Das kann nicht anders als gut ausgehen

Clemens J. Setz über Rainer Maria Rilke. „Manchmal vergisst man, was für eine anmutige Frechheit und Keckheit sich in seinen Vergleichsbildern umtreibt.“

Online seit: 10. Juli 2024
Rainer Maria Rilke
Rainer Maria Rilke, um 1913. Manchmal vergisst man, was für eine anmutige Frechheit und Keckheit sich in seinen Vergleichsbildern umtreibt.

 

Wir haben nie, nicht einen einzigen Tag,
den reinen Raum vor uns …
(Rilke, die achte Duineser Elegie)

Donald E. Carr points out that the sense impressions of one-celled animals are not edited for the brain: “This is philosophically interesting in a rather mournful way, since it means that only the simplest animals perceive the universe as it is.”
(Annie Dillard)

Zur Zeit der Pandemie unternahm ich einmal, mitten im Lockdown, einen langen Spaziergang zwischen den Wiener Vororten Strebersdorf und Stammersdorf, entlang an niedrig geduckten, stellenweise schon ins Erdreich zurückkehrenden Weinkellern, mal vollkommen überwachsen und spinnwebzerfetzt, mal einladend und offenstehend wie das Steingrab zu Ostern. Hohlwege mit bodennaher kalter Kellerluft zwischen den Weingärten. Die Rebstöcke waren alle noch, der Jahreszeit gemäß, kahl, und ein jeder zeigte seine eigene verkrampfte Tanzfigur vor. Außerdem hockten überall die Schatten der Laternenköpfe auf den sonnenhellen Mauern. Dann auf einer Wiese ein Ast, von dem