„Manche haben Angst vor mir und meinen Büchern“

Kat­rin Hill­gru­ber im Gespräch mit Lud­wig Fels über sei­nen neu­en Roman Mond­be­ben, afri­ka­ni­sche Sehn­süch­te und die Macht der lei­sen Wirk­lich­keit.
Ludwig Fels © Aleksandra Pawloff

Lud­wig Fels: „Ich habe immer noch einen Glau­ben an eine höhe­re Macht, die man so all­ge­mein Gott nennt.“ Foto: Alek­san­dra Pawl­off

Die eigen­ar­ti­ge Schön­heit und Fei­er­lich­keit von Lud­wig Fels’ Pro­sa und Lyrik schlie­ße jede Belie­big­keit aus, befand 2004 die Jury des Wolf­gang-Koep­pen-Prei­ses. 1946 im frän­ki­schen Treucht­lin­gen gebo­ren, kam der ehe­ma­li­ge Packer, Maler und Hilfs­ar­bei­ter 1973 über den Werk­kreis Lite­ra­tur der Arbeits­welt zum Schrei­ben und ver­öf­fent­lich­te sei­nen ers­ten Gedicht­band Anläu­fe. Seit 1983 lebt Lud­wig Fels als frei­er Schrift­stel­ler in Wien. Mit Mond­be­ben hat er nun einen eben­so poe­ti­schen wie packen­den Roman über ein emo­tio­nal ver­sehr­tes Paar vor­ge­legt, das in der Frem­de das Glück sucht und dabei die bösen bis ver­hee­ren­den Vor­zei­chen nicht sehen will.

KATRIN HILLGRUBER Ihr wohl berühm­tes­ter Roman Ein Unding der Lie­be von 1981 über den jun­gen Georg Blei­st­ein, der sei­nen unge­still­ten Lie­bes­hun­ger durch maß­lo­ses Essen und spä­ter durch Hass kom­pen­siert, endet mit dem düs­ter sehn­suchts­vol­len Satz „Die Erde war der ferns­te Stern“. Mond­be­ben wirkt wie ein spä­tes Echo dar­auf. Wie kamen Sie auf die­sen Titel?

LUDWIG FELS Der kam eigent­lich ganz zuletzt. Ich kann es wirk­lich nicht anders benen­nen: Ich habe auf den Bus gewar­tet, und plötz­lich fiel mir der Titel Mond­be­ben ein. Und ich dach­te, der trifft es, ein wenig fremd, ein biss­chen dif­fus. Dann habe ich her­um­ge­fragt – mei­ne Frau, im Freun­des­kreis –, und habe das Okay bekom­men. Und so ist Mond­be­ben der Titel gewor­den.

HILLGRUBER Ihre Prot­ago­nis­ten Helen und Olav Ost­ran­der sind wild ent­schlos­sen, ihren Lebens­abend auf der tro­pi­schen „Insel der Inseln“ namens Zife­re zu ver­brin­gen, wo sie via Inter­net ein Haus gekauft haben. Hat „Zife­re“ eine Bedeu­tung?

Unheil, Ter­ror, Schmerz, das hat sich eigent­lich zwangs­läu­fig so erge­ben.

FELS Das ist ein rein erfun­de­ner Ort. Ich habe ein Fai­ble für schö­ne Namen. Und Zife­re hat mich irgend­wie ange­spro­chen. Eigent­lich ist es ein nige­ria­ni­scher Män­ner­na­me. Er hat mir sehr gefal­len und ich dach­te, Zife­re Island, das klingt so, wie ich mir die Insel vor­stel­le.

HILLGRUBER Ist der Schau­platz aus ver­schie­de­nen Welt­ge­gen­den kon­stru­iert, die Sie bereist haben?

FELS Ja, ich habe etwas Afri­ka­ni­sches, was Kari­bi­sches, Jamai­ka­ni­sches, genom­men und mei­ne eige­nen Erin­ne­run­gen und Rei­se­er­fah­run­gen mit hin­ein­spie­len las­sen. Die­se Insel könn­te es über­all auf der Welt geben oder nir­gend­wo. Es ist rei­ne Fik­ti­on.

HILLGRUBER Im Anhang dan­ken Sie einer Mak­le­rin aus Pana­ma City für Infor­ma­tio­nen.

FELS Ich hat­te Schwie­rig­kei­ten, mich über Geld­trans­fers schlau­zu­ma­chen und war ver­zwei­felt: Wie soll ich das in Erfah­rung brin­gen? Über­haupt, wenn das nicht legal sein soll, son­dern ille­gal. Die Schwes­ter eines eng­li­schen Freun­des lebt in Pana­ma City als Mak­le­rin und Rei­se­füh­re­rin. Und sie war dann so nett und ent­ge­gen­kom­mend und hat mir die lega­len und ille­ga­len Mög­lich­kei­ten des Geld­trans­fers