, es war ja besonders nötig, sonst wäre es nicht nötig geworden, also, wenn ich mir eher was Schönes gekauft hätte, müsste ich mir jetzt vielleicht nichts Schönes kaufen. PETE Hast du dir was gekauft? KATE Ich habe mir gleich beim ersten Mal eine herrlich braune Jacke gekauft und dann nach einer Hose geguckt, und keine gefunden, das war der Freitag. Dann bin ich am Samstag noch mal los und obwohl es sehr voll war, habe ich Sachen vom Freitag wiedererkannt. Ich war jetzt in den großen Läden von den Marken, die ich vorher als offene Eckchen in der Etage … SABINE Ach Mensch, und? KATE Und seitdem war ich sechsmal, und ich habe keine Hose gefunden, weil ich jetzt die meisten Sachen auch schon kenne, ist die ganze Euphorie weg, und wenn ich was Neues sehe, habe ich schon gar keine Lust mehr. Seit dem fünften Mal Nicht-Shopping habe ich so meine Zweifel, wenn es keine Hose gibt, die mir passt, dann ist vielleicht das Gegenteil der Fall und es gibt die Hose, aber mich nicht. SABINE Das klingt aber jetzt komisch, Pete, mach mal das Licht an. KATE Wir sind im Garten, Sabine. ruft zum Haus. Trace! SABINE Erst Licht an, Befehle immer durchsetzen. PETE Trace! Kommt die nicht? Kate schüttelt den Kopf, rutscht zu Pete. KATE Als ich heute aufgewacht bin, dachte ich als erstes, Pete kommt heute zurück und vielleicht trinkt Sabine mit ihrem Zuchtrüden auch noch einen Kaffee bei uns oder vielleicht essen sie bei uns zu Abend, aber dann ist mir eingefallen, da war was ganz ganz Unangenehmes, da war doch was Falsches und dann fällt es mir ein: Ich habe mir noch eine Jacke gekauft, in der ich aussehe wie eine Echse, die entweder noch sehr langsam geht oder bereits durchtrocknet. Ich glaube, wenn man selbst aussieht wie Fruchtfleisch, ist eine Echsenhaut genau das Richtige, und jetzt habe ich mir die Echsenjacke gekauft, weil ich die Echsenjacke jetzt bezahlen kann, was ich früher nicht konnte, so ist das passiert, ohne eine Sekunde nachzudenken, wache ich jetzt also seit drei Tagen auf und weiß, etwas Schlimmes ist passiert, etwas, das alles versaut. So gehts, so gehts, sagen Freunde dann, denen man das natürlich nicht erzählt, andere Sachen erzählt man, dass die Mutter der besten Freundin vielleicht bald stirbt oder so. Dass andere sagen, so gehts, so gehts, aber das Schlimme, womit ich jeden Morgen aufwache, darüber kann ich nicht sprechen, stattdessen erzähle ich dann von der Echsenjacke. SABINE Was hast du da eigentlich an? KATE Nicht fragen, dann muss ich weinen, ich habe das von meiner Mutter geschenkt bekommen. Sie ist kurz danach gestorben und es war auch ein Fehlkauf. PETE Tracey, kommt die nicht. SABINE Wann hast du denn gemerkt, dass es ein Fehlkauf war? KATE Sofort. PETE Das hast du mir nie erzählt. SABINE Ja, so kanns gehen. KATE Ich glaube im Grunde sogar, dass, wenn ich nackt wäre, die Jacke gut aussehen würde, nur die Jacke, ich glaube das eigentlich, im Grunde bin ich wahnsinnnig selbstbewusst. PETE Ist doch toll, das ist doch toll. SABINE Sieht aber sehr schön aus, dass da kein Fussel dran ist. KATE Findest du? SABINE Ja, finde ich wirklich. Wirklich. KATE zu Pete Mein Vater kommt. Er hat Trace gemailt. Pete antwortet nicht. Kate steht auf, geht zu den Hündinnen. KATE Na Abbalisa, meine Süße, ärgert dich die Crissa. Mein Vater kommt morgen aus Amerika und vor fünfzig Jahren hat er dort Steine aus dem Boden gesammelt und darauf mit eigenen Händen eine Kartoffelfarm gebaut und so weiter und so weiter. Kate geht zu Pete zurück. Tracey, bist du noch im Haus? PETE Katie, warte mal, wenn dein Vater dann kommt, wie heißt der noch mal und spricht der deutsch? KATE Weiß ich nicht, was der spricht, was hat der dennn früher gesprochen, da hat er, was hab ich denn früher gesprochen? Alles mögliche. Trace!! PETE Warum kommt der denn jetzt plötzlich? KATE Weil er pleite ist, irgendwelche Pommesfirmen haben alle Kartoffelfirmen gekauft und jetzt kaufen sie seine Kartoffeln nicht mehr, sie haben alles notversteigern müssen, seine zweite Frau hat ihn verlassen, er schreibt, er braucht zum ersten Mal im Leben Hilfe. PETE Das ist ja geil. KATE Ja.
2. Wulf im Flugzeug, erklärt seinen Sitznachbarn links und rechts die Zusammenhänge der Kartoffelindustrie, Kartoffelweisheiten … .
Simona Sabato Vorgeschlagen von Burkhard Spinnen geboren 1964 in Berlin, lebt in Berlin. Ausbildung zur Kamerafrau an der SFOF Berlin. Zehn Jahre Arbeit als Kamerafrau. Studium UDK Berlin Szenisches Schreiben.
Veröffentlichungen (Auswahl) nicht in den Mund. In: Spectaculum 73. Suhrkamp 2002. super lucky dog. Suhrkamp 2004. Gotland. In: Spectaculum 75. Suhrkamp 2004.
Auszeichnungen Preis der Jürgen-Ponto-Stiftung 2001. Arbeitsstipendium des Berliner Senats für Kultur und Wissenschaft 2002. Arbeitsstipendium der Stiftung Preußischer Seehandlung 2003. Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste 2004. |