Energie einer radikalen Privatsphäre

Von Mari­on Posch­mann

1. Die künf­ti­gen The­men der Lite­ra­tur. Die Lite­ra­tur als künf­ti­ges The­ma.

Die Lite­ra­tur ist das ein­zi­ge Medi­um, das dem Sub­jekt eine kri­ti­sche Selbst­re­fle­xi­on ermög­licht. In kei­ner ande­ren Kunst­form gibt es die Ich-Per­spek­ti­ve, die viel­ge­schmäh­te Innen­schau, über­haupt die Her­aus­for­de­rung, eine Figur ihren Gefüh­len, Gedan­ken, Wahr­neh­mun­gen aus­zu­set­zen. Das ist die Kern­kom­pe­tenz der Lite­ra­tur und ihr exis­ten­zi­el­ler Anspruch. Stof­fe sind modisch, das wird auch in Zukunft so blei­ben, inso­fern hal­te ich die Fra­ge nach den Inhal­ten der Zukunft für irrele­vant. Wenn die Lite­ra­tur kei­nen phi­lo­so­phi­schen Gehalt hat, mag sie unter­ge­hen. Dann kann ich näm­lich gleich fern­se­hen.

Stof­fe sind modisch, das wird auch in Zukunft so blei­ben, inso­fern hal­te ich die Fra­ge nach den Inhal­ten der Zukunft für irrele­vant.

2. Die Werk­statt

Der Ent­ste­hungs­pro­zess eines Wer­kes zeigt sich nicht an den Über­ar­bei­tungs­stu­fen. Er ist ein Geheim­nis, und er lie­ße sich auch nicht für ande­re trans­pa­rent machen, indem ich mei­ne Manu­skrip­te aus der Hand gäbe, da ich selbst im Nach­hin­ein nicht mehr weiß, wie mir man­ches gelun­gen ist. Im Hin­blick auf den Infor­ma­ti­ons­ge­halt ist das Hor­ten von Manu­skrip­ten sinn­los. Trotz­dem hebe ich jedes ein­zel­ne beschrie­be­ne Blatt auf, um es vor frem­den Bli­cken zu schüt­zen. Wenn ich es nicht ritu­ell ver­bren­ne. Viel­leicht ist es die Ener­gie einer radi­ka­len Pri­vat­sphä­re, die der Lite­ra­tur über­haupt erst ein gewis­ses Niveau ver­schafft. Daher gilt für mich die ein­fa­che For­mel: je weni­ger Inter­net, des­to bes­ser das Buch.

Ich bin kein Lohn­schrei­ber, son­dern Künst­le­rin, und ich leh­ne es ab, mei­ne Bücher in ers­ter Linie als Pro­dukt und die Leser als Kun­den zu betrach­ten.

3. Die neue Öffent­lich­keit

Lite­ra­tur ist eine Form von Inti­mi­tät, die zwi­schen dem Autor und dem Buch bezie­hungs­wei­se dem