Wieder ein Sommer

Nor­bert Gst­reins Kolum­ne „Wri­ter at Lar­ge“

Wie­der ein Som­mer in Split, zwei Wochen dies­mal nur, wie­der in der Woh­nung in der Stra­ße des Hei­mat­krie­ges, vor­mals Stra­ße der Opfer des Faschis­mus, die Suz­a­nas Eltern 1968 gekauft haben und die seit­her so gut wie unver­än­dert ist, zwei Zim­mer, Küche, Bad, ein damals gera­de erst errich­te­ter Plat­ten­bau, wegen des moder­nen Stan­dards wahr­schein­lich begehrt. Der Preis in D‑Mark, den sie dafür gezahlt haben, erscheint nied­rig, eher wie der Preis für ein Auto, wenn man nur die nack­te Zahl sieht, aber ich weiß nicht, wie lan­ge sie dafür haben arbei­ten müs­sen, Suz­a­nas Mut­ter im Dienst der Deut­schen Bahn, für die sie ihr hal­bes Leben lang mit­ten in der Nacht auf­ge­stan­den ist und wegen der sie jetzt in der Ren­te mit­ten in der Nacht wach wird, als müss­te sie immer noch zum Dienst, ihr Vater auf Bau­stel­len in Ham­burg und Ber­lin. Wenn ich den Erzäh­lun­gen der Fami­lie glau­ben darf, hat er in den Sech­zi­ger- und Sieb­zi­ger­jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts halb Ber­lin unter­tun­nelt, also Schäch­te und Stol­len gegra­ben, die im Kal­ten Krieg sicher für alles Mög­li­che zu gebrau­chen waren, natür­lich im Akkord, und ist dafür Woche für Woche eigens aus Ham­burg ein­ge­flo­gen wor­den. Bezahlt hat er