Der Zoo

Von Bir­git Birn­ba­cher. „Hier und Heu­te – Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur“ – Teil XXV
Birgit Birnbacher © Bogenberger

Bir­git Birn­ba­cher. Foto: Bogen­ber­ger

Das eine ist der Markt und das ande­re die Wirk­lich­keit, wird die per Kurz­nach­richt ver­han­del­te Dis­kus­si­on mit der Kol­le­gin, Freun­din, Kom­pli­zin, geschlos­sen. Wor­um geht es? Wie­der ein­mal um das Gezer­re zwi­schen Markt und Wirk­lich­keit, wie­der ein­mal um den eige­nen lite­ra­ri­schen Weg. Es geht um: Was kannst du? Und nicht um: Wer weiß davon? Es geht um: Wo willst du hin? Und nicht um: Was ist dir mög­lich? Es geht um: Wer bist du? Und nicht um: Wie möch­ten sie, dass du gese­hen wirst? Auf dem Weg blei­ben, den Fokus nicht ver­lie­ren, den eige­nen, den gan­zen, den ewi­gen Text wei­ter­schrei­ben. Wei­ter­le­ben, hin­aus­ge­hen damit, zurück­kom­men zu sich, besin­nen auf das, wor­um es geht. Wor­um geht es?

Dafür haben wir uns ent­schie­den: Schrei­ben als Beruf. Wir haben uns ent­schie­den, vom Schrei­ben zu leben, die Ent­schei­dung ist gefal­len und jetzt folgt also das Leben. Die Ent­schei­dung war hoch­tra­bend, sie hat sich (kei­ne Über­ra­schung) um sich selbst gedreht, war lan­ge Zeit kühn, Behaup­tung nahe­zu, ist irgend­wann dar­an ermü­det, hin­ter­fragt zu wer­den und zur Tat­sa­che gewor­den: Schrei­ben als Beruf. Ich tue den gan­zen Tag, was ich will, und nen­ne das mei­nen Beruf. Im vier­ten Jahr stellt sich Rou­ti­ne ein. Ich weiß schon, dass ich nicht pro­duk­ti­ver bin, wenn ich mich zwin­ge, aber blau­ma­chen fällt mir schwer. Ich habe ver­ste­hen müs­sen: Es ist ein prak­ti­scher Beruf, denn auch das Nichts­tun gehört zum Tun. Das Zuschau­en, das Fla­nie­ren, das Pau­sen­ma­chen, das Abstand­hal­ten (zum Text). Das Wei­ter­le­ben: Die Vor­wärts­be­we­gung im Lebens­ver­lauf. Was alles geschieht: Die Kata­stro­phe. Die Post-Kata­stro­phe. Und schließ­lich das Schöp­fen dar­aus. Das stän­di­ge Zer­ren an Unglück und Glück: Ers­tes ist lite­ra­risch frei­lich brauch­ba­rer. Wie ver­kom­men bin ich, weil ich beim Ein­tritt der Kata­stro­phe an das Schrei­ben den­ke und dar­an, wie sie mir nüt­zen kann? Dass ich Vor­tei­le aus per­sön­lich schreck­li­chen Situa­tio­nen zie­he, weil das Schrei­ben als Beruf auch eine Art Stoß­dämp­fung im schick­sal­haf­ten Pech ist: Wenn die Kata­stro­phe ein­tritt, för­dert das die Arbeit. Dahin­ter immer die Fra­ge: Wie­viel ris­kie­re ich? Wie­viel gebe ich preis, womit lebe ich dann, wie sehr tritt ein, was noch nicht ein­ge­tre­ten ist, aber ein­tre­ten könn­te. Was wird erst wahr und was ist es längst. Die Unlust am Erfin­den macht sich schon lan­ge in mir breit. Die Abnei­gung gegen das Wort „Geschich­te“ oder „erzäh­len“ fällt mir wie­der ein. Etwas ist im Gan­ge auf dem eige­nen Weg, im eige­nen Schrei­ben. Etwas ändert gera­de die Rich­tung, nein anders: Etwas, das lan­ge nichts mit­ein­an­der zu tun haben woll­te, kommt sich jetzt näher.

Immer die­ses Gefühl, dort nicht hin­zu­ge­hö­ren, wo man mich ein­lädt, egal wo. Das Unbe­ha­gen wird zur Gewohn­heit, damit umzu­ge­hen ist die Kür. Etwas mit Küns­ten und ihrer öffent­li­chen Wir­kung heißt die Ring­vor­le­sung, in die ich gela­den bin, und beschäf­tigt sich mit Schnitt­stel­len von Wis­sen­schaft und Kunst, in der kon­kre­ten Ein­heit mit Sozio­lo­gie und Lite­ra­tur. Neben dem Zugang zu mei­nen Stof­fen und mög­li­chen Bezü­gen zur sozio­lo­gi­schen Aus­bil­dung darf ich mich und mein Schrei­ben kurz vor­stel­len. Das nennt ein ande­rer Mensch in einem ande­ren Zusam­men­hang an die­sem Tag Ein­fach kurz zu Ihnen. Die Vor­stell­run­de, die Kurz­bio­gra­phie. Das letz­te Mal, als ich es kurz machen woll­te, ist in eine mona­te­lan­ge Arbeit ero­diert, die sich unwie­der­bring­lich in mein Schrei­ben hin­ein­ge­fres­sen hat. Als mich jemand von den St. Vei­ter Tho­mas Bern­hard Tagen bzw. der Lite­ra­tur­zeit­schrift SALZ frag­te, ob ich etwas zu mei­nem Lese­er­leb­nis Tho­mas Bern­hard sagen wol­le, woll­te ich nicht. Dafür gab es vie­le Grün­de, aber um der Kür­ze wil­len: Der wich­tigs­te war, dass ich aus Schwarzach-St.Veit stam­me, die Gegend, in der Tho­mas Bern­hard sei­ne Lun­ge kurie­ren soll­te, dem Ort, in dem er im Kir­chen­chor sang, und so wei­ter. Unnö­tig zu sagen tue ich mich mit mei­ner Her­kunft nicht leicht, habe es aber bis­her immer ver­mie­den, mich lite­ra­risch an ihr abzu­ar­bei­ten. Genau das woll­ten sie nun also von mir und ich schrieb, war­um das nicht gehe. In mei­ner Erin­ne­rung schrieb ich zuerst ein paar kur­ze, ent­schie­de­ne Sät­ze, die dann ein paar mehr wur­den. Ich schrieb län­ger, als ein Absa­ge­mail kon­ven­tio­nel­ler­wei­se sein soll. Doch dann geschah etwas Unge­wöhn­li­ches: Mein Absa­ge­mail wur­de abge­lehnt. Sie behan­del­ten mich wie ein Kind: „Das über­legst du dir noch ein­mal.“ Ich war zu mei­ner eige­nen Über­ra­schung aber nicht wütend, son­dern beein­druckt von die­ser Frech­heit, die das im Grun­de ja war. Ich über­leg­te und schrieb dann ein wei­te­res Absa­ge­mail, dies­mal ein glü­hen­des, es wur­de wirk­lich sehr lang, ich schrieb jedes Pro­blem hin­ein, das ich mit mei­ner Her­kunft habe, lösch­te am Schluss ein paar Namen, schrieb ein paar wie­der hin­ein, kopier­te den gan­zen Text her­aus und schrieb dar­über den Titel Schwarzach-St.Veit, nach dem unver­öf­fent­lich­ten Bern­hard Manu­skript, eine Frech­heit also, wie über­haupt die­se gesam­te Akti­on.

Dann luden sie mich ein, nach St. Veit zu kom­men und mei­nen Text vor Germanist*innen vor­zu­le­sen. Da waren aber nicht nur Germanist*innen, da war auch mei­ne Mut­ter. Ich hat­te den Text nie mehr durch­ge­le­sen und schon gar nicht laut. Ich war über­rascht, wie schwer es mir fiel, ihn vor­zu­le­sen. Ich hat­te den Text falsch in Erin­ne­rung: Ich dach­te, er sei eini­gen gegen­über viel­leicht scho­nungs­los und gemein, aber er war nicht scho­nungs­los und er war nicht gemein, er war offen und das war anschei­nend spür­bar. War­um erzäh­le ich das? Für mich war mit die­ser Akti­on etwas sehr Wich­ti­ges auf dem eige­nen Weg, im eige­nen Schrei­ben, gesche­hen. Ich wuss­te, dass ich etwas begrif­fen hat­te, aber ich wuss­te nicht genau, was. Ich schrieb noch etli­che ande­re Tex­te die­ser Art, Lehr­zeit, Krank­heit, Groß­va­ter. Das alles war ja immer noch gedacht als eine Arbeit zu Tho­mas Bern­hard und ich woll­te noch ein biss­chen wei­ter­spie­len mit dem Durch­schei­nen sei­ner gro­ßen auto­bio­gra­phi­schen The­men, aber ohne Bezü­ge her­zu­stel­len, die es ja nicht gibt. Es waren ein­fach lust­vol­le Expe­ri­men­te. Ich schrieb schnell und viel, weil ich merk­te, dass hier etwas zusam­men­traf, was mich mei­ne lebens­lang geheg­ten Abnei­gun­gen gegen das Geschich­ten­er­zäh­len, gegen das Prä­ter­itum, gegen die Ges­te, die Pirou­et­te, das fer­tig- ‑alles-aus­ma­len und dann brav zusam­men­fal­ten: Ich ent­deck­te eine zuver­läs­si­ge Art zu schrei­ben und ich nann­te sie für mich: Die umstands­lo­se Kunst­lo­sig­keit. Die­se umstands­lo­se Kunst­lo­sig­keit woll­te ich zuerst wei­ter pfle­gen und mög­li­cher­wei­se an ihr her­um­schlei­fen, aber ihr Wesen war es, dass es nicht viel her­um­zu­schlei­fen gab, weil dann sofort alles wie­der zur Ges­te ver­kam.

In mei­nen Roma­nen ver­folg­te ich bis­her etwas ande­res, das war eine Art „Schrei­ben im Nega­tiv“, bei der eine Vor­aus­set­zung an die Leser*in gewe­sen war, zu hören, was zwi­schen den Zei­len steht. Mein Schrei­ben in den Roma­nen lebt von dem, was zwi­schen den Zei­len steht, aber die berech­tig­te Fra­ge ist ja: Wenn nur das, was wir ohne­hin täg­lich hören, dort steht, war­um soll jemand es dann lesen? Und war­um schrei­be ich nicht genau das Umge­kehr­te? Ich habe dar­auf kei­ne Ant­wort. Ich weiß nicht, war­um ich das tue. Ich woll­te nie erklä­rend schrei­ben (was hät­te ich auch erklä­ren sol­len), son­dern immer das hör­bar machen, was nicht gesagt wird, was aber auch nicht dort steht, was also zwi­schen Autor*in und Leser*in gehört wird, wenn das Geschrie­be­ne gele­sen ist. Es han­delt sich also genau­ge­nom­men um einen unsicht­ba­ren, stoff­lo­sen Raum, der nur exis­tiert, wenn das, was nicht dort steht, gemein­sam gehört wird, ohne es zu hören.

Als ich zu stu­die­ren begann, hat­te ich schon zehn Jah­re lang die soge­nann­te Arbeits­welt ken­nen­ge­lernt. Ich war gelern­te Augen­op­ti­ke­rin und mach­te eine vier­jäh­ri­ge Diplom­aus­bil­dung in der Beglei­tung von erwach­se­nen Men­schen mit Behin­de­rung. Ich war oft im Aus­land gewe­sen und kam nicht mit dem Ziel ins Stu­di­um, Eras­mus­rei­sen zu machen oder einen Freun­des­kreis auf­zu­bau­en. Ich dach­te wirk­lich, ich wür­de mich jetzt der geis­ti­gen Welt wid­men, rech­ne­te dabei aber nicht mit dem effi­zi­en­za­ler­ten Geist, der da bereits um sich griff, wenn die Kommiliton*innen ihre App­les zuklapp­ten und frag­ten, wie vie­le Punk­te sie nun für die­sen gan­zen Auf­wand hier bekä­men. Es ging im Stu­di­um um vie­le ande­re Din­ge, an die ich nicht so sehr gedach­te hat­te: Es ging um ECTS Punk­te und rasches Vor­an­kom­men. Man stieg aufs Gas und nicht, wie ich mir erhofft hat­te, auf die Brem­se. Man rede­te und arbei­te­te und schrieb an der Ober­flä­che, und nicht, wie ich mein­te, die ich die Uni­ver­si­tät ja bis­her nicht gekannt hat­te, in der Kon­zen­triert­heit. Ich begann, ohne das bewusst so zu pla­nen, eine Art gehei­mes Par­al­lel­stu­di­um, denn ich merk­te bald, dass ich mich viel mehr dafür inter­es­sier­te, wie die Soziolog*innen, also die Vor­tra­gen­den aber auch die Stu­die­ren­den, mit­ein­an­der rede­ten und zu mir oder ande­ren spra­chen. Ich stu­dier­te im Grun­de wahr­schein­lich mehr die Spra­che als den Inhalt, was in der Sozio­lo­gie ja inso­fern min­des­tens genau­so wich­tig ist, als das eine vom ande­ren nicht zu tren­nen ist, solan­ge das gemein­sa­me Ziel die Beschrei­bung der sozia­len Wirk­lich­keit bleibt.

Sozio­lo­gie war für mich immer das ein­zi­ge Stu­di­um, das ich mir hät­te vor­stel­len kön­nen. Mei­ne Schwes­ter, über­haupt in vie­len Din­gen das gro­ße Gegen­teil zu mir, hat­te Ger­ma­nis­tik stu­diert, und Ger­ma­nis­tik lang­weil­te mich zu Tode. So spät, wie ich erst ein­stieg, so sicher war ich mir dafür. Zum einen, wie eben beschrie­ben, wegen der Bemü­hung um Genau­ig­keit in der Spra­che. Zum ande­ren, weil das Zufüh­ren die­ser Leh­re in mir ein Gefühl der Kohä­renz her­stell­te. Ich will ver­su­chen, das zu beschrei­ben: Der sozio­lo­gi­sche Blick ist ja meis­tens einer von außen und ich merk­te durch das Stu­di­um, dass ich immer schon von außen geschaut hat­te, auch wenn ich, wie zum Bei­spiel in die Lebens­welt in den ver­härm­ten Innerge­birgs­dör­fern, in etwas hin­ein­ge­bo­ren war, auch wenn ich von außen betrach­tet dazu­ge­hört hat­te. Im Stu­di­um fiel mir auf, dass ich die­sen sozio­lo­gi­schen Blick nicht erwer­ben muss­te, son­dern ihn, gleich einem Gen­de­fekt, bereits mit mir trug. Auch da, wo ich her­stamm­te, hat­te ich stets von außen geschaut und war – viel­leicht des­we­gen- von den ande­ren immer tief ent­rückt gewe­sen, auch wenn ich damals noch zur Schu­le ging und im Gro­ßen und Gan­zen mit­mach­te. Ich war ein Affe unter Affen, aber zugleich war ich immer schon auch die Besu­che­rin vor der Glas­schei­be im Zoo, wenn­gleich ich erst im Stu­di­um erfuhr, dass es den Zoo gibt. Im Stu­di­um lern­te ich, dass man so etwas Teil­neh­men­de Beob­ach­tung nennt, und fand in die­ser Bezeich­nung eine Art Lebens­über­schrift; und weil ich das Leben nie tren­nen konn­te von der Arbeit des Schrei­bens, war es auch mei­ne Arbeits­über­schrift, kurz: Es war die Art, zu schrei­ben, und so war es auch die Art, zu den­ken und zu leben.

Das führt mich zum Was Sie so schrei­ben und war­um, dem Punkt also, den ich eigent­lich erzäh­len soll, die Kurz­bio­gra­phie, das Was-machst-du-so. Ich weiß heu­te mehr als jemals, war­um ich mich immer so gewehrt habe, gegen das Erzäh­len. Nichts war mir unsym­pa­thi­scher als das Wort Geschich­ten. Ich habe das Schrei­ben damit nie gleich­ge­setzt und je älter ich wer­de und je mehr sich der Lauf der Welt und das Schrei­ben der Ande­ren, der Zeitgenoss*innen und der Umgang mit der Wirk­lich­keit und über­haupt die Defi­ni­ti­on von Wirk­lich­keit und das Rin­gen um sie ver­än­dert, des­to mehr, das wis­sen wir, stei­gert sich im Schrei­ben die Sehn­sucht nach dem Ech­ten und Wah­ren, dem Wahr­haf­ti­gen. Dabei ist mir völ­lig egal, was sich tat­säch­lich zuträgt, was eine küh­ne Lüge ist, was ein Fie­ber­traum. Für mich macht es nicht den gerings­ten Reiz aus, dass ich behaup­ten kann, mein zwei­ter Roman basiert auf einer wah­ren Lebens­ge­schich­te, denn wer traut sich zu behaup­ten, zu wis­sen, was das heißt? Ich jeden­falls nicht. Ich fand die­se Fra­ge auch immer maxi­mal unin­ter­es­sant. Mir geht und ging es immer um etwas ganz ande­res, den Punkt, an dem Leser*in und Schrei­ben­de sich begeg­nen, weil sie wis­sen: Genau so wür­de es gewe­sen sein. Es ist wahr, auch wenn es sich nicht zuträgt. Es ist wahr, weil wir wis­sen, dass es so gewe­sen wäre.

Hier soll­te etwas vom bereits Gesag­tem zusam­men­flie­ßen, aber ich bin mir nicht sicher, ob es das tut. Das eine ist der Markt und das ande­re die Wirk­lich­keit, stand in der Kurz­nach­richt von heu­te Mor­gen. Ich bin Teil die­ses Mark­tes gewor­den, weil ich vom Bücher­schrei­ben lebe, im Moment. Dass das jeder­zeit vor­bei sein kann, und ziem­lich sicher ein­mal vor­bei­sein wird, wahr­schein­lich frü­her, als ich mir vor­stel­len kann, weiß ich, aber es ängs­tigt mich nicht. Ich bin schon oft abge­tre­ten, ich weiß, wie sich ein Abschied anfühlt, und dass es nicht das Schlimms­te sein muss, weiß ich auch (Kurz­pro­sa auf ewig). Wenn ich über­haupt ein­mal alt wer­de, dann nicht mit die­sem Markt, son­dern mit der Wirk­lich­keit. Die Wirk­lich­keit, an die ich oben ver­sucht habe, mich zu nähern, an die ich ein Leben lang ver­su­chen wer­de, mich zu nähern anhand der eige­nen Arbeit, anhand der Arbeit der ande­ren, anhand der Ver­läss­lich­keit von wei­ßem Papier. Das alles könn­te auch ver­kürzt gesagt wer­den, aber nicht von mir. Ich könn­te sagen: Ich bin Affe und Besu­che­rin. Ich könn­te behaup­ten, gelernt zu haben, was ein Zoo ist. Ich könn­te sagen: Mein Name ist. Ich stam­me aus. Ich könn­te mir einen Platz zuschrie­ben, einen Beruf. Ich könn­te erklä­ren, wie schwer es ist, einen Anfang zu machen, und von der Angst reden, ein­mal ein Ende zu set­zen. Ich könn­te am ande­ren Ende begin­nen bei: Wer bist du? Was bist du? Ich könn­te sagen: Mei­ne Arbeit ist das Schrei­ben, aber wenn ich auf­hö­re zu arbei­ten, schrei­be ich auch.

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Bir­git Birn­ba­cher, geb. 1985, hat eini­ge Beru­fe gelernt und erst spä­ter stu­diert. Jetzt lebt sie als Schrift­stel­le­rin mit ihrer Fami­lie in Salz­burg. 2016 erschien ihr Debüt­ro­man Wir ohne Wal (Jung und Jung), der in sei­ner Ent­ste­hung u.a. mit dem Theo­dor-Kör­ner-För­der­preis bedacht wur­de und den Lite­ra­tur­preis der Jür­gen Pon­to-Stif­tung zuge­spro­chen bekam. 2019 folg­te der Inge­borg-Bach­mann-Preis für den Pro­sa­text „Der Schrank“. 2020 erschien der zwei­te Roman, Ich an mei­ner Sei­te (Zsol­nay Ver­lag), und wur­de für die Long­list zum Deut­schen Buch­preis nomi­niert. Birn­ba­cher schreibt Pro­sa und Essays und arbei­tet der­zeit an ihrem drit­ten Roman.

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„Hier und Heu­te – Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur” ist ein Gemein­schafts­pro­jekt von Ger­hard Ruiss, Tho­mas Keul und Claus Phil­ipp und den bei­tra­gen­den Autorin­nen und Autoren. Die Tex­te der Serie erschei­nen wöchent­lich, jeweils am Frei­tag, und kön­nen auch als News­let­ter abon­niert wer­den. „Hier und Heu­te – Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur” wur­de auf Initia­ti­ve von Claus Phil­ipp durch Spen­den für den Lese­ma­ra­thon Die Pest von Albert Camus des Wie­ner Raben­hof Thea­ters und des ORF-Hör­funk­sen­ders FM4 im Früh­jahr 2020 ermög­licht. Die Rei­he wird von der Stadt Wien aus Mit­teln der Lite­ra­tur­för­de­rung unter­stützt.

Online seit: 6. August 2021

Zuletzt geän­dert: 7. Aug. 2021