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Andreas Maier: Und Gott fiel die Leiter herab

Andreas Maier: Und Gott fiel die Leiter herab

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Kategorie: Artikel
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Beschreibung

Ich gera­te öfter in Gesprä­che mit Athe­is­ten oder sol­chen, die sich so bezeich­nen. Ich bin hier ver­sucht, eine geschlecht­er­neu­tra­le For­mu­lie­rung zu ver­wen­den, eigent­lich soll­te ich sagen, mit Athe­is­tin­nen oder Athe­is­ten. Aber wenn ich in mich gehe und mei­ne letz­ten drei­ein­halb Lebens­jahr­zehn­te durch­mus­te­re, dann han­del­te es sich tat­säch­lich aus­schließ­lich immer um Män­ner, die for­ciert athe­is­ti­sche Gesprä­che füh­ren woll­ten und von einem Mate­ria­lis­mus her argu­men­tier­ten, der offen­bar für sie so prä­gend war wie die Tat­sa­che, dass sie zwei Hän­de und zwei Füße hat­ten.

Sie ken­nen alle die­se Gesprä­che, bei denen man als glau­ben­der Mensch immer anschei­nend in eine Ver­tei­di­gungs­hal­tung gerät, weil das Gesprächs­ge­gen­über ers­tens gern mal erklärt hät­te, wie denn ein Mensch auf so etwas Selt­sa­mes ver­fal­len kann wie auf einen Glau­ben an einen Gott, und weil zwei­tens die­se Gesprächs­part­ner dann auch gern sofort die­sen Gott mani­fest und gleich­sam phy­sisch prä­gnant gezeigt haben wol­len, als müss­te ich nur einen Stein vom Boden auf­he­ben und sie­he da, dahin­ter wird er sicht­bar, Gott, den mein Gegen­über ein Leben lang nicht gese­hen hat oder nicht zu sehen glaub­te, der zumin­dest sei­ne Begrif­fe so ver­wen­de­te und ord­ne­te, als sei Gott natür­lich eine blo­ße Kon­struk­ti­on, und zwar eine so bana­le, als wür­den wir, die von Gott Reden­den, glau­ben, Gott befin­de sich hin­ter dem nächs­ten Stein.

[…]

Ich begann test­wei­se das Wort Gott zu ver­wen­den. Ich hat­te das Wort noch nie ver­wen­det.

[…]

Irgend­wo in Russ­land, er ist bei der Artil­le­rie, Win­ter. Die Armee ist bereits auf dem Rück­marsch und in schlim­mem Zustand, stän­di­ge Todes­angst.

[…]

Er lös­te sich auf wie ein Wölk­chen, die­ser Gott. Das ist ein bemer­kens­wer­tes Erleb­nis, denn von da an war die­ser Mensch allein, ohne Gott, und lief so durch sein Leben.

[…]

Ich begann test­wei­se das Wort Gott zu ver­wen­den.

[…]

Das klingt kit­schig, aber anders sind die Begrif­fe, die sich aus Gott erge­ben, nicht for­mu­lier­bar.

[…]

Im Rah­men der Ideen­ge­schich­te des west­li­chen Abend­lands hal­te ich die Aus­for­mu­lie­rung des tri­ni­ta­ri­schen Modells für die aller­größ­te Leis­tung.

[…]

Gott ist mir zwar in mei­nem selt­sa­men intel­lek­tu­el­len und dann wie­der nai­ven, zer­fet­zen­den und dann wie­der sim­pli­fi­zie­ren­den Lebens­weg gefolgt, zuerst in nuce, dann offen­bar, aber das ist eben nur mein Lebens­weg.

[…]

Ich dage­gen, als Kind, bekam auf der Schu­le nur noch des­halb aufs Maul, weil mein Vater bei der CDU, alle ande­ren aber bei der SPD waren.

 

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