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Oksana Sabuschko: Literatur als mögliche Therapie für die Nation

Oksana Sabuschko: Literatur als mögliche Therapie für die Nation

€2,00

Über Natio­nal­li­te­ra­tu­ren und das kol­lek­ti­ve Unbe­wuss­te, Hou­el­le­becqs Dia­gno­sen und den Ver­rat der Intel­lek­tu­el­len.
Umfang: ca. 25.800 Zei­chen
For­mat: PDF
Quel­le: VOLLTEXT 2/2018
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Kategorie: Artikel
  • Beschreibung

Beschreibung

Jedes Volk hat sein eigen Maß an Aus­dau­er und Wider­stands­kraft. Die Fran­zo­sen haben ihr eige­nes, und his­to­risch betrach­tet kön­nen sie sich leich­ter der Welt prä­sen­tie­ren als wir, die wir bis 1991 vom Rest der Welt unbe­küm­mert begra­ben und ver­ges­sen waren (Milan Kun­de­ra etwa lamen­tier­te 1984 in den west­li­chen Print­me­di­en, die Tsche­chen wür­den unter der rus­si­schen Okku­pa­ti­on zuse­hends als Nati­on ver­schwin­den, und als Bei­spiel für solch ein Ver­schwin­den nann­te er die Ukrai­ner, die bereits nicht mehr exis­tier­ten!): Die Fran­zo­sen brau­chen nie­man­dem ihr Exis­tenz­recht zu bewei­sen, und nie­mand liegt ihnen mit Sprü­chen in den Ohren, dass die Mör­der „die ande­re Kon­flikt­par­tei“ sei­en, denen sie ent­ge­gen­kom­men müs­sen, damit die­se auf­hö­re, sie umzu­brin­gen (und wür­de es tat­säch­lich jemand wagen, solch eine Emp­feh­lung in der fran­zö­si­schen Öffent­lich­keit aus­zu­spre­chen, also den Rat, wie das gan­ze Land wäh­rend einer Ver­ge­wal­ti­gung gelun­gen einen Orgas­mus vor­täu­schen kön­ne, damit der Ver­ge­wal­ti­ger auch befrie­digt wer­de, die­ser jemand dürf­te sich wohl kaum wei­ter­hin fran­zö­si­scher Poli­ti­ker oder fran­zö­si­scher Jour­na­list nen­nen!). Das Kon­zept des „Staats­bür­ger­tums“ und die damit untrenn­bar ver­bun­de­ne natio­na­le Loya­li­tät gehö­ren in der fran­zö­si­schen (wie auch in jeder euro­päi­schen) Kul­tur zu den Ele­men­ten, über die nicht dis­ku­tiert wird, …

[…]

„Ver­schwin­det, löst euch auf, ver­gesst euch, ver­schmelzt mit dem gro­ßen Ande­ren, und ihr wer­det glück­lich sein.“

[…]

Die Post­mo­der­ne hat sich als idea­le Ideo­lo­gie für Dik­ta­tu­ren im digi­ta­len Zeit­al­ter erwie­sen.

[…]

Hou­el­le­becq erbit­tet für sein Land nicht mehr als einen schö­nen Tod.

[…]

Picas­so bewir­te­te in sei­nem Ate­lier kunst­be­geis­ter­te Wehr­machts­of­fi­zie­re, Sart­re stieß mit ihnen auf den Emp­fän­gen nach den Pre­mie­ren sei­ner Stü­cke an.

[…]

Putins Russ­land hat sich als „Gesell­schaft des sieg­rei­chen Der­ri­da“ neu erfun­den.

[…]

Der Mör­der grinst einem ins Gesicht, da er doch „das Recht auf sei­nen Stand­punkt“ habe.

[…]

 

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