Was bleibt

Von Bar­ba­ra Rie­ger. „Hier und Heu­te – 100 Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur“ – Teil 87
Barbara Rieger © Alain Barbero

Bar­ba­ra Rie­ger. Foto: Alain Bar­be­ro

War­um habe ich nicht gleich Blu­men mit­ge­bracht statt Bier und Apfel­stru­del?
Er brau­che alle Kalo­rien, die er bekom­men kön­ne, hat die ers­te Kran­ken­schwes­ter gemeint, und auch die zwei­te Kran­ken­schwes­ter hat mei­ne Fra­ge, ob ich ihm das Bier und den Apfel­stru­del geben dür­fe, bejaht, und erst die drit­te hat mir dann, nach­dem sie das Bett­zeug und sein Gewand zwei­mal wech­seln muss­ten, erklärt, dass er so gut wie nichts mehr bei sich behal­ten kann.

Vor dem Senio­ren­heim in der Son­ne sit­zen ein paar Leu­te und lächeln, wäh­rend ich mit den Blu­men an ihnen vor­bei und hin­ein gehe, so als wäre ich jede Woche, viel­leicht sogar jeden Tag hier bei ihm gewe­sen. Der Weg durch die Ein­gangs­hal­le fühlt sich ver­traut an. Die Trep­pe hin­auf, den Gang ent­lang. Es scheint fast nor­mal, zu sei­nem Zim­mer zu gehen, alles scheint nor­mal, bis ich die Tür öff­ne.

Mein Vater liegt auf dem Boden. Das Kran­ken­haus­hemd bedeckt ihn halb. Sei­ne nack­ten Bei­ne. Um ihn her­um die drei Kran­ken­schwes­tern. Sie sehen mich an. Er sei aus dem Roll­stuhl gerutscht. Sie war­ten auf die Ret­tung. Sie dürf­ten ihn nicht bewe­gen. Wahr­schein­lich eine oder meh­re­re Rip­pen gebro­chen. Sei­ne Augen sind offen, er sieht mich an und ich kann nicht anders. Ich gehe auf die Knie, stel­le die Blu­men auf den Boden und grei­fe nach sei­ner Hand.

Ich hal­te sei­ne Hand, als die Sani­tä­ter kom­men und ihn fra­gen, ob ihm etwas weh­tue. Ja, sagt er. Ich hal­te sei­ne Hand, als sie ihn immer wie­der fra­gen, wo es ihm weh­tue, und er nicht ant­wor­tet. Ich las­se sei­ne Hand erst los, als sie beschlie­ßen, ihn alle gemein­sam mit einem Ruck auf die Tra­ge zu heben. Eine Schwes­ter ver­spricht die Blu­men zu gie­ßen, eine ande­re zischt dem Sani­tä­ter zu, dass mein Vater besach­wal­tet sei, als wür­de das irgend­et­was erklä­ren, als wäre damit voll­kom­men klar, wie man sich mir gegen­über zu ver­hal­ten habe.

Ich lau­fe ihnen hin­ter­her. Ich fra­ge, ob ich mit­fah­ren darf, und stei­ge in den Ret­tungs­wa­gen ein, vor­ne beim Sani­tä­ter. Er lenkt schweig­sam und ich habe das Bedürf­nis, ihm alles zu erzäh­len. Dass mein Vater und ich uns heu­te zum ers­ten Mal an der Hand gehal­ten haben. Dass er schon vor eini­ger Zeit aus mei­nem Leben gerutscht ist wie aus sei­nem Roll­stuhl.
Aber als wir von der Auto­bahn ab- und durch die Stadt fah­ren und das Kran­ken­haus vor uns auf­taucht, habe ich noch immer nichts gesagt. Das Auto hält, der eine Sani­tä­ter steigt wort­los aus und hilft dem zwei­ten Sani­tä­ter mit der Tra­ge. Sie dre­hen sich nicht nach mir um. Ich fol­ge ihnen, star­re auf ihre Rücken und auf die gro­ße Tür, sie öff­net sich. Sie schie­ben den Vater davon.

Ich habe mich in einen War­te­raum gesetzt. Als wür­den sie mei­nen Vater irgend­wann wie­der her­aus­schie­ben. Als wür­de er plötz­lich wie­der auf­tau­chen, so wie er damals wie­der auf­ge­taucht ist. Geheilt. Damals hat das Wort für mich gut geklun­gen, und mei­ne Mut­ter hat ihm geglaubt. Für eine kur­ze Zeit hat sie ihm geglaubt. Mit einem Ruck ste­he ich auf, gehe einen, gehe wei­te­re Gän­ge ent­lang, ste­he vor einem Schal­ter, stel­le Fra­gen und erhal­te kei­ne Ant­wor­ten. Ich dre­he mich um und fol­ge den Exit-Schil­dern.

Erst drau­ßen schaue ich auf mein Han­dy. Ein ent­gan­ge­ner Anruf von David und eine Nach­richt von Chris: Ich hof­fe, du fin­dest die rich­ti­gen Wor­te, lese ich, für die­sen Abschied. Ein Regen­trop­fen fällt aufs Dis­play. Ein zwei­ter. Ich ste­cke das Han­dy weg und gehe zur Bus­hal­te­stel­le, stei­ge in den Bus mit der Anzei­ge Zen­trum und Haupt­bahn­hof, ste­cke die Strei­fen­kar­te in den Ent­wer­ter und set­ze mich ans Fens­ter. Mein Han­dy vibriert, es ist so wich­tig und schwie­rig, Abschied zu neh­men, hat Chris geschrie­ben, sei dank­bar, dass du die Mög­lich­keit hast. Ich bin froh, dass der Bus sich in Bewe­gung setzt, dass die Regen­trop­fen immer schnel­ler und lau­ter gegen die Schei­ben pras­seln, dass alles ver­schwimmt:

Wie Chris und ich uns nackt gegen­über­sit­zen und ich ihm von mei­nem Vater erzäh­le, ihm sage, dass ich die Erin­ne­run­gen an ihn an einer Hand abzäh­len kön­ne. Wie er mir gesteht, dass er gar kein Bild von sei­nem Vater habe, obwohl er mit ihm zusam­men­ge­wohnt hat bis zu sei­nem Tod. Wie ich mir ein­bil­de, Trä­nen in sei­nen Augen zu sehen. Wie mein Blick zwi­schen David und sei­nem Vater hin und her schweift, wie iden­tisch Davids Hin­tern und der sei­nes Vaters sind, wie die bei­den von hin­ten nur die Dicke der Speck­rol­le um die Mit­te und die Anzahl der Haa­re auf ihrem Kopf unter­schei­det und wie die­ser Unter­schied immer klei­ner wird. Wie sein Name plötz­lich auf dem Dis­play mei­nes Han­dys auf­scheint. Der Aus­druck auf dem Gesicht mei­ner Mut­ter, als ich ihr sage, dass ich zu ihm fah­ren und mich ver­ab­schie­den wer­de, und wie sie schließ­lich sagt: Ja. Wahr­schein­lich ist das gut.

Der Bus fährt in eine Kur­ve, mein Kopf rutscht gegen die Schei­be, ich las­se ihn dort lie­gen. Ich sehe Strö­me von Was­ser und wie ich zum ers­ten Mal das Zim­mer betre­te. Sei­ne Arm­band­uhr auf dem Tisch neben dem Bett. Wie er ver­sucht, sich auf­zu­rich­ten. Wie ich das Bier aus mei­nem Ruck­sack hole und in den Trink­be­cher lee­re. Wie ich den Apfel­stru­del aus der Alu­fo­lie wick­le und auf den Tisch lege. Wie ich behaup­te, die Mut­ter hät­te den Apfel­stru­del gemacht. Wie er beginnt, mich nach ihr zu fra­gen. Die Apfel­stru­del­stü­cke an sei­nem Kinn, auf sei­ner Brust, als ich über­le­ge ihn zu füt­tern, wie er mich nie gefüt­tert hat. Wie der ers­te Schwall Bier aus ihm her­aus­kommt und dann der zwei­te. Wie das Bier und der Apfel­stru­del aus ihm her­aus über das Bett und durch das Zim­mer sprit­zen. Wie ich um Hil­fe rufe, wie sie rufen, ich soll hin­aus­ge­hen, und wie ich nicht gehe, nicht gehen kann, son­dern blei­be und zuschaue. Wie damals.

Mein Kopf wird unsanft gegen die Schei­be gedrückt, ich rich­te mich auf, über­le­ge gleich bis zum Bahn­hof zu fah­ren, in den Zug zu stei­gen, und dann nach Hau­se, zu David, den­ke ich, oder zu Chris und ob es irgend­ei­nen Unter­schied macht. Der Bus hält in immer kür­zer wer­den­den Abstän­den, der Regen lässt nach, aber die Leu­te, die ein und aus­stei­gen sind nass. Ich wun­de­re mich, dass ich tro­cken geblie­ben bin. Ich ver­su­che mich in die­ser Stadt zu ori­en­tie­ren, in der ich nur ein­mal war. Für die Zeit­span­ne von einem Bier habe ich gedacht, er wür­de sich für mich inter­es­sie­ren. Stadt­zen­trum, höre ich.

Ich stei­ge aus und gehe zum Hotel, als wür­de ich mich hier aus­ken­nen. Ich stel­le mich unter die Dusche, bis kein war­mes Was­ser mehr kommt. Dann wick­le ich mich in ein Hand­tuch und rufe David an. Er erklärt mir, dass es nicht mei­ne Schuld sei, dass der Vater aus dem Roll­stuhl gerutscht ist. Ob ich mor­gen zu ihm kom­me, will er wis­sen, und ob ich wirk­lich noch ein­mal hin­fah­ren und mich ver­ab­schie­den will, ob ich nicht schon genug gelit­ten habe. Ich behaup­te, dass ich erst­mal etwas essen und dann wei­ter­den­ken wür­de. Nach­dem ich auf­ge­legt habe, hole ich die übrig­ge­blie­be­ne Fla­sche Bier aus mei­nem Ruck­sack, öff­ne sie und trin­ke. Warm, süß, geselcht. Damals hat die Mut­ter die Kot­ze auf­ge­wischt und das Blut, wes­sen Blut war es, ich bin nicht mehr sicher.
Wenn du jeman­den zum Reden brauchst, mel­de dich, lese ich auf mei­nem Han­dy, jeder­zeit. Ich gehe zum Fens­ter, öff­ne es und atme die fri­sche Luft ein. Ich star­re auf mein Han­dy, auf die Unter­hal­tung mit Chris, ver­su­che mir vor­zu­stel­len, er wäre hier. Ich fra­ge mich, ob er mit­ge­kom­men wäre, hät­te ich ihn gefragt. Ich tip­pe: Ich kann nicht, will nicht reden.
Ich gehe ins Bad, trock­ne mei­ne Haa­re, zie­he mich an und trin­ke das Bier, fast auf ex. Ich bin über­rascht, wie gut ich aus­se­he. Ich soll­te bei dir sein, schreibt Chris, ja, ant­wor­te ich, ich soll­te immer bei dir sein, schreibt er, viel­leicht, schrei­be ich, wer­fe das Han­dy aufs Bett und ver­las­se das Zim­mer.

(
Jedes Ficken ist ein Ficken gegen den Tod, habe ich in einem Roman geschrie­ben. Habe ich zu dir gesagt. Oder du zu mir.
No one fucks as hard as a wri­ter, hab ich kürz­lich wie­der wo gele­sen.
Wir könn­ten auch sagen: Jedes Schrei­ben ist ein Schrei­ben gegen den Tod.
Jede Geschich­te ein Ver­such, das Unver­ständ­li­che ver­steh­bar zu machen, das Uner­träg­li­che erträg­lich.
Jeder Text der Ver­such, Schmerz in Lust zu ver­wan­deln.
Und die­ser Ver­such wie­der­um selbst ein Schmerz an der Gren­ze zur Lust und eine Lust an der Gren­ze zum Schmerz und ist nicht alle Lust Lust an die­ser Gren­ze, denn: Alle Lust will Ewig­keit, will tie­fe, tie­fe Ewig­keit ..?
Jede Geschich­te ist auch eine Lie­bes­ge­schich­te, hast du geant­wor­tet. Oder ich dir.
Viel­leicht ist es auch nur die rich­ti­ge Mischung aus Wahr­heit und Lüge.
Oder?                                                                 )

Am nächs­ten Tag ken­ne ich den Weg ins Hotel. Am Han­dy eine Nach­richt von David: Wann kommst du wie­der? und ein ent­gan­ge­ner Anruf von Chris. Ich weiß schon, wie lan­ge ich duschen kann, bis das Was­ser kalt wird. Ich sehe noch immer gut aus. Ich ken­ne den Weg ins Kran­ken­haus und fin­de den rich­ti­gen Ton am rich­ti­gen Schal­ter. Ich hin­ter­las­se mei­ne Tele­fon­num­mer. Sie wür­den mich anru­fen, wenn es so weit ist, ver­spre­chen sie und schi­cken mich auf die Onko­lo­gie.
Da er sich über­ge­ben hat, sei er in der Iso­la­ti­ons­zel­le, erklärt mir eine Ärz­tin. Sie dür­fe mir kei­ne Aus­künf­te ertei­len, aber sie rät mir, die Num­mer vom Sach­wal­ter her­aus­zu­fin­den. Sie hilft mir in den Man­tel. Zusätz­lich zum Mund­schutz muss ich eine Hau­be auf­set­zen und Hand­schu­he anzie­hen. Wenn ich fer­tig bin, soll ich alles aus­zie­hen und in die Müll­ton­ne stop­fen, sagt sie mit einem Lächeln. Wenn ich fer­tig bin, den­ke ich und gehe hin­ein.
Der Vater ist noch klei­ner und dün­ner und blas­ser als ges­tern, noch weni­ger, noch schwie­ri­ger zu begrei­fen, wie könn­te ich begin­nen, hal­lo, könn­te ich sagen oder tschüss, oder ich bin’s, dei­ne Toch­ter, könn­te ich sagen und mei­ne Hand auf sei­ne legen. Zum zwei­ten Mal. Zwi­schen uns Plas­tik. Wir star­ren uns an.

Wie geht es dir?, fragt er plötz­lich, sei­ne Stim­me klingt abge­hakt, gepresst, als hät­te er sei­ne gan­ze Kraft in die­sen Satz gesteckt. Ich nicke, schlu­cke.
Hast du eine gute Arbeit?, fragt er, sei­ne Stim­me klingt etwas sanf­ter, als gin­ge das mit dem Reden nun, wo er ein­mal damit ange­fan­gen hat.
Ich selbst kann nichts mehr sagen, kann nur mehr nicken und ver­su­chen die­se Trä­nen zurück­zu­hal­ten. Es gelingt mir nicht.
Und einen guten Mann?, fragt er und ich nicke wie­der, mei­ne Nase ist zu, ich habe das Gefühl zu ersti­cken, ich nicke noch ein­mal, obwohl ich mir nicht sicher bin, weder was David noch was Chris betrifft, ich nicke, weil ich immer einen fin­de, der gut genug ist.
Und Kin­der?, fragt er und ich schütt­le den Kopf.
Und wie geht’s der Mut­ter?, fragt er und sei­ne Stim­me klingt wie­der gepresst, klingt wie damals am Tele­fon, als ich abhe­ben muss­te, weil die Mut­ter nicht woll­te, nicht konn­te, nicht durf­te, wo ist sie?, will er wis­sen, damals hat sich die Mut­ter im Bad ver­steckt, das Bad war der ein­zi­ge Raum ohne Fens­ter, damals muss­te ich lügen, wann kommt sie?, will er wis­sen, bald, sage ich, sage ich damals oder heu­te, wirk­lich?, fragt er und ich sehe hin­un­ter auf mei­ne Schu­he.
Sie hat einen ande­ren, oder?
Ich zie­he den Rotz durch die Nase hoch, höre auf zu wei­nen und sehe auf die Wand­uhr. Sie hat einen ande­ren, sagt er.
Wie ist es mög­lich, dass sich der Sekun­den­zei­ger so schnell und der Minu­ten­zei­ger so lang­sam bewegt? Die Hand des Vaters zit­tert, als er sie hebt.
Sag es mir.
Ob die Kran­ken­schwes­ter im Senio­ren­heim den Blu­men­stock neben sei­ne Arm­band­uhr gestellt hat?
Bit­te, sagt der Vater und ich sehe ihn an und schütt­le den Kopf.
Nein, sage ich und dass ich dann gehen wer­de, aus dem Zim­mer, aus dem Kran­ken­haus und zum Bahn­hof. In den Zug wer­de ich stei­gen und zurück nach Hau­se fah­ren. Der Vater sagt nichts. Ich sehe, wie der Minu­ten­zei­ger einen Sprung macht und ich neh­me mir vor, noch fünf Minu­ten zu blei­ben. Der Vater sagt noch immer nichts und ich über­le­ge, ob es irgend­et­was gibt, das uns ver­bin­det, irgend­ei­ne gemein­sa­me Erin­ne­rung außer die von damals. Der Minu­ten­zei­ger springt wei­ter. Ob er sich an die Schu­he erin­nern kön­ne, fra­ge ich ihn schließ­lich. Ob er sich erin­nern kön­ne, dass ich ihn ein­mal besucht habe, dass er mir die­se Leder-Stief­let­ten mit hohen Absät­zen gekauft hat. Wie vie­le Män­ner ich damit abge­schleppt habe, erzäh­le ich ihm nicht. Der Vater sieht mich mit lee­ren Augen an, auf ein­mal bezweif­le ich, dass er weiß, wer ich bin. Die­se Schu­he, sage ich, habe ich noch immer.
Ich sehe auf die Uhr. Drei Minu­ten noch.
Ich wer­de dann gehen, sage ich.
Wann kommt die Mut­ter?, fragt er, und auf ein­mal bin ich mir nicht sicher, ob er nicht sei­ne eige­ne Mut­ter meint.
Bald, sage ich.
Der Vater beob­ach­tet mich. Wie ich auf­ste­he und zur Müll­ton­ne gehe. Wie ich zuerst die Hand­schu­he aus­zie­he. Dann aus dem Man­tel schlüp­fe. Die Hau­be und den Mund­schutz abneh­me. Wie ich alles in die Müll­ton­ne stop­fe und den Deckel wie­der schlie­ße. Eine Minu­te noch. Ein Count­down, wür­de Chris sagen. Jede Sekun­de ist eine zu viel, wür­de David mei­nen. Der Vater schweigt.
Ich gehe jetzt, sage ich.
Der Vater nickt.
Tschüss, sagt er.
Er hebt die Hand ein wenig, holt Luft.
Sag dei­ner Mut­ter, ich habe sie wirk­lich geliebt.
Ich nicke. Ich hebe die Hand und las­se sie wie­der fal­len. Ich gehe. Durch die Tür, aus dem Zim­mer, durch die Sta­ti­on und aus dem Kran­ken­haus, ohne mich umzu­dre­hen, und erst, als ich wie­der im Bus sit­ze, als ich mir wün­sche, dass es wie­der zu reg­nen beginnt, als ich mir gleich­zei­tig Chris und David her­bei­wün­sche, als ich für einen Moment lang über­le­ge, ob ich der Mut­ter das wirk­lich aus­rich­ten soll, wird mir bewusst, dass es das jetzt war.

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Bar­ba­ra Rie­ger, geb. 1982 in Graz, lebt als Autorin und Schreib­päd­ago­gin in Wien und im Alm­tal (Ober­ös­ter­reich). Gemein­sam mit Alain Bar­be­ro Her­aus­ge­be­rin des Foto- und Lite­ra­tur­blogs „cafe.entropy.at“ aus dem zwei Foto-Lite­ra­tur­bän­de her­vor­gin­gen. Zuletzt erschien die von ihr her­aus­ge­ge­be­ne Antho­lo­gie Mut­ter wer­den. Mut­ter sein. Autorin­nen über die ärgs­te Sache der Welt (Ley­kam Ver­lag 2021). Für ihren zwei­ten Roman Friss oder stirb (erschie­nen 2020 bei Kre­mayr & Sche­ri­au) erhielt sie das Wie­ner Lite­ra­tur­sti­pen­di­um. Sie ist Dozen­tin am und Vor­stands­mit­glied des BÖS –  Berufs­ver­band Öster­rei­chi­scher Schreib­päd­ago­gIn­nen.

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Hier und Heu­te. 100 Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur ist ein Koope­ra­ti­ons­pro­jekt der IG Autorin­nen Autoren mit der Stadt Wien und der Zeit­schrift VOLLTEXT. 100 Wochen lang, jeden Frei­tag, bis zum 21. April 2023, erscheint eine neue lite­ra­ri­sche Erst­ver­öf­fent­li­chung eines öster­rei­chi­schen Autors oder einer öster­rei­chi­schen Autorin. Initi­iert wur­de die Rei­he 2021 von Claus Phil­ipp, Ger­hard Ruiss und Tho­mas Keul als Bene­fiz­ak­ti­on zur Bewäl­ti­gung der Coro­na-Kri­se, seit Früh­jahr 2022 wird sie als Bei­trag der IG Autorin­nen Autoren und der Stadt Wien in der Zeit­schrift Voll­text für den Gast­land­auf­tritt Öster­reichs auf der Leip­zi­ger Buch­mes­se 2023 fort­ge­setzt. Die kom­plet­te Rei­he kann unter https://volltext.net/hier-und-heute/ abge­ru­fen wer­den.

Online seit: 14. Okto­ber 2022

Zuletzt geän­dert: 14. Okt. 2022