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VOLLTEXT 3/2020

VOLLTEXT 3/2020

€5,90

Mit Bei­trä­gen von Micha­el Braun, Hans Chris­toph Buch, Ulri­ke Draes­ner, Arno Gei­ger, Nor­bert Gst­rein, Judith Her­mann, Kat­rin Hill­gru­ber, Felix Phil­ipp Ingold, Ange­li­ka Klam­mer, Alex­an­der Klu­ge, Tho­mas Lang, Andre­as Mai­er, Tere­sa Prä­au­er, Ralf Roth­mann, Almut Tina Schmidt, Uwe Schüt­te, Nico­la Stei­ner, Danie­la Stri­gl, Jan Wilm, Karin S. Wozo­nig, Tho­mas Stangl, Susan­ne Schley­er, Paul-Hen­ri Camp­bell, Cle­mens J. Setz.

Umfang: 76 Sei­ten
For­mat: PDF
Die Datei ist durch ein digi­ta­les Was­ser­zei­chen mar­kiert und durch ein Pass­wort geschützt. Das Pass­wort zum Öff­nen der PDF-Datei ist Ihre E‑Mail-Adres­se.

Kategorien: 2020, Ausgaben
  • Beschreibung

Beschreibung

„Der größ­te nor­we­gi­sche Roman, der je geschrie­ben wur­de“
Judith Her­mann über Tar­jei Vesaas Roman Die Vögel

Sind Sie auch ein Säu­ge­tier­pa­tri­ot?
Micha­el Braun im Gespräch mit Levin Wes­ter­mann

Ver­such einer Spra­che der Lie­be
Albert Camus im ero­ti­schen Brief­ver­kehr. Von Felix Phil­ipp Ingold

„Beim schrei­ben auf die spra­che gesto­ßen“
Vere­na Ste­fan und die Neue Inner­lich­keit. Von Almut Tina Schmidt

Begeg­nun­gen in der Auto­fik­ti­on II
Jan Wilm über Annie Ernaux und Ben Ler­ner

Anpas­sung und Wider­stand
Mate­ria­li­en & Tex­te aus Alex­an­der Klu­ges sie­ben Kör­ben

Die Bewoh­ner von Châ­teau Tal­bot
Von Arno Gei­ger

Esse­re Dra­ga­no­vić
Von Nor­bert Gst­rein

Neu­lich
Andre­as Mai­er über den Wert von Flug­pas­sa­gie­ren

Die Ver­wir­rung des Zög­lings Kör­per
Tho­mas Lang über die rät­sel­haf­ten Wand­lun­gen Yukio Mishi­mas

Lyrik-Log­buch
Ein­tra­gun­gen zu Gedich­ten von Peter Orl­ovs­ky, Nan­cy Hün­ger, Lutz Sei­ler und Luís Fili­pe Cas­tro Men­des. Von Micha­el Braun und Paul-Hen­ri Camp­bell

Mein Som­mer in Volapük
Aus dem Tage­buch des Cle­mens J. Setz

Hotel der Schlaf­lo­sen
Eine Erzäh­lung von Ralf Roth­mann

Prä­au­er streamt
Wie man sich vor Kame­ra­über­wa­chung schützt

Ras­sis­mus und kein Ende
Ein Zwi­schen­ruf von H. C. Buch

„The Slave who loved her Mas­ter“
Lek­tü­re­no­ti­zen von Ulri­ke Draes­ner zu Irm­gard Keun, A.L. Ken­ne­dy, Rachel Cusk, Anne Carson, Ter­rance Hayes, Tho­mas O. Höll­mann, Marie NDiaye, Julie Otsuka, Oce­an Vuong, Nata­lia Ginz­burg, Homer

Fra­ge­bo­gen: Nico­la Stei­ner
Zum Geschäft der Lite­ra­tur­kri­tik heu­te

Schley­ers Foto­jour­nal

 


Zita­te aus VOLLTEXT 3/2020

Zweta­je­wa hat mal geschrie­ben, dass Zyni­ker kei­ne Lyri­ker sein kön­nen. Wie recht sie damit hat.

Um die­ses Buch zu schrei­ben, waren tat­säch­lich Kühe und Schwei­ne die bes­se­ren Gesprächs­part­ner.

Wir mögen wil­de Tie­re, Tiger, Löwen oder die Habich­te, aber ein Schaf wird bru­tal her­un­ter­ge­macht.

Camus, der als Mora­list öffent­lich für Wahr­haf­tig­keit, Ver­ant­wor­tung, Genüg­sam­keit ein­trat, konn­te sich sei­ne pri­va­te Ver­lo­gen­heit und Treu­lo­sig­keit nie ver­zei­hen.

„Ich will, dass du gut arbei­test, obwohl es mich gibt.“

„Mein Name ist Sad­dam Hus­sein“, sag­te ihr Anfüh­rer und rich­te­te sei­ne Kalasch­ni­kow auf mei­ne Turn­schu­he: „Dei­ne Adi­das-Schu­he gefal­len mir!“

An die Stel­le der alten Dicho­to­mie ist in Hai­ti der Klas­sen­kampf zwi­schen Schwar­zen und Mulat­ten getre­ten.

Die White-Guilt-Debat­te erin­nert an die Kol­lek­tiv­schuld­the­se nach 1945.

Lek­to­rat und Text­kri­tik haben zwar unver­meid­lich etwas Repres­si­ves, gele­gent­lich aber auch ihre Not­wen­dig­keit.

Tee­ri­tua­le, Mens­trua­ti­ons­wahr­neh­mungs­pro­to­kol­le und Unter­wei­sun­gen auf dem Weg zum wah­ren Femi­nis­mus.

Auch ermor­de­te, gefol­ter­te Frau­en aus aller Welt ste­hen gele­gent­lich bereit, um den eige­nen Schmerz zu rela­ti­vie­ren und zugleich zu über­hö­hen.

Das längs­te zusam­men­hän­gen­de Gespräch in Häu­tun­gen ist ein Schul­bei­spiel pro­vo­zie­rend freund­li­cher Indok­tri­na­ti­on.

Ein sol­ches Buch ist dazu da, über­wun­den zu wer­den.

Ich las und schrieb die­sen Text. Dann geschah die Kata­stro­phe, und die bei­den Bücher hat­ten sich plötz­lich ver­än­dert.

Annie Ernaux: „Ich wer­de nie­mals den Zau­ber von Meta­phern erle­ben, den Glanz des Stils.“

Ben Ler­ners Die Top­e­ka Schu­le wies kei­ne unmit­tel­ba­re Ver­wandt­schaft mit Ernaux auf – außer durch ihren Leser, durch mich.

Ben Ler­ner: „Nichts ist ein Kli­schee, wenn man es selbst erlebt.“

Man­che Spra­chen ken­nen gar kei­ne Ver­gan­gen­heits­form. Viel­leicht sind ihre Spre­chen­den ihren Toten näher.

Na ja, von Autor zu Autor wür­de ich sagen, dass der Text nichts taugt. Von Vater zu Sohn aber wür­de ich dir für den Ver­such dan­ken.

In Wirk­lich­keit gehört der Gedan­ke der Zuständigkeits­überschreitung imma­nent zum Begriff des kul­tu­rel­len Unter­neh­mens dazu.

In Fol­ge ist eine Umkeh­rung der Ten­denz aus lau­ter guter Mei­nung und gutem Wil­len aller Betei­lig­ten erfolgt. Das ist das Gefähr­li­che.

Ich wür­de nicht sagen, daß es eine Zusam­men­stel­lung gesun­der Bür­ger gewe­sen ist, die da geses­sen haben.

Anpas­sung und Bil­dung sind das glei­che. Damals hat­te ich noch eine vor Eifer schmal­ver­zerr­te Mund­par­tie.

Ich hat­te Schweiß­aus­brü­che und ein stol­pern­des Herz, ich bete­te auf ein­mal wie­der viel in die­sen Tagen, und es waren Dank­ge­be­te, dass mir das erspart geblie­ben war.

Ich hat­te nicht gedacht, dass ich es in mei­nem Leben noch ein­mal mit einer Insti­tu­ti­on zu tun bekom­men wür­de, die mir gegen­über als Obrig­keit auf­trat, und dass ich für das Wort „unbot­mä­ßig“ jemals noch Ver­wen­dung haben könn­te.

Sie hat­te mich zu einer Video­kon­fe­renz ein­ge­la­den, und als ich ihre Ein­la­dung aus­ge­schla­gen hat­te, war schnell deut­lich gewor­den, was sie von einem Geld­emp­fän­ger hielt, der sich erlaub­te, nein zu sagen.

Der Mili­tär­pi­lot kos­tet Unsum­men in sei­ner Aus­bil­dung. Der Pri­vat­pas­sa­gier gar nichts. Der ers­te kommt raus. Der zwei­te bleibt drin.

„Wer sich aus­schließ­lich mit der Schön­heit beschäf­tigt, dringt nichts­ah­nend zu den fins­ters­ten Ideen der Welt vor.“

Er habe sei­nen Stil geformt wie sei­ne Mus­keln, bis er „frei und geschmei­dig“ wur­de.

„Mir gefällt nicht, dass die japa­ni­sche Kul­tur nur noch durch Blu­men- Arran­ge­ments reprä­sen­tiert wird.“

Sie schau­te mich an mit dem kor­rek­ten Blick: ein voll­kom­men kran­ker Mensch. Einer an der Kip­pe.

„You should start to ado­re me! I make the rules! If someone runs from me, I harm them!“

Ihr habt kei­ne Ahnung von der Höl­le, die in mir wohnt, sag­te ich schwei­gend zu irgend­je­man­dem.

Dann wie­der Dro­hun­gen, Mord und Tot­schlag und Feen. Letz­te Nach­richt lau­te­te : „I am on my way. You gona bled.“

„Sagt Sta­lin, ich ster­be mit sei­nem Namen auf den Lip­pen!“ Arsch­krie­cher bis zuletzt.

Eigent­lich muss­te er nicht mal rei­ten kön­nen; damals wur­den die Rekru­ten auf den Gäu­len fest­ge­bun­den und blie­ben auch erschos­sen im Sat­tel.

„Glaubt er, nur weil der Gor­ki sein Freund und Gön­ner ist, kann ihm nichts pas­sie­ren?“

„Natür­lich wür­de ich ihn exe­ku­tie­ren, das eine hat doch mit dem ande­ren nichts zu tun!“

Gegen den digi­ta­len Bil­der­strom schwim­men und auch noch gut aus­se­hen!

Wenn ich beden­ke, dass man in sei­nem Leben plus / minus 3000 Bücher lesen kann, wird mir ganz mul­mig, wie viel Zeit ich ver­plem­pe­re.

 

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