Hinter dem Mond

Der Sie­ger­text des FM4-Kurz­ge­schich­ten­wett­be­werbs „Wort­laut“. Von Mat­thi­as Gru­ber

Ich ste­he in der Küche und lege Mün­zen auf die Tisch­plat­te. Zwei­hun­dert Ein-Euro-Stü­cke und eine rote aus Plas­tik mit dem Logo einer Super­markt­ket­te. Als ich fer­tig bin, rufe ich nach Emma.

„Ich hät­te gedacht, dass das mehr sind“, sagt sie beim Ein­tre­ten und nimmt einen Schluck aus ihrer Tee­tas­se.

„Trotz­dem unrea­lis­tisch, dass du die rote erwischt, wenn du ein­fach so hin­greifst“, sage ich.

„Und die willst du jetzt so dem Arzt geben, oder was?“

„Dann fah­ren wir eben vor­her noch mal bei der Bank vor­bei.“

Ich begin­ne, die Mün­zen zurück in den Stoff­beu­tel zu schie­ben, in dem nor­ma­ler­wei­se die Scrabb­le-Buch­sta­ben lie­gen.

„Willst du zie­hen?“, sage ich und schütt­le. Im Beu­tel beginnt es zu klim­pern.

„Lass das. Das bringt Unglück.“

Emma nickt und ich den­ke, dass es im Ultra­schall wirk­lich so aus­ge­se­hen hat, als wür­de das alles irgend­wo im Welt­raum pas­sie­ren.

Emma liegt mit aus­ge­streck­ten Bei­nen auf dem Behand­lungs­tisch und hat das T‑Shirt über den Bauch hoch­ge­rollt. Ich sit­ze dane­ben und drü­cke ihre Hand. Sie drückt zurück, aber nicht ganz so fest. Das Ultra­schall­ge­rät zer­legt Emmas Gebär­mut­ter in schwar­ze und wei­ße Punk­te und setzt sie am Moni­tor wie­der zusam­men.

„Ich seh da nichts“, sagt sie und lässt ihren Kopf nach hin­ten sin­ken.

Dok­tor Gru­ber dreht an einem der Knöp­fe und wir hören den Herz­schlag. Es klingt, als lie­ße jemand eine Spring­schnur über dem Kopf krei­sen. Ich drü­cke Emmas Hand fes­ter. Dok­tor Gru­ber dreht sich auf sei­nem Hocker nach einem Papier­hand­tuch um und reicht es ihr.

„Sie kön­nen sich wie­der anzie­hen.“

Wir sit­zen am Schreib­tisch und Dok­tor Gru­ber tippt auf sei­ner Tas­ta­tur her­um. Sein behaar­ter Unter­arm hin­ter­lässt auf der Glas­plat­te einen feuch­ten Abdruck. Als er fer­tig ist, dreht er den Bild­schirm in unse­re Rich­tung. Für den Com­pu­ter ist Emmas Schwan­ger­schaft eine Serie an Wahr­schein­lich­kei­ten. Dok­tor Gru­ber über­prüft eine Zahl nach der ande­ren. Die meis­ten nickt er wort­los ab. Ande­re kom­men­tiert er bei­läu­fig. „Herz­schlag sieht gut aus. Hirn­stamm unauf­fäl­lig“, und so wei­ter.

„Unauf­fäl­lig ist gut, oder?“, fragt Emma.

„Sie müs­sen sich das so vor­stel­len“, sagt Dok­tor Gru­ber und wech­selt in den Modus für pati­en­ten­ge­rech­te Spra­che. „Der Fötus