Farbe bekennen

Von Anna Kim. „Hier und Heu­te – Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur“ – Teil XXXII
Anna Kim © EJ van Lanen

Anna Kim. Foto: EJ van Lanen

Vor ein paar Mona­ten erhielt ich die Anfra­ge, ob ich einen Offe­nen Brief unter­zeich­nen wür­de, der fol­gen­der­ma­ßen beginnt: „Am 13. April mach­te die Jury des Prei­ses der Leip­zi­ger Buch­mes­se ihre Short­list öffent­lich. Alle dar­auf Genann­ten sind hoch­ver­dien­te Autor:innen und Übersetzer:innen. Jede:r Ein­zel­ne wäre ein:e würdige:r Preisträger:in. Unter den Nomi­nier­ten befin­den sich jedoch kei­ne Schwar­zen Autor:innen und Autor:innen of Colour.“ Die Ver­fas­se­rin­nen und Ver­fas­ser erklär­ten, sie fän­den die Ent­schei­dung der Jury pro­ble­ma­tisch, doch es sei kei­nes­wegs ihre Absicht, zu „atta­ckie­ren“, viel­mehr „wol­len wir ihre Ent­schei­dung zum Anlass neh­men, eine Dis­kus­si­on zu füh­ren, die in unse­ren Augen längst über­fäl­lig ist: Über insti­tu­tio­nel­le Struk­tu­ren inner­halb der deut­schen Gesell­schaft, die nicht immer für alle wahr­nehm­bar sind, aber den­noch immer wir­ken. Auch im Lite­ra­tur­be­trieb.“
Lite­ra­tur könn­te und soll­te „gesell­schaft­li­che Struk­tu­ren“ und „herr­schen­de kul­tu­rel­le Vor­stel­lun­gen“ in Fra­ge stel­len, dafür sei es aller­dings not­wen­dig, ihre Viel­falt zu för­dern und zu pfle­gen. „Doch im deut­schen Lite­ra­tur­be­trieb gibt es ganz offen­sicht­lich eine insti­tu­tio­nel­le Struk­tur, die Schwar­ze Schriftsteller:innen und Schriftsteller:innen of Colour aus­schließt. Kul­tu­rel­le Insti­tu­tio­nen, die fast aus­schließ­lich wei­ße Autor:innen aus­zeich­nen, ver­hin­dern die Wei­ter­ent­wick­lung der viel­fäl­ti­gen Lite­ra­tur- und Kul­tur­sze­ne in Deutsch­land. So ver­fes­tigt sich ein ein­di­men­sio­na­les Kon­zept von Lite­ra­tur und Kul­tur.“ Das Ziel sei eine Kul­tur, in der „eine Viel­heit an Stim­men und Per­spek­ti­ven Nor­ma­li­tät ist.“ Dafür sei­en Jurys, Ver­lags­häu­ser und Feuil­le­ton-Redak­tio­nen not­wen­dig, „die die geleb­te Rea­li­tät der deut­schen Gesell­schaft reprä­sen­tie­ren“.
Initi­iert wur­de der Brief von Wis­sen­schaf­te­rin­nen und Wis­sen­schaf­tern aus Deutsch­land, Groß­bri­tan­ni­en und den USA. Einen guten Vor­satz ent­hielt er auch: Die Unter­zeich­nen­den ver­spra­chen, selbst tätig zu wer­den, in ihren jewei­li­gen Berei­chen bzw. wis­sen­schaft­li­chem Umfeld, um dem aktu­el­len Ungleich­ge­wicht ent­ge­gen­zu­wir­ken.1

Ich las den Brief wie­der und wie­der; ich wuss­te nicht recht, wie ich reagie­ren soll­te. Einer­seits war ich nicht über­rascht, ein sol­ches Schrei­ben geschickt zu bekom­men. In vie­len Anfra­gen, die mich errei­chen, geht es um die­sen The­men­kreis. Mal ver­birgt er sich in den Schlag­wör­tern Migra­ti­on, Migra­ti­ons­li­te­ra­tur oder Migra­ti­ons­hin­ter­grund, mal ver­steckt er sich in einem Korea‑, Ost­asi­en- oder Asi­en-Titel, dann wie­der möch­te man mei­ne Mei­nung zu Hei­mat bzw. Hei­mat­lo­sig­keit hören. Anfangs war ich jedes Mal über­rum­pelt, wenn Fra­gen zu die­sem The­men­kreis auf­tauch­ten, spä­ter erwar­te­te ich sie, es ging sogar so weit, dass ich sie beant­wor­te­te, selbst wenn sie gar nicht gestellt wur­den, ein solch wohl dres­sier­tes Zir­kus­pferd war ich.

Das Unbe­ha­gen, das ich nach jedem Auf­tritt als Anna Kim, Migra­ti­ons­li­te­ra­tin spür­te, woll­te mich nicht mehr ver­las­sen.

Stich­wort Zir­kus­pferd (eine leich­te Über­trei­bung, ich weiß): Ich galop­pier­te brav auf die Büh­ne, zeig­te mein Kunst­stück­chen, obwohl es nicht immer um die­ses ging, son­dern um eine wie mich auf dem Podi­um, ich wie­her­te ein paar Mal, dem Publi­kum gefiel es (oder nicht), und schon war die Show auch wie­der vor­bei. Dass sich sowohl mein Zir­kus­akt als auch die Wor­te, die sich in mei­nem Wie­hern ver­steck­ten, immer öfter wie­der­hol­ten, bemerk­te ich nicht nur, ich tat dies bewusst: Ich wie­der­hol­te das, was (meis­tens auf­grund sei­ner Schlicht­heit) funk­tio­nier­te, das ande­re ließ ich aus. So ver­lor das Gesag­te zuneh­mend sei­nen Inhalt, das Spre­chen wur­de zu einem sinn­lo­sen Akt, und die Ver­an­stal­tun­gen began­nen mich zu quä­len. Der Unter­schied zwi­schen der Per­son, die an den Lesun­gen oder Podi­ums­dis­kus­sio­nen teil­nahm, und der Pri­vat­per­son Anna Kim war bald unüber­brück­bar groß; auf der Büh­ne mein­te ich, eine Anna Kim spie­len zu müs­sen, die mit mir nicht viel gemein­sam hat­te, bis auf das Geburts­jahr und den Geburts­ort. Gleich­zei­tig war mir bewusst, dass dies nicht nur, aber auch mei­ne Schuld war, ich hat­te die­se Figur mit­er­schaf­fen, auch ich hat­te ihr die Wor­te in den Mund gelegt, und ich ließ sie sie aus­spre­chen. Das Unbe­ha­gen, das ich nach jedem Auf­tritt als Anna Kim, Migra­ti­ons­li­te­ra­tin spür­te, woll­te mich nicht mehr ver­las­sen.
Ich tat das Ein­zi­ge, was ich mei­ner Mei­nung nach tun konn­te: Ich begann, Ein­la­dun­gen abzu­leh­nen. Es traf sich, dass ich zu die­ser Zeit schwan­ger wur­de und auf­grund von Kom­pli­ka­tio­nen nicht mehr rei­sen durf­te.

Der Offe­ne Brief erreich­te mich nach fast drei Jah­ren Büh­nen- und Öffent­lich­keits­abs­ti­nenz. Ich hat­te die Zeit nicht genutzt, um über mein Dilem­ma nach­zu­den­ken, im Gegen­teil, ich hat­te die Zeit genutzt, um dar­über nicht nach­zu­den­ken, nicht ein­mal einen Gedan­ken dar­an zu ver­schwen­den; ein­fach ich zu sein, selbst­ver­ständ­lich ich zu sein, sonst nie­mand2. Das Schrei­ben ließ es nicht wei­ter zu, die­se Selbst­täu­schung fort­zu­set­zen, denn es defi­nier­te mich in einer Wei­se, die ich in die­ser Klar­heit sel­ten aus­ge­spro­chen höre: Es mach­te mich zu einer Autorin of Colour.

Bis­her gab es zwei Arten, wie die Öffent­lich­keit auf mein Anders­sein reagier­te: (1) Sie nahm es zur Kennt­nis, zugleich über­sah sie es. (Das, dies ist mir im Nach­hin­ein klar, ver­setz­te mich in einen ange­spann­ten Zustand.) Geschah dies aus Freund­lich­keit? War es der Ver­such, mir Gleich­heit zuzu­ge­ste­hen? Ich glau­be schon; ich glau­be aller­dings auch, dass dies einer Hilf­lo­sig­keit ent­sprang: Mein Gegen­über hät­te auch gar nicht gewusst, wie er die­sen Teil freund­lich mit­ein­be­zie­hen soll­te und konn­te. Damit zwang er mich jedoch so zu tun, als gäbe es nicht den Teil der Gesell­schaft, der mich als einen Fremd­kör­per wahr­nimmt. (2) Sie nahm es nicht bloß zur Kennt­nis, sie nahm es als das Ein­zi­ge zur Kennt­nis. Ein Gespräch, das unter die­sem Gesichts­punkt geführt wird, ist eine Sack­gas­se. Es nimmt oft die Gestalt einer Inqui­si­ti­on an, denn es geht um die Fest­le­gung, manch­mal sogar um die Beto­nung von Dif­fe­ren­zen. Gemein­sam­kei­ten dür­fen am Ende des Abends – als ver­söhn­li­cher Aus­klang – ange­führt wer­den, ste­hen aber nicht im Zen­trum der Befra­gung; nicht sel­ten war mir, als wäre ich am Ende des Abends frem­der als zu Beginn.
In bei­den Fäl­len, (1) und (2), stellt sich gar nicht erst die Fra­ge, ob man dem Ent-Frem­den ein Ende set­zen soll­te. Und wie.

Als Kind gehör­ten mei­ne Fami­lie und ich zu den Exo­ten unter den Aus­län­dern, etli­che Jah­re spä­ter wur­de ich zu einer Per­son mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, und nun soll­te ich eine Far­bi­ge sein?

Ich setz­te mich an den Com­pu­ter, um den Brief zu unter­schrei­ben, doch etwas hielt mich davon ab. Ich bin kei­ne deut­sche Autorin, sag­te ich mir, ich ken­ne mich mit dem deut­schen Lite­ra­tur­be­trieb nicht genug aus, um ihn zu kri­ti­sie­ren. Außer­dem, erklär­te ich mir selbst, ist es pro­ble­ma­tisch, Begrif­fe wie colour ein­fach so aus dem ang­lo-ame­ri­ka­ni­schen Raum zu über­neh­men, die­se Län­der besit­zen eine ande­re Geschich­te, eine, in der Skla­ve­rei eine wesent­li­che Rol­le spiel­te, sind somit in Öster­reich und Deutsch­land nicht in glei­chem Aus­maß anwend­bar. Außer­dem, schloss ich mei­ne eige­nen Aus­füh­run­gen, bin ich kei­ne Autorin of Colour. Oder bin ich eine Autorin of Colour? Als Kind gehör­ten mei­ne Fami­lie und ich zu den Exo­ten unter den Aus­län­dern (die Not­wen­dig­keit, das weib­li­che Pen­dant anzu­ge­ben, bestand damals noch nicht), etli­che Jah­re spä­ter wur­de ich zu einer Per­son mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, und nun soll­te ich eine Far­bi­ge sein?
Natür­lich stim­men alle die­se Bezeich­nun­gen. Mein Geburts­land sowie das mei­ner Eltern liegt im Aus­land, ergo bin ich eine Aus­län­de­rin. Am Anfang mei­ner Bio­gra­fie steht eine, wenn auch nicht von mir beschlos­se­ne, Migra­ti­on, also besit­ze ich einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund. (Im Lau­fe mei­nes Lebens kamen zu die­ser Migra­ti­on vie­le wei­te­re dazu. Im Hin­ter­grund mei­ner Bio­gra­fie tum­meln sich dem­nach Migra­tio­nen.) Und ja, mei­ne Haut­far­be ist anders als die der Mehr­heit in Öster­reich und Deutsch­land. Wie genau man die­se Fär­bung nennt, ist Defi­ni­ti­ons­sa­che; wenn alles, was von einer eher hel­len Haut­far­be abweicht, far­big genannt wird, ist mei­ne Haut mit Sicher­heit far­big und ich somit eine Far­bi­ge.
Die Bezeich­nung Aus­län­de­rin habe ich gelernt zu über­se­hen. Migra­ti­ons­hin­ter­grund ist ein Begriff, der genau­so häss­lich ist wie die Absicht, die in der Bedeu­tung steckt, doch offen­bar bin ich dage­gen so abge­stumpft, dass es mich heu­te kaum noch berührt. Das Wort Colour aber lös­te in mir ein neu­es Gefühl aus: Ich fühl­te mich in ihm gefan­gen. Es schien ein Netz über mich aus­zu­brei­ten, von dem ich mein­te, mich nur befrei­en zu kön­nen, wenn ich es zer­riss –
und nun kommt Coro­na ins Spiel.

Am Anfang der Pan­de­mie schien die Welt gera­de­zu beglückt davon zu sein, in Chi­na die Schul­di­ge gefun­den zu haben. In Deutsch­land, wo ich zu dem Zeit­punkt leb­te, herrsch­te sowie­so kei­ne beson­de­re Chi­na­lie­be; es wur­de gera­de­zu mit Genuss dar­auf hin­ge­wie­sen, wer die Pan­de­mie aus­ge­löst habe. Dass ein Prä­si­dent Trump mit Chi­na-Flu und ähn­li­chen Bezeich­nun­gen Öl ins Feu­er goss, muss ich nicht wei­ter aus­füh­ren. In jedem Fall häuf­ten sich die Mel­dun­gen, dass Men­schen auf­grund ihres ost­asia­ti­schen Aus­se­hens atta­ckiert wor­den wären, im Früh­jahr 2020 auch in Euro­pa, nicht nur in den USA3.
Ich hat­te schon bemerkt, dass mir Men­schen auf den Stra­ßen aus­wi­chen, die Stra­ßen­sei­te wech­sel­ten und Augen­kon­takt mie­den; ich hat­te aber auch dezi­diert freund­li­che Bli­cke erhal­ten. Ich hät­te nicht sagen kön­nen, ob es an der Pan­de­mie lag, dass unser damals ein­jäh­ri­ger Sohn, immer, wenn er mit mei­nem Mann (einem Wei­ßen) unter­wegs war, beim Bäcker Bre­zel und Quark­bäll­chen geschenkt bekam, mit mir aber nicht, oder ob ich, wenn ich mich in einer unor­dent­li­chen Schlan­ge ein­ord­ne­te, ein­fach über­se­hen wur­de, weil unor­dent­li­che Schlan­gen nun ein­mal schwer zu über­bli­cken sind. Viel­leicht, frag­te ich mich, lag es auch an mir, und mein (über­vor­sich­ti­ges) Beneh­men rief erst recht unfreund­li­ches Ver­hal­ten her­vor?
Mir wur­de schmerz­lich bewusst, was sich hin­ter dem Begriff hono­ra­ry white ver­birgt; wie zynisch er ist. Arbi­tra­ry white soll­te er lau­ten, sag­te ich mir, nicht hono­ra­ry. Ehre emp­fand ich schon lan­ge kei­ne mehr, von der Mehr­heits­ge­sell­schaft der­ma­ßen aus­ge­zeich­net wor­den zu sein. Das Kon­zept hono­ra­ry white – bei uns nennt es sich Mus­ter­mi­gran­ten und gut inte­griert und meint doch bloß assi­mi­liert – täuscht nicht bloß die Emp­fän­ger die­ser zwei­fel­haf­ten Ehre, es gau­kelt auch der ande­ren Sei­te vor, einen Pro­zess durch­lau­fen, also abge­schlos­sen zu haben (den Pro­zess der Akzep­tanz näm­lich, der am Anfang der Inte­gra­ti­on steht und nicht, wie man­che glau­ben, jener der Assi­mi­la­ti­on) –, obwohl dies nicht der Fall ist. Racial pro­fil­ing ist seit 9/11 stär­ker gewor­den, kei­nes­falls schwä­cher; wenn man sich mir gegen­über neu­er­dings tole­rant zei­gen will, spricht man mich auf Eng­lisch an und erklärt, wenn ich sage, ich sprä­che auch Deutsch: „Good for you.“ Haben wir mit den Begrif­fen aus dem ang­lo-ame­ri­ka­ni­schen Raum auch die dort herr­schen­den Gewöhn­lich­kei­ten über­nom­men?
Nicht zuletzt bedeu­tet hono­ra­ry white auch, sich dafür schä­men zu müs­sen, wenn man dis­kri­mi­niert wur­de, weil jene, die ehren­hal­ber weiß sind, ja nicht (nie!) dis­kri­mi­niert wer­den. Wenn es zu einem sol­chen Über­griff kommt, ist die Schuld nicht bei den Schul­di­gen zu suchen – sie gestan­den ja den Opfern eine Ehre zu –, son­dern bei den Opfern. Die­se haben sich offen­sicht­lich etwas zu Schul­den kom­men las­sen.
„Doch im deut­schen Lite­ra­tur­be­trieb gibt es ganz offen­sicht­lich eine insti­tu­tio­nel­le Struk­tur, die Schwar­ze Schriftsteller:innen und Schriftsteller:innen of Colour aus­schließt.“ Ja, das gibt es, viel­leicht han­delt es sich (noch) nicht um eine Struk­tur, son­dern mehr um eine Kul­tur oder eine Gewohn­heit: die Gewohn­heit näm­lich, so zu tun, als exis­tier­te im Betrieb kein Ras­sis­mus (und auch kein Sexis­mus). Der Lite­ra­tur­be­trieb ist jener Teil unse­rer Gesell­schaft, der aus jedem Autor, aus jeder Autorin mit nicht wei­ßer Haut­far­be auto­ma­tisch einen hono­ra­ry white macht. Damit aber nimmt er an den herr­schen­den Struk­tu­ren teil und führt die­se sogar fort, obwohl es nicht not­wen­dig wäre. Denn: Soll­ten wir, die wir über das Mög­li­che genau­so schrei­ben wie über das Unmög­li­che, nicht bes­ser sein? Soll­ten wir nicht imstan­de sein, einen geschütz­ten Raum zu schaf­fen, in dem Akzep­tanz nicht nur ver­spro­chen, son­dern gelebt wird?
Es hilft nichts, wir leben in einer Welt, nein, wir leben in einem Ent­wick­lungs­sta­di­um, in dem der eth­ni­sche Hin­ter­grund noch immer eine gro­ße Rol­le spielt. Wann wir die­ses Sta­di­um ver­las­sen wer­den, lässt sich nicht abschät­zen; es hängt auch davon ab, ob und wann alle Betrof­fe­nen, die Mehr­heit und die Min­der­heit, Far­be beken­nen.

Je öfter ich den Offe­nen Brief las, des­to mehr wur­de mir bewusst, wie far­big ich war; wie viel geis­ti­ger Auf­wand und Selbst­täu­schung nötig gewe­sen waren, um die­se Tat­sa­che zu igno­rie­ren. Und mit einem Mal war ich erleich­tert, gera­de­zu befreit –
als hät­ten sich die Rän­der des Net­zes gelüf­tet.

Anmer­kun­gen
1) Hier kann man den gesam­ten Brief nach­le­sen.
2) Mein Wunsch erfüll­te sich nicht ganz. Mein Sohn mach­te aus mir eine Mut­ter, mit einer Unaus­weich­lich­keit, die ich noch immer nicht fas­sen kann.
3) Inzwi­schen muss­te Biden sogar eine Taskforce ins Leben rufen, die sich mit Über­grif­fen auf Asi­an Ame­ri­cans befasst.

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Anna Kim, gebo­ren 1977. Stu­di­um der Phi­lo­so­phie und Thea­ter­wis­sen­schaft an der Uni­ver­si­tät Wien. Letz­te Buch­ver­öf­fent­li­chun­gen: Die gro­ße Heim­kehr (Suhr­kamp, 2017), Über die Dring­lich­keit (Inns­bruck Uni­ver­si­ty Press, 2017), Fin­ger­pflan­zen (Topa­li­an & Mila­ni, 2017). Mehr Infor­ma­tio­nen unter: www.annakim.at

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„Hier und Heu­te – Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur” ist ein Gemein­schafts­pro­jekt von Ger­hard Ruiss, Tho­mas Keul und Claus Phil­ipp und den bei­tra­gen­den Autorin­nen und Autoren. Die Tex­te der Serie erschei­nen wöchent­lich, jeweils am Frei­tag, und kön­nen auch als News­let­ter abon­niert wer­den. „Hier und Heu­te – Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur” wur­de auf Initia­ti­ve von Claus Phil­ipp durch Spen­den für den Lese­ma­ra­thon Die Pest von Albert Camus des Wie­ner Raben­hof Thea­ters und des ORF-Hör­funk­sen­ders FM4 im Früh­jahr 2020 ermög­licht. Die Rei­he wird von der Stadt Wien aus Mit­teln der Lite­ra­tur­för­de­rung unter­stützt.

Online seit: 24. Sep­tem­ber 2021

Zuletzt geän­dert: 25. Sep. 2021