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Petronas, der König von Infologenien, herrscht in diesen Zeiten. Seine Gattin ist bereits in jungen Jahren verstorben, ohne dass sie ihm einen Thronfolger schenken konnte. So ist das Herrschen in Infologenien eine gemähte Wiese, die ohne Familie wächst. Doch auch gemähte Wiesen sind von einem von Mal zu Mal zu mähen. Zu düngen sind sie auch. Das passiert dann, wenn der König saufen geht. Die Blase des Königs hat nämlich ein Leiden. Sie hält das Uringemisch nicht lange aus. Zu spät, die Toilette verfehlt. Der Weg zu weit. Der König Petronas hat eine versteinerte Miene, selbst dann, wenn er einen geblasen bekommt. Seine Untertanfrauen und seine Untertanmänner blasen ihm gerne den Marsch und so ist er zum Dienen verurteilt. Der Diener seiner Untertanen, das ist der König von Infologenien, das ist Petronas, der Steinerne Wille. So nennen ihn seine Untertanen, denn diese Redensart hat sich sofort nach seiner Machtübernahme herumgesprochen. Wie von einer Tarantel gestochen, wußte er, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht König war, das beste Krönungsritual zu inszenieren, das es je zuvor so noch nicht gab, in Infologenien. Infologenien gab es ja auch noch nicht. Das war Teil seiner Strategie, die er, gemeinsam mit der Technologie des delegierten Denken ausfochte. Dieser Fuchs Petronas hat es echt drauf. Er weiß wie er sein Denken delegieren kann, ohne selbst denken zu müssen. Er ist ein wahrer König und vielleicht ist es seine verstorbene Gattin gewesen, die ihm ja weder Kinder noch Thronfolger schenkte, die er verlieren musste, um dieses delegierende Denken zu lernen. Jetzt kann er es perfekt und deshalb ist er König von Infologenien. So berichten Augenzeugen, ihm am Tag seiner Geburt sprechen lernen, sie ihn dabei gesehen haben, wie er seinen Atem die Farbe purpur gab. Dieser Zauber umwehte ihn seither und viele Sagenerzähler und Geschichtendrücker trugen dieses Kunststück weiter in die Welt. Diese Geschichte erreichte irgendwann auch ihn selbst. Petronas überlegte nicht lange und kam auf die glorreiche Idee, den Himmel purpur zu färben, das in der Sekunde seines Amtsantrittes, also in der Sekunde seiner Machtübernahme. Das funktionierte so. Die geheimen, hochfliegenden, für das freie Auge unsichtbaren Tragflächenraketen, welche Starobruno, der König vor ihm, ankaufte, um sein Reich unsichtbar zu verteidigen, hatten ja ausgedient und irgend ein kluger Geschäftsmann aus Rosinien kaufte diese ausgedienten Tragflächenraketen, baute sie um und erlöste hohe Gewinne dadurch, dass er sie als Flächenpinsel, mit denen Wiesen einzufärben sind, einsetzte. Obwohl weit entfernt von seinem zukünftigen Reich, erfuhr Petronas davon und orderte einundzwanzig Flächenpinsel-Trägerflächenraketen. Es war der 16. Julius 20§6, er , Petronas setzte sich am Hauptplatz des Stadtstaates in den Brunnen, der ein Mahnmal gegen die Lüge darstellt, das seit dieser Zeit unverändert blieb, es heute dort noch steht. Ja, Petronas war schon ein wenig mulmig in der Magengegend zu gegen, doch wusste er, das mit Sicherheit, das ihm immer zu trauen ist. Das ist seine Kraft, die andere als Steinernen Willen bezeichen, Steinern und Willen großgeschrieben. Die vielen Einwohner von Infologenien, das damals noch Philologenien hieß, trauten bald ihren Augen kaum noch. Petronas Zeit war angebrochen. Er stieg aus dem Brunnen, nahm einen Keramikbecher in seine linke Hand, tauchte diesen in den Brunnen der Wahrheit, also in das Mahnmal gegen die Lüge, sodass der Becher bis an den Rand hin mit klarem Quellwasser gefüllt war. Der erste Einwohner von Philologenien, der ihm vor dem Becher lief, war Brunnus, ein Dorfpflastersteinleger, weiter hat er es nicht geschafft, weil er es nicht weiter wollte. Die Ausbildung zum Stadtpflasterleger schmiss er hin, nachdem er erkannte, dass Stadtpflasterleger um nichts mehr verdienen als Dorfpflasterleger, lediglich der Titel unterscheidet diese Bezeichnungen. Der Titel für Dorfsteinpflasterleger ist DoPfLe, der Titel für Stadtpflasterleger ist StPfLe, einen Zungenbrecher, den er besser nicht anstrebte, denn wer auf derWelt kann das schon aussprechen: StPfLe. DoPfLe geht da noch eher über die Lippen raus, auch erinnert StPfLe an Paragraphenjungel, DoPfLe eher an Dörrpflaumen, die er liebt. Brunnus liebt Dörrpflaumen. Doch das würde hier zu weit führen, würde ich alle Lieben Brunnus aufzählen, denn das ist für jeden in Infologenien heute klar und das war es auch schon für jeden in Philologenien, Brunnus ist ein Frauenliebling, der jeden Abend mit einer anderen Frau zu Abend isst. Er gibt den Frauen ihr Bestes, also greift er jeder auf den Arsch. Die Statistik, die Kinder führen, die das beobachten, besagt, dass von zweihundert Frauen nur eine darüber brüskiert ist und das auch nur, weil ihr jeweiliger Mann zugegen ist. Soweit die Frauen in Infologenien. Brunnus ist der, der am meisten Frauen pflastert. Sein Beruf ist ihm Berufung. Er legt Pflastersteine und klopft danach Frauen. Die mögen das, weil sie wissen, dass Brunnus ein guter Pflasterer ist, vor allem ein guter Dorfpflasterer, denn von denen wohnen wenige im Stadtstaat. Womöglich ist er der einzige. Die Frauen spüren das. Brunnus ist aus der Provinz Quellus, die vor den Toren des Stadtstaates liegt. Die Provinz ist ein Teil des Staates Bergasto, der den Stadtstaat Infologenien vollkommen umschließt. Bergasto hat dreizehn Provinzen. Die Hausstadt, das ist der Sitz der Regierung, liegt an den Grenzen jeder Provinz. Alle Provinzen grenzen an die Hausstadt an und jede Provinz hat ihr eigenes Eingangstor in die Hausstadt Strohmrumata, von feinen Zungen Stutengeil genannt. Bergasto und Infologenien halten einen Respektsabstand von dreihundert Meter ein, um so besser auf Wildtiere schießen zu können, die versuchen von Bergasto zu Infologenien oder umgekehrt zu wechseln. Es gibt wohl schon Technologien, die den Tieren ein zuhause suggerieren, jedoch gibt es trotz aller technischer Eleganz immer wieder ein paar Querschläger, die unbelehrbar bleiben, so wie Menschen. Das kapierte auch der Pädagogenminister und stellte die Schule ab, diese ist seither ein Raumkraftwerk. Der Pädagogenminister aus Infologenien ist ein kluger Kopf, doch das nützte ihn nicht mehr viel, denn der wurde ihm von Direktor Klatschwatsche bei einem Kollegarium abgeschlagen. Blutig ging die Ära von Stofflang, dem Pädagogenminister zu Ende. Doch die Schule blieb abgestellt. Brunnus lag gerade auf einer quakenden Frau, als die Schule ihren Todesstoß versetzt bekam. Das war so. Die Schule wurde mit einem Zeremoniell aus dem Verkehr gezogen. Dafür wurden Schienen bis hin zur Schule gelegt, zwei Schienen mit einem Abstand von fünfzig Metern, darauf eine riesige Dampflokomotive gesetzt, damit die Schule aus dem Verkehr, hin auf die Schiene gezogen. Die Schienen wurden durch den gesamten Stadtstaat gezogen bis hin zum Kopfbahnhof. Auf dieser Strecke verkehrt seither das Raumkraftwerk regelmäßig. Der Witz dabei ist, dass im Raumkraftwerk unterrichtet wird, jedoch jetzt mobil und fern irgend welcher Anstalten. Jetzt öffnete Petronas den Mund und sprach zu Brunnus: „Ich gebe dir die besten Frauen, ich als neuer König werde zum Zeichen meiner Macht und Übernahme jetzt den Himmel purpur blauen!“ In diesem Moment drückte der König auf den Knopf und veranlasste die Flächenpinsel-Trägerflächenraketen zum versprühen ihrer Farben, die sich zu einem purpur-farbenen blau vermischten, so wie er es entschieden hatte. So geschah es, die Menschen, in nun Infologenien konnten so bleiben wie sie vorher in Philologenien waren, nur der Himmel war ein wenig blauer. Ein irrer und sogar verrückter Dichter, der soeben ein Geburtsgedicht für seine beste Freundin verfasste, vermerkte in seinem Skizzenbuch folgenden Gedanken: „das ist der weg alleine die guten quellen gehen auf am blauen himmel leuchten deine“ Der Dichter, John Pool nennt er sich, legte diesen Gedanken danach auf der Philologenen Kronen Zeitung ab, auf deren Ausgabe zum 17. Julius 20§6, eine Frau in blauen Kleidern um ihre blaue Bettwäsche, zwischen Trümmern einer verwüsteten Stadt kämpft. Die blauen Blumen, die ihre Bettwäsche zieren, gaben den Befehl zum Aufbruch in ihr neues Leben.
Autor: Hans-Peter Pirker. 2006. Alle Rechte vorbehalten. |