Im ersten Licht

Aus dem neuen Roman von Norbert Gstrein.

Online seit: 14. Februar 2026

Adrian war selbst nicht im Krieg gewesen, aber dreimal im Lauf seines Lebens hatte er mit jungen Männern zu tun, die im Krieg gewesen waren und die dann sein weiteres Leben jeweils für lange bestimmten. Das erste Mal war er gerade neunzehn geworden, 1920 das Jahr, und hatte in der kleinen Stadt in der Nähe von Salzburg, in der er aufgewachsen war, im Hotel Schwanen an der Rezeption zu arbeiten begonnen, als er hörte, in der Ellerschen Villa am See sollten den Sommer über Kriegsverletzte untergebracht werden. Etwas, das ihm zunächst nicht als groß bemerkenswert erschien, weil man den Versehrten überall begegnete und er im Grunde genommen nur zur richtigen Stunde vor das Hotel treten musste und zusehen konnte, wie dort der Veteran seine Stellung bezog, der sich auf einem Rollbrett bewegte, weil er keine Beine mehr hatte, und einem den Klingelbeutel wie in der Kirche an einem langen Stab unter die Nase hielt.

Szenen wie diese gehörten zum Alltag, aber als der junge Herr aus der Villa eines Nachmittags zum ersten Mal auf der Hotelterrasse auftauchte, war es doch etwas anderes. Die Kellnerin hatte Adrian darauf aufmerksam gemacht, und er war an das Speisesaalfenster getreten und hatte hinausgeschaut, und da war er gesessen, ganz am ungünstigen Ende der Terrasse, von dem man keinen Blick auf den See hatte und wo sich sonst nie jemand hinsetzte. Ein junger Herr, ja, und ihm fehlten weder Arm noch Bein, aber er hatte etwas mit dem Gesicht, und die Kellnerin, die zu dieser Tageszeit allein die Bedienung bestritt, die einzige Frau in der Riege, wollte nicht zu ihm hinausgehen, sie sagte, sie fürchte sich, und bat Adrian, sie zu vertreten, obwohl er nicht für das Servieren zuständig war, und er ging hinaus und bediente den jungen Herrn, hatte seine Rezeptionistenuniform an, doch das störte diesen nicht. Es war ein windiger Tag, Sommerbeginn, noch im Juni, nicht besonders warm, aber auch das schien dem jungen Herrn nichts auszumachen. Er saß in Hemd und Hose da und sah Adrian beim Bestellen nicht an, mit dem wilden Zickzack von Narben, die sich kreuz und quer durch sein Gesicht zogen und es in vier gegeneinander verschobene Quadranten zerlegten, der Mund wie halb ins Profil versetzt. Der Stacheldrahtverhau in seiner Fresse, so nannte der junge Herr es viel später einmal, und da war es nicht der „Stacheldrahtverhau“, der schmerzte, es war die „Fresse“, er hätte sich das Wort sparen sollen. Die Nase war offensichtlich rekonstruiert, aber immerhin war es eine Nase, wenn auch vielleicht nicht seine, doch die Augen mit den unruhigen Pupillen und dem einmal fahrigen, dann wieder beharrenden Blick konnten nur seine Augen sein, weil niemand Augen transplantierte.

Am Tag darauf kam er wieder, und die Kellnerin weigerte sich wieder, ihn zu bedienen, und so war Adrian schon für den jungen Herrn zuständig geworden, als der wenige Tage später zum dritten Mal erschien und die Wirtin ihm auftrug, er solle sich ruhig ein bisschen um den Galgenvogel kümmern, das war ihr Ausdruck für ihn. Zwei, drei Worte dann immerhin an diesem Tag, und am nächsten Tag wieder zwei, und in der zweiten Woche sprach Adrian schon mit ihm, musste jedoch feststellen, dass der junge Herr nicht sehr gesprächig war. Nichts aus ihm herauszubringen, nicht, woher er kam, nicht, wo er im Krieg gewesen war, nicht, wie er sich seine Verwundung zugezogen hatte, ein richtiges Tabu, es nur zu erwähnen, und auch nichts von vor dem Krieg, rein gar nichts. Wenn man ihm Fragen stellte, war er auf eine Weise unwirsch, dass man es lieber gleich bleiben ließ, und das begann schon mit dem Namen, weil er sich weigerte, seinen Namen oder auch nur irgendeinen Namen zu sagen, mit dem man ihn hätte rufen können, und sei es im Notfall.

„Warum sind Sie so neugierig? Nennen Sie mich, wie Sie wollen! Ich pfeife darauf! Wozu sollte ich einen Namen brauchen?“

Er sagte nicht: „Mit diesem Aussehen“, aber das schwang eindeutig mit, und kaum dass Adrian ihm dann seinen Namen gesagt hatte, machte er sich lustig darüber.

„Heißen Sie wirklich Reiter?“

Er schnalzte tatsächlich zwei-, dreimal mit der Zunge und schien sich nur gerade noch zurückzuhalten, nicht mit seinen Fingern einen Galopp auf den Tisch zu trommeln.

„Viel geritten scheinen Sie in Ihrem Leben aber nicht zu sein“, sagte er und war sich nicht zu schade für das Wortspiel.

„Das sehe ich an Ihrer Nasenspitze. Wissen Sie überhaupt, wo bei einem Pferd vorne und wo hinten ist? Es gibt ein paar hilfreiche Merkmale, mit Verlaub.“

Als er das nächste Mal kam, hatte der junge Herr einen anderen aus der Villa dabei, einen Kameraden, wie er sagte, und der nannte ihn Lemberg, und Adrian kam erst nach und nach drauf, dass der Grund war, dass der junge Herr Sätze äußern konnte wie „Ist Lemberg noch in unserem Besitz?“, ein leerer Satz natürlich, eine unsinnige Frage im Jahr 1920, aus dem bangenden Wien des ersten Kriegsjahres herübergerettet, Spott und Ironie oder eine vollkommene Verleugnung der Realität, wenn er es nur einen Augenblick ernst meinte. „Wir hätten Lemberg niemals den Russen überlassen dürfen“, war ein anderer solcher Satz, den Adrian später von ihm zu hören bekam und der eine ganze Litanei auslösen konnte: „Riva niemals verlieren“, „Dalmatien niemals“, „Galizien“, „die Dolomiten“, ein Spiel, das sich fast ad infinitum fortsetzen ließ, weil nach den langen Jahren des Krieges alles verloren war. „Wie steht es eigentlich um Przemysl?“ Man konnte sich durch die ganze Monarchie buchstabieren und noch die hinterste Ecke des ehemaligen Reiches mit einem ebenso sinnlosen wie kategorischen „Niemals!“ belegen, und auch Adrian war nicht gefeit dagegen, ganz im Gegenteil, er war mehr als empfänglich dafür.

„Wir hätten das Meer nicht verlieren dürfen.“

Wer von den beiden hatte das an diesem Tag gesagt, der junge Herr oder der andere, den er aus der Villa mitgebracht hatte? Adrian erinnerte sich später nicht mehr, aber er wusste im selben Augenblick, dass der Satz seine Richtigkeit hatte, und sprach ihn bei allen möglichen Gelegenheiten aus, bis er ihm zu einer Selbstverständlichkeit wurde und er gar nicht weiter darüber nachdenken musste und auf einmal eine blödsinnige Sehnsucht nach Fiume hatte, weil es Fiume nicht mehr gab und es längst Rijeka hieß und zu Jugoslawien gehörte. Ohne das Meer in alle Ewigkeit nur mehr beschränkte Alpentrottel, ohne das k. und k. Meer und die k. und k. Marine, und Wien allein half nicht, Wien machte alles noch elender. Wer hatte das wieder gesagt?

„Wenn uns wenigstens die Adria geblieben wäre. Das Meer würde uns zu sanfteren Menschen machen. Allein schon das Wort, allein schon, es aussprechen zu können, ohne diesen Verlust zu empfinden, allein schon das Wissen, dass man nicht ein für alle Mal davon abgeschnitten war.“

Der andere hieß Stegner, war von einem gröberen Kaliber, und von ihm lag schnell alles offen zutage, weil er gar nicht mehr zu bremsen war, wenn er einmal zu erzählen anfing. Ein Südtiroler aus dem Passeier, zwei Kriegswinter in den Dolomiten, abgefrorene Zehen an beiden Füßen, orthopädische Schuhe, als hätte man ihm Hufe verpasst, und ein großes Stück von seiner Schädeldecke, auf einer Seite weit vor in die Stirn lappend, durch eine Metallplatte ersetzt, über der er eine Lederkappe mit einer Kordel trug, die er angeblich von seiner Verlobten hatte, fehlten ihm nur die Hörner. Ein Tiroler Kaiserjäger, was vielleicht ein bisschen harmlos klang, aber in Wirklichkeit bedeutete es, dass er einer Eliteeinheit für den Gebirgs- und Winterkrieg angehört hatte. Stegner wollte gesehen haben, wie eine Lawine eine ganze Kompanie aus einem Hang gefegt hatte, sechzig Mann, gerade noch da, im nächsten Augenblick mit Sack und Pack verschwunden, am Ortler, wie er einmal sagte, aber dann hieß es wieder, an der Marmolata, dann wieder, am Col di Lana, und er behauptete steif und fest, sie seien alle seine Freunde gewesen, und nannte die Gegner, nannte die ehemaligen Feinde unterschiedslos Russen, obwohl er in den Dolomiten mit Sicherheit nirgendwo gegen Russen gekämpft hatte.

„Einen Graben ausputzen?“ sagte er. „Kunststück ist das keines. Man muss nur wissen, wo die Teufel stecken. Ein paar Handgranaten vor dem Sturm, und der Rest ist dann ein Kinderspiel. Wenn es ans Sterben geht, sind Russen auch bloß Menschen.“

Sie kamen von da an alle paar Tage, der junge Herr und Stegner, aber Gäste wie andere wurden sie nie, und in der fünften Woche besuchte Adrian sie schließlich in der Villa. Zwei Tage davor waren sie wieder an ihrem Platz gesessen, und plötzlich war Karla erschienen, und das Auftauchen der jungen Frau hatte genügt, dass sich für die beiden mit einem Schlag alles änderte. Dabei konnte Adrian später nicht einmal sagen, was ihre erste Reaktion gewesen war, als sie sahen, wie sie daherkam, ob ihre Freude überwogen hatte oder der Schrecken, aber er merkte, wie sie sich einen Ruck gaben und wie erstarrt dasaßen, als erwarteten sie, dass sich ihr Schicksal erfülle. Karla, mit der Adrian seit ein paar Monaten am Seeufer spazierenging und die er schon geküsst hatte, und jetzt stand sie vor ihnen, die Sonne im Gesicht, ihr ein wenig stämmiger und so tapferer Körper, wie er immer dachte, wenn ihm klar wurde, wie fragil sie gleichzeitig war, und hatte nicht die leiseste Scheu, obwohl der junge Herr und Stegner sich ihr gegenüber wie zwei unheimliche Schatten ausnahmen, ermutigte sie und machte es ihnen auf jede nur erdenkliche Weise leicht. Sie half im Seehof am anderen Ufer aus, war dort Kellnerin und sagte nicht, dass das bloß die halbe Wahrheit war, denn sie war auch die Tochter des Wirts und den Umgang mit Fremden gewohnt und trieb, wenn überhaupt, vielleicht ein bisschen zu viel Konversation mit den beiden und erweckte für Adrian am ehesten dadurch den Anschein, dass doch nicht alles so selbstverständlich für sie war. „Karla“ wie der letzte Kaiser, die weibliche Form seines Namens, nur zählte der letzte Kaiser nicht mehr, weil er nur mehr den Untergang verwaltet hatte und schon der vorletzte der letzte gewesen war, aber das war sicher nicht etwas, das sie bedrückte, so unbeschwert, wie sie sich gab.

„Was für ein schöner Tag, nicht! Waren die Herren schon schwimmen? Das Wasser ist kühl, aber umbringen tut’s einen nicht.“

Nichts bei ihr, jedenfalls fast nichts, was auch nur den kleinsten Hinweis darauf gegeben hätte, dass der junge Herr und Stegner etwas mit ihren Gesichtern hatten, und auch sie schlugen sich wacker, drehten beim Sprechen zwar unwillkürlich die Köpfe weg, aber sprachen immerhin, reihten ein Wort an das andere und bildeten Sätze. Woher sie komme? Sie höre sich wie eine Einheimische an. Ob sie aus der Gegend sei oder nur Ferien am See mache? Der junge Herr höflich, dass es schmerzte, ihm bei seinen Artigkeiten zuzuhören, Stegner verlegen und förmlich, als überlegte er, seine Lederkappe abzunehmen und sich in einem fort zu verbeugen, und beide so, als wollten sie von der jungen Frau gleichzeitig angesehen und nicht angesehen werden.

„Was kann uns schon umbringen?“

Hatte der junge Herr oder Stegner das gesagt? Wer auch immer, es hatte geklungen, als hätten sie es längst hinter sich, und gelacht hatten sie beide. Und dann Stegner, das Wasser sei wie kuhwarme Milch, und der junge Herr, auf so einen ekelhaften Vergleich müsse erst einmal einer kommen.

„Umbringen?“

Hatten sie sich wirklich auf das Wort gestürzt?

„Da braucht es mehr als nur ein bisschen Kälte.“

Am Ende blieb Karla bloß ein paar Minuten, aber weil der junge Herr seine Einladung, sie doch besuchen zu kommen, nicht nur an ihn gerichtet hatte, stand Adrian am Sonntag darauf mit ihr vor dem Tor der Villa und lernte auch die anderen Bewohner kennen, die dort einquartiert waren. Sie spielten gerade Fußball, drei gegen drei auf ein Tor ohne Torwart, das mit Handtüchern markiert war, die einen mit nackten Oberkörpern, die anderen in ihren Hemden, alle barfuß außer Stegner mit seinen orthopädischen Schuhen, und sie hatten alle etwas mit ihren Gesichtern, und der junge Herr war gleichzeitig Schiedsrichter, steckte bei schweren Fouls Daumen und Zeigefinger in den Mund und pfiff. Er rannte wie von allen guten Geistern verlassen hinter dem Ball her, und Adrian konnte sehen, wie er sich immer nach Karla umdrehte, wenn das Spiel einmal zum Stillstand kam, und hatte später noch die Rufe im Ohr, die dem jungen Herrn galten, glaubte sich auch als älterer und dann alter Mann genau an die Stimmen erinnern zu können.

„Lemberg, schieß endlich!“

Über den ganzen Garten hinweg deutlich zu hören, aber keiner, der über das „Schieß!“ erschrak, und allem Anschein nach nicht einmal einer, der sich Gedanken darüber machte.

„Lemberg, was dribbelst du so blöd herum?“

Der junge Herr war in seine Pirouetten verliebt und schoss nicht, drehte stattdessen eine Runde um die andere auf der leicht abschüssigen Wiese, war nicht vom Ball zu trennen, wenn er ihn einmal hatte, und hätte bei seinen Zickzackläufen ganz offensichtlich am liebsten auch noch Räder geschlagen vor Freude darüber, dass Karla anwesend war und ihm zusah.

„Verdammt, Lemberg, was ist mit dir? Direkt vor dem Tor, und du schläfst! Warum hast du nicht geschossen?“

Es war ein Vergnügen, ihm zuzusehen, und erfüllte Adrian doch mit Schrecken, weil der junge Herr den Eindruck erweckte, er sei der Verzweiflung immer bloß um einen oder zwei Schritte voraus und dürfe um nichts in der Welt stehenbleiben. Er schien alles um sich vergessen zu haben, vergessen, welches Jahr es war und dass er kein vorzeigbares Gesicht mehr hatte, und nur noch laufen und laufen zu wollen, bis ihm die Luft ausging oder eine höhere Macht ihn erhörte und ihm sein altes Leben zurückgab, aber dann konnten ihn die Tatsachen doch jederzeit wieder einholen. Stegner sagte, an ihm sei ein Stürmer der Extraklasse verlorengegangen, und schrieb ihm englische Qualitäten zu, was keine zwei Jahre nach dem Krieg ein unsicheres Kompliment war, das er gleich selbst damit zunichte machte, dass er laut „Gott strafe England!“ schrie, die alte Parole, und auf den jungen Herrn losstürmte, als wollte er ihn im nächsten Augenblick massakrieren.

„Aus dem Weg, Lemberg, oder ich mache dich fertig!“

Adrian hätte an diesem Tag selbst gern mitgespielt. Er war nicht im Krieg gewesen, aber sie waren alle fast gleich alt wie er, nur wenige Jahre älter, und er fühlte sich ihnen in einer paradoxen Sehnsucht zugehörig und hätte noch Jahre später im Schlaf ihre Namen aufsagen können, kaum dass er sie einmal gehört hatte, natürlich bloß die Nachnamen, wie es beim Militär üblich war, sechs an der Zahl, und ja, sie hatten alle etwas mit ihren Gesichtern, alle Wunden, die recht und schlecht zusammengeflickt und nur mehr oder weniger verheilt waren, und sprangen mit ihren Köpfen in die hohen Bälle, als hätten sie nichts mehr zu verlieren, legten es darauf an, sich ihre Visagen noch einmal blutig zu schlagen oder sie sich endgültig zu zerschmettern. War es Loyalität? War es bloß sein schlechtes Gewissen? War es Begeisterung? Ein jeder von ihnen hatte seine Schreckensgeschichte, die Adrian erspart geblieben war, und er konnte nicht sagen, warum er jeden einzelnen als seinen Bruder empfand. Er wusste nur, vierzig Mann entsprachen sechs Pferden, wenn sie beim Transport an die Front einwaggoniert wurden, also entsprachen sechs Mann nicht ganz einem Pferd, und er wäre der siebte gewesen, der fehlende Joker, für den dann allerdings erst Platz geschaffen werden müsste.

Später gingen sie alle zum See hinunter, und Karla musste sich umdrehen, damit die Invaliden sich ausziehen und von ihr ungesehen ins Wasser steigen konnten. Der junge Herr schwamm weit hinaus und Stegner lange hinter ihm her, bis er ihn endlich abgeschüttelt hatte, und wieder schien er in Bewegung bleiben zu wollen, solange er konnte, schien sich mit seinem kraftvollen Kraul in eine Trance hineinzuschlagen und kam erschöpft und um Luft ringend wieder zurück, trottete gemeinsam mit den anderen, die sich am Rand gehalten hatten, an Land. Sein Körper war weiß und mager im gerade einsetzenden Nieselregen, der Körper fast noch eines Kindes, unverletzt und jung, wenn man das Gesicht aussparte, und so wenig Männliches an ihm, dass man sich fragte, was ihn überhaupt jemals für den Krieg ausersehen hatte. Zumindest war das Karlas Meinung, die es sich trotz der Aufforderung, nicht hinzuschauen, nicht hatte nehmen lassen, ein paar Blicke zu erhaschen, und sich auf dem Nachhauseweg darüber ausließ.

„Der hätte doch nie an eine Front gehört“, sagte sie. „Besser hätte man ihn noch eine Weile in einer Sandkiste spielen lassen und dann geschaut, was aus ihm wird. Hast du die Statur gesehen? Nirgendwo auch nur ein Ansatz von Muskeln, und auf dem Kopf noch seine Eierschalen.“  […]

© Carl Hanser Verlag München GmbH & Co. KG, München

Das Buch erscheint am 17. Februar.

Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in Hamburg. Für sein Werk erhielt er unter anderem den Alfred-Döblin-Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Uwe-Johnson-Preis, den Österreichischen Buchpreis und den Thomas-Mann-Preis. Zuletzt erschienen die Romane Vier Tage, drei Nächte (Roman, 2022) und Mehr als nur ein Fremder (2023).

Norbert Gstrein: Im ersten Licht
Roman. Hanser, München 2026
416 Seiten, € 27 (D), € 27,80 (A)