Im Grand Hotel Wiesler

Norbert Gstreins Kolumne: Writer at Large

Online seit: 12.10.2017

Als das Kind noch Kind war, wusste das Kind nicht, dass es Kind war. (Frei nach Peter Handke)

Like all the boys I knew, I had a gun, and used it, from the age of eight or nine. We shot at anything that moved; we killed everything not domesticated or protected. (Wallace Stegner)

Im Foyer des Grand Hotels Wiesler in Graz hängt ein überlebensgroßes Porträt von Jochen Rindt – mit seinem Gladiatorengesicht wie für einen Helm gemacht, als hätte es den Ersten Weltkrieg nicht gegeben und den Zweiten nicht, und die Welt wäre noch jung, und man könnte allen Ernstes aussehen wie ein strahlender Sieger. Jedes Mal, wenn ich zum Vorlesen in der Stadt bin und vom Literaturhaus dort einquartiert werde und daran vorbeikomme, geht mir der gleiche Gedanke durch den Kopf: Dass ich nie hatte Schriftsteller werden wollen, sondern immer nur Autorennfahrer, und dass ich die ersten Geschichten als Schüler in der Vorstellung geschrieben habe, damit viel Geld zu verdienen und mich in die Formel III einzukaufen und von dort in die Formel II und in die Formel I aufzusteigen und Weltmeister zu werden, selbstverständlich in einem feuerwehr- oder eher feuerroten Ferrari.

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Dieser Text ist nur in der Ausgabe 3/2017 verfügbar.

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