SCHREIBEN 2020

Wie und wovon wird Lite­ra­tur künf­tig erzäh­len? Wie ver­än­dern die neu­en Medi­en den Schreib­pro­zess? Und wel­che Rol­le wird die Lite­ra­tur in der Zukunft über­haupt spie­len? – Posi­ti­ons­be­stim­mun­gen von Mari­on Posch­mann, Tho­mas Mel­le, Ulri­ke Draes­ner, Tho­mas Hett­che, Mar­cel Bey­er, Tere­sa Prä­au­er, Phil­ipp Schön­tha­ler, Ben­ja­min Stein, Mat­thi­as Nawrat, Danie­la Seel und Gun­ter Gel­tin­ger.

Von 10. bis 12. Sep­tem­ber 2014 ver­an­stal­te­te die Kunst­stif­tung NRW in Koope­ra­ti­on mit dem Lite­ra­ri­schen Col­lo­qui­um Ber­lin eine Klau­sur­ta­gung mit deutsch­spra­chi­gen Autorin­nen und Autoren in deren Rah­men über die Zukunft lite­ra­ri­schen Schrei­bens dis­ku­tiert wur­de. Vor­ge­ge­ben waren drei The­men­blö­cke, die vom Ver­an­stal­ter wie folgt umris­sen wur­den:

1. Die künf­ti­gen The­men der Lite­ra­tur. Die Lite­ra­tur als künf­ti­ges The­ma.

Wel­che The­men, wel­che Stof­fe könn­ten und/oder soll­ten für Lite­ra­tur in Zukunft wesent­lich wer­den? Und: Wer­den die­se Inhal­te sich über­haupt wesent­lich von unse­ren heu­ti­gen unter­schei­den? Wer­den sich immer (noch) mehr The­men aus dem Bereich tech­ni­scher und media­ler Ent­wick­lun­gen in die Lite­ra­tur ein­schrei­ben? Oder pas­siert womög­lich das Gegen­teil: eine expli­zi­te Abwen­dung von ver­meint­li­chen The­men und Stof­fen der Zeit und eine bewuss­te Kon­zen­tra­ti­on auf jene Berei­che, die in ande­ren Orten der Öffent­lich­keit nicht mehr oder zu wenig vor­kom­men?

Zugleich legt eine Aus­ein­an­der­set­zung mit Inhal­ten natür­lich auch nahe, die Per­spek­ti­ve ein­mal zu wech­seln und die­se Fra­ge auch an die Lite­ra­tur selbst zu stel­len: Wel­che Rol­le wird sie künf­tig spie­len kön­nen und spie­len wol­len? Inwie­fern kann sie ein The­ma der Zukunft sein?

Die Zukunft des Schrei­bens.

2. Die Werk­statt

Auf die Inhal­te fol­gen die Schreib­wei­sen. Wie hat sich das Schrei­ben in jüngs­ter Zeit ver­än­dert und wie wird es sich künf­tig wei­ter ver­än­dern? Etwa durch neue Mög­lich­kei­ten der Recher­che? Wel­che neu­en For­men und For­ma­te ent­wi­ckeln sich aus der Aus­ein­an­der­set­zung mit ande­ren – alten und neu­en – media­len For­men? Wel­che neu­en Schreib­wei­sen und For­ma­te ent­ste­hen aus der Wech­sel­wir­kung mit ande­ren Medi­en? Ver­än­dern neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men des All­tags (wie SMS und Twit­ter) auch die lite­ra­ri­sche Spra­che – und wenn ja, wie?

Neben die­sen Fra­gen nach der Ästhe­tik sol­len auch ganz prak­ti­sche Kon­se­quen­zen der neu­en Schreib­werk­zeu­ge dis­ku­tiert wer­den, z.B.: Wie geht man als Autor mit Manu­skrip­ten, mit Über­ar­bei­tun­gen, Kor­rek­tur­gän­gen oder Strei­chun­gen um? Ver­schwin­den die­se Arbeits­gän­ge im Zeit­al­ter der Dele­te-Tas­te unwie­der­bring­lich, oder ent­wi­ckelt man neue Prin­zi­pi­en der Archi­vie­rung auch des­sen, was man eigent­lich ver­wor­fen hat – um auch nach­träg­lich noch den Ent­ste­hungs­pro­zess eines Wer­kes nach­voll­zie­hen zu kön­nen und für ande­re trans­pa­rent zu machen? Ediert man also auf gewis­se Wei­se bewusst den eige­nen Nach­lass?

3. Die neue Öffent­lich­keit

Dass ein Dasein als Autor oder Autorin mit einer gewis­sen Form der Insze­nie­rung ver­bun­den ist – gewollt oder unge­wollt – kann kaum aus­blei­ben und konn­te nie aus­blei­ben. Das digi­ta­le Zeit­al­ter, die zahl­rei­chen sozia­len Netz­wer­ke stel­len hier­für nicht nur neue Mög­lich­kei­ten bereit, son­dern wer­fen auch neue Fra­gen auf: Inwie­fern gehört es zum Pro­fil eines Autors, ein digi­ta­les Pro­fil zu haben? Wie sehr setzt sich der/die digi­ta­li­sier­te AutorIn dadurch der Inter­ak­ti­on mit seinen/ihren Lese­rIn­nen schon im Vor­feld aus?

Was bedeu­ten die „basis­de­mo­kra­ti­schen“ Bewer­tungs­mög­lich­kei­ten (z.B. bei Ama­zon) für die Autoren­psy­che? Ist Self-Publi­shing eine Befrei­ung vom Dik­tat der Ver­la­ge oder doch eher Fluch, weil man sich damit (noch mehr) der Will­kür des Mark­tes aus­lie­fert? Inwie­fern wer­den Mar­ke­ting­auf­ga­ben, die eigent­lich in der Ver­ant­wor­tung des Ver­lags lie­gen soll­ten, auf die Autoren über­tra­gen? Und falls es die­se Über­tra­gung gibt: Wer pro­fi­tiert von ihr?

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AUTORENTREFFEN „SCHREIBEN 2020“

Die­ser Schwer­punkt konn­te dank der freund­li­chen Koope­ra­ti­on der Kunst­stif­tung NRW und des Lite­ra­ri­schen Col­lo­qui­ums Ber­lin ent­ste­hen. An der von Wieb­ke Porombka und Chris­tia­ne Hei­bach mode­rier­ten Tagung auf Schloss Gehr­den nah­men die fol­gen­den AutorIn­nen teil: Nora Bossong, Gun­ther Gel­tin­ger, Mari­on Posch­mann, Tho­mas Plet­zin­ger, Mar­cel Bey­er, Tho­mas Hett­che, Tho­mas Meine­cke, Mathi­as Gatza, Danie­la Seel, Ulrich Pelt­zer, Ulri­ke Draes­ner, Tho­mas Mel­le, Roman Ehr­lich, Ben­ja­min Stein, Tere­sa Prä­au­er, Ste­fa­nie de Velas­co, Katha­ri­na Schul­tens, Bet­ti­na Sulei­man, Mat­thi­as Nawrat, Phil­ipp Schön­tha­ler. Elf von ihnen haben im Vor­feld oder im Anschluss an die Tagung State­ments schrift­lich aus­ge­ar­bei­tet, die auf den fol­gen­den Sei­ten abge­druckt sind.

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Die fol­gen­den Tex­te sind im Rah­men des Autoren­tref­fens ent­stan­den:

Mar­cel Bey­er
Chris­ti­an Thie­le­mann diri­giert Bibi Blocks­berg in gerech­ter Spra­che

Ulri­ke Draes­ner
Zukunft des Schrei­bens

Gun­ther Gel­tin­ger
Ver­such einer per­sön­li­chen Stand­ort­be­stim­mung zwi­schen vier Frag­men­ten zum Erzäh­len von Welt.

Tho­mas Hett­che
Die End­lich­keit des Tex­tes

Tho­mas Mel­le
The­sen­ar­ti­ges zur Agen­da 2020

Mat­thi­as Nawrat
Es muss Ruhe ein­keh­ren

Mari­on Posch­mann
Ener­gie einer radi­ka­len Pri­vat­sphä­re

Tere­sa Prä­au­er
Auf die Fra­ge nach einer mög­li­chen Zukunft der Lite­ra­tur

Phil­ipp Schön­tha­ler
Für eine Moder­ni­tät der Lite­ra­tur im Zeit­al­ter der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie

Danie­la Seel
Das amor­ti­siert sich nicht

Ben­ja­min Stein
Nein, vie­len Dank!

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Quel­le: VOLLTEXT 3/2014

Online seit: 29. August 2020

Online seit: 29. August 2020

Zuletzt geän­dert: 30. Aug. 2020