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Michael Braun / H. C. Buch: Das Unbeschreibliche –  hier ist’s getan!

Michael Braun / H. C. Buch: Das Unbeschreibliche – hier ist’s getan!

€2,00

Micha­el Braun im Gespräch mit Hans Chris­toph Buch über sei­nen neu­en Roman Still­le­ben mit Toten­kopf, Lite­ra­tur und Kriegs­be­richt­erstat­tung und die Erb­fol­ge in der Lite­ra­tur­ge­schich­te.
Umfang: ca. 19.900 Zei­chen
For­mat: PDF
Quel­le: VOLLTEXT 2/2018
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Kategorie: Artikel
  • Beschreibung

Beschreibung

MICHAEL BRAUN In Ihrem neu­en Werk Still­le­ben mit Toten­kopf hat gleich zu Beginn der Tod einen Auf­tritt. Ein Erzäh­ler, der sich in der Zen­tral­afri­ka­ni­schen Repu­blik auf­hält, spricht einen Mono­log, an des­sen Ende es heißt: „Der Weg ist das Ziel der Tod ist ein / dump­fer nein ste­chen­der Schmerz in der Brust die / Schutt­hal­de der Phi­lo­so­phie im Rücken die Fata / Mor­ga­na der Lite­ra­tur vor Augen ver­stor­be­ne / Freun­de win­ken dir zu Komm rüber zu uns!“ Wenn ein Buch einen sol­che Grund­me­lo­die hat, klingt das, als wäre es ein Abschieds­buch …

HANS CHRISTOPH BUCH Es ist in gewis­ser Wei­se ein Requi­em, aber nicht so fei­er­lich und weni­ger ernst, als es klingt. Ich war wirk­lich in der Zen­tral­afri­ka­ni­schen Repu­blik, letz­ten Som­mer, und wur­de dort krank. Und habe eine Art Kri­se erlebt, eine Lebens­kri­se, die mit den Zustän­den dort zusam­men­hing, aber nicht nur. Es han­delt sich um ein extrem armes aus­ge­plün­der­tes Land mit einem nicht enden wol­len­den Bür­ger­krieg. Davon erzählt die­ser Pro­log, eigent­lich ein lan­ges Gedicht, das ich im Hotel­zim­mer in einer schlaf­lo­sen Nacht nie­der­schrieb. Aber danach geht es ganz anders wei­ter in mei­nem neu­en Buch.

BRAUN Spre­chen wir mal vom Titel, Still­le­ben mit Toten­kopf. Eini­ge Ihrer Wer­ke haben Gemäl­de oder Bild­kunst­wer­ke zum Aus­gangs­punkt. Ein Still­le­ben mit Toten­kopf gibt es ja auch in der baro­cken Male­rei. Das ist doch ein ganz mar­kan­tes Signal, wenn man einen sol­chen Titel wählt.

BUCH Ja, mir gefie­len schon die drei „L“ im Titel. Es gibt sol­che Still­le­ben mit Toten­kopf in der flä­mi­schen, hol­län­di­schen Male­rei der Barock­zeit, aber auch in der spa­ni­schen bei Fran­cis­co de Zur­barán. Ein sol­ches Gemäl­de von Zur­barán ist auf dem Umschlag des Buches zu sehen. Das Vani­tas-Motiv ist aber viel älter als die­ses Motiv der Kunst­ge­schich­te. Das gab es schon im Mit­tel­al­ter und noch frü­her in der christ­li­chen Über­lie­fe­rung. Und in gewis­ser Wei­se ist das Buch ein Rück­blick, ein Dia­log mit dem Tod, ohne dass dar­in – wie gesagt – der tra­gi­sche Aspekt über­wiegt.

BRAUN Das vor­an­ge­gan­ge­ne Werk hieß Elf Arten, das Eis zu bre­chen. Dort haben Sie erst­mals einen aus­führ­li­chen Ein­blick in Ihre Fami­li­en­ge­schich­te ermög­licht. Die Geschich­te Ihres Vaters, eines Diplo­ma­ten, der u. a. als Gene­ral­kon­sul in Syd­ney arbei­te­te, und Ihres Groß­va­ters, der Apo­the­ker in Hai­ti war und dort eine Mulatt­in aus der Ober­schicht Hai­tis hei­ra­te­te. Still­le­ben mit Toten­kopf setzt die­se Erkun­dung der Her­kunft fort. Es führt in die frü­he Kind­heit, in den Luft­krieg gegen deut­sche Städ­te und spielt zugleich in der Gegen­wart des Jah­res 2017. Und es bilan­ziert, was der Schrift­stel­ler Hans Chris­toph Buch nach fast sech­zig Jah­ren lite­ra­ri­schen Publi­zie­rens zu sagen hat – eine Art auto­bio­gra­fi­scher Sum­ma …

[…]

Ich war so über­heb­lich, uner­fah­ren und jung, dass ich dach­te: Mir steht der Preis der Grup­pe 47 zu.

[…]

Die Fas­zi­na­ti­on durch Gewalt habe ich tat­säch­lich ver­spürt. Obwohl ich nicht sadis­tisch vor­pro­gram­miert bin, stell­te ich fest, dass ich ent­täuscht war, wenn in einem Kriegs­ge­biet nichts Spek­ta­ku­lä­res pas­sier­te. 

[…]

Reich-Rani­cki und Jens fan­den das läp­pisch und über­flüs­sig, was ich geschrie­ben hat­te. Das war es auch, aber das war Absicht: Ein Ver­such, die Leser nicht zu inter­es­sie­ren.

[…]

Wenn drau­ßen in der Welt so viel pas­siert, muss nicht auch noch die Lite­ra­tur span­nend sein.

[…]

Ich floh aus einer geschei­ter­ten Ehe und viel­leicht auch aus einer geschei­ter­ten Schrift­stel­ler­exis­tenz und woll­te was ganz ande­res machen, solan­ge ich dazu in der Lage war.

[…]

Ja, ich kam aus Tsche­tsche­ni­en zurück und habe zu mei­ner Mut­ter gesagt, als sie im Ster­ben lag: Was Du durch­machst, ist nichts im Ver­gleich zu dem, was ich in Tsche­tsche­ni­en gese­hen habe. So ähn­lich habe ich es gesagt und das bereue ich heu­te noch.

 

 

 

 

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