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Thomas Lang: Der Poet, der aus der Kälte kam

Thomas Lang: Der Poet, der aus der Kälte kam

€2,00

Mat­thi­as Sen­kel erzählt in sei­nem Roman Dunk­le Zah­len vom digi­tal exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus.
Umfang: ca. 13.000 Zei­chen
For­mat: PDF
Quel­le: VOLLTEXT 2/2018
Die Datei ist durch ein digi­ta­les Was­ser­zei­chen mar­kiert und durch ein Pass­wort geschützt. Das Pass­wort zum Öff­nen der PDF-Datei ist Ihre E‑Mail-Adres­se.

Kategorie: Artikel
  • Beschreibung

Beschreibung

… Bei Mat­thi­as Sen­kels Dunk­len Zah­len geht die Fik­ti­on etwas wei­ter. Hier ist es der fik­ti­ve Rech­ner GLM 3, eine Golem­ar­ti­ge Lite­ra­tur­ma­schi­ne, die, mit Loch­kar­ten gefüt­tert, den Erzähl­zeit­raum zwi­schen 1821 und 2043 be- oder bes­ser gesagt ver­ar­bei­tet. Ent­wi­ckelt hat den Typ 3 der Inge­nieur Foma Wadi­mo­witsch Tkat­schow in den 1960er-Jah­ren. Die GLM ist die bald „wie eine Spiel­uhr“ sur­ren­de, bald „wie ein Brumm­krei­sel“ heu­len­de Erzäh­le­rin die­ses Romans. Und wie alle Freaks und Ver­sto­ße­nen ver­ge­wis­sert sie sich ihrer eige­nen Geschich­te – der Geschich­te der sowje­ti­schen Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie.

Ihren Ursprung hat sie bereits im neun­zehn­ten Jahr­hun­dert. 1821 tref­fen die rus­si­schen Dich­ter Pusch­kin und Sor­okin auf­ein­an­der. Eigent­lich wol­len sie sich duel­lie­ren, doch ihre Begeg­nung endet in einem gemein­sa­men Mahl. Zusam­men schrei­ben sie ein Gedicht und publi­zie­ren es unter dem Pseud­onym Tete­rew­kin. Die­ser, erfah­ren wir an ande­rer Stel­le, will ein Gedicht schrei­ben, das die gan­ze Welt inven­ta­ri­siert. Er erkennt bald, dass sein Ansin­nen mensch­li­che Kapa­zi­tä­ten über­steigt. Glück­li­cher­wei­se stößt er auf die Ana­ly­ti­cal Engi­ne des eng­li­schen Erfin­ders Charles Bab­ba­ge, die gemein­hin als eine der Vor­läu­fe­rin­nen des Com­pu­ters gilt. Tete­rew­kin ent­wi­ckelt auf die­ser Basis eine ers­te GLM, stirbt jedoch all­zu bald. Auf die­se Wei­se kreu­zen sich in Dunk­le Zah­len Fik­ti­on und His­to­rie. Tete­rew­kin ist eine erfun­de­ne Figur, Bab­ba­ge hat auf unse­rer Welt sehr mate­ri­el­le Spu­ren hin­ter­las­sen …
…

[…]

Hät­te der Sozia­lis­mus mit mehr Gespür für IT über­lebt? Das scheint mir eine span­nen­de Fra­ge.

[…]

Tete­rew­kin schei­tert am Welt­ge­dicht, spä­ter will sein Groß­nef­fe es zu Ende schrei­ben las­sen. Lenin glaubt, es kön­ne erst nach der Revo­lu­ti­on geschrie­ben wer­den.

[…]

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