Das Leichentuch der Literatur

Über Karl Ove Knausgårds literarische Anpassungsleistung in seinem sechsbändigen Roman Min kamp. Von Thomas Lang

Online seit: 5.7.2017

Dieser Text ist nur in der Printausgabe 2/2017 verfügbar.
Zitate aus diesem Beitrag:

 

In mein Tagebuch schrieb ich im Augst 2015: „den ersten knausgård zu ende gelesen. er wird mal den nobelpreis kriegen. den titel ‚min kamp‘ hat er nicht zufällig gewählt, sondern weil er den bildungsroman eines mannes schildert, der eine art literarischer weltherrschaft (≈ weltruhm) anstrebt.

 

Da erzählte jemand bloß meine Geschichte, plus Norwegen.

 

Der Begriff Authentizität taucht allein im letzten Band 33 Mal auf.

 

Karl Ove Knausgård sei gar nicht Karl Ove Knausgård. Als erster Autor der Welt lasse er sich doubeln, da er sich aufgrund seines zerschnittenen Gesichts und seines hohen Körpergewichts (er habe es in Wirklichkeit nie geschafft abzunehmen) öffentlich nicht zeigen wolle. Der Knausgård, den wir von den Fotos, den Lesungen, den Interviews kennten, sei Yngve, der ältere Bruder des Autors.

 

Karl Ove Knausgård sei übrigens halber Österreicher, daher das Verschweigen des Vaternamens und die vielen Verweise auf Bachmann, Bernhard, Broch, Handke und Hitler.

 

Die Literatur war für Knausgård in einer Glaubwürdigkeitskrise, der es mit einem neuen Ansatz zu begegnen galt.

 

Es ist also der Tote, der nicht mehr von der Seite des wirklichen Lebens her Einspruch erheben kann, dem der größte Affront gilt. 

 

„Es war ein Experiment und es ist  missglückt“, aber „es ist nicht wertlos.“

 

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