Textessen

Zum Stoff­wech­sel von Lesen und Schrei­ben. Von Felix Phil­ipp Ingold
Michel de Montaigne

Michel de Mon­tai­gne: Allein die Zita­te in sei­nem Werk wür­den ein dickes Buch erge­ben.

Mit der Covid-Pan­de­mie haben Exper­ten, Exper­tin­nen unter­schied­li­cher Dis­zi­pli­nen in den Medi­en eine Prä­senz gewon­nen, die man durch­aus mit Popu­la­ri­tät gleich­set­zen darf – ihre Auf­trit­te in TV-Inter­views oder Talk­shows mit Sky­pe-Schal­tung sind zu einem fes­ten Bestand­teil des gän­gi­gen Info­tain­ments gewor­den. Das Set­ting sol­cher Auf­trit­te ist denk­bar kon­ven­tio­nell: Die Exper­ten posi­tio­nie­ren sich in ihrem pri­va­ten oder beruf­li­chen Umfeld (Büro, Bespre­chungs­zim­mer, Home­of­fice), zu dem in aller Regel eine dicht bestück­te Bücher­wand den Hin­ter­grund abgibt. Unab­hän­gig davon, ob es sich dabei um eine juris­ti­sche, eine medi­zi­ni­sche, eine phi­lo­so­phi­sche Fach­bi­blio­thek han­delt – das Exper­ten­tum soll durch die­sen immer glei­chen Augen­schein als „Bücher­wis­sen“ beglau­bigt wer­den: Wer so viel weiß, muss sehr viel gele­sen haben.

Die wis­sen­schaft­li­che Auto­ri­tät der Exper­ten wird also unter die­sem Gesichts­punkt nicht mit ihrer eige­nen Autor­schaft ver­knüpft, viel­mehr damit, was sie bei ande­ren Autoren gelernt und von ihnen – in wel­cher Form auch immer – über­nom­men haben. Tex­te erwach­sen aus Tex­ten, könn­te man dar­aus schlie­ßen, und radi­ka­ler noch (dabei durch­aus logisch): Alle Tex­te sind Sekun­där­li­te­ra­tur. Oder nach all­ge­mei­nem Dafür­hal­ten: Alles ist schon ein­mal da gewe­sen, ist schon ein­mal gesagt, geschrie­ben wor­den. Die­se Ein­schät­zung hat man oft­mals – bald kri­tisch, bald theo­re­tisch – auch auf künst­le­ri­sche Wer­ke bezo­gen, die ja gemein­hin den Anspruch auf „Ori­gi­na­li­tät“ hoch­hal­ten.

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Doch auch Schrift­stel­ler und Schrift­stel­le­rin­nen las­sen sich bekannt­lich gern vor ihren Bücher­re­ga­len ablich­ten, so als woll­ten sie eher ihre Bele­sen­heit denn ihre „Krea­ti­vi­tät“ doku­men­tie­ren. Und tat­säch­lich waren sie alle – not­wen­di­ger­wei­se – erst ein­mal