„The Slave who loved her Master“

Lek­tü­re­no­ti­zen von Ulri­ke Draes­ner zu Büchern von Irm­gard Keun, A.L. Ken­ne­dy, Ter­rance Hayes, Oce­an Vuong, Nata­lia Ginz­burg u.a.
Ulrike Draesner © Dominik Butzmann / Laif

Ulri­ke Draes­ner. Foto: Domi­nik Butz­mann / Laif

Irm­gard Keun: Das kunst­sei­de­ne Mäd­chen

Der Titel und der Vor­na­me der Autorin klin­gen so sehr nach alter Welt, dass ich das Buch ohne äuße­ren Anlass nie gele­sen hät­te. Auf Sei­te 12 lach­te ich zum ers­ten Mal. Der Ver­lob­te der Ich­er­zäh­le­rin (sie hat ihn 300 Mal ohne Unter­ho­se gese­hen, min­des­tens) been­det die Bezie­hung mit fol­gen­den Wor­ten: „‚Wenn ein Mann hei­ra­tet, will er eine unbe­rühr­te Frau, und ich hof­fe, mei­ne klei­ne Doris …‘ und sprach so gesalbt, als wenn er eine gan­ze Dose Nivea­creme auf­ge­leckt hät­te.“ Die­ses Buch macht gute Lau­ne. Welch Sprach- und Beob­ach­tungs­witz. Man hört eine Stim­me, die ganz da ist. Und die trifft. Die Erzäh­le­rin spricht eben nicht, wie ihr der Schna­bel gewach­sen ist. Doris ist eine ori­gi­nel­le, scharf­sin­ni­ge Mäd­chen­er­fin­dung, eine Irre­füh­rung, ein gehei­mer Witz: Erst geht man ihr auf den Leim, doch je tie­fer man in die Welt des Romans ein­tritt, umso kla­rer wird, dass das nai­ve Mäd­chen nicht ein­fach „das Mäd­chen“ ist. Doris ist eine Frau, die uns weib­li­ches Begeh­ren unter den Bedin­gun­gen der frü­hen 30er-Jah­re in Deutsch­land vor­er­lebt. Die aus­lebt, was sie fühlt, auf die Schnau­ze fällt, sich aus den Wider­sprü­chen zwi­schen Liebe(n), Erwar­tun­gen an sich selbst und ande­re, weib­li­cher Kör­per­lich­keit und Abhän­gig­keit nicht befrei­en kann. Doch zuneh­mend zer­le­gen sich die­se Kate­go­rien selbst. Bis­sig und prä­zi­se, und schon ist man gefan­gen. Eine der fri­sches­ten und leben­digs­ten Ich­stim­men der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur: voi­là!

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A.L. Ken­ne­dy: Glei­ßen­des Glück

Umwer­fend, fast im wört­li­chen Sinn. Ein Buch, auf das ich immer wie­der zurück­kom­me. Auf Eng­lisch. Eine Frau – und wie sie auf­wacht, ihr ein­ge­rich­te­tes Leben ver­lässt. Sie: Mrs. Brind­le. Anfangs liegt sie in ihrem Wohn­zim­mer auf dem Boden und sieht ihn, Mr. Gluck, im Fern­se­hen. Er: Gefühls- und Inti­mi­täts­exper­te. Sie: ver­hei­ra­tet