Zum Ende schreiben

Ilse Aichin­ger und Frie­de­ri­ke May­rö­cker in ihrem Spät­werk. Von Felix Phil­ipp Ingold

Wo von Ilse Aichin­ger die Rede ist und wenn über sie noch geschrie­ben wird, steht ihre frü­he Bio­gra­fie im Vor­der­grund, von der ihr Leben und ihre Schreib­ar­beit bis zuletzt geprägt geblie­ben sind: Auf­ge­wach­sen mit jüdi­schem Fami­li­en­hin­ter­grund in Linz und Wien, Grund­schu­le, Klos­ter­schu­le; nach dem „Anschluss“ Öster­reichs stän­di­ge Gefähr­dung und Behin­de­rung durch die Gehei­me Staats­po­li­zei, Stu­di­en­ver­bot; wäh­rend des Kriegs Dienst­ver­pflich­tung, Über­wa­chung, gesell­schaft­li­che Iso­la­ti­on; Ver­lust meh­re­rer Fami­li­en­mit­glie­der durch Depor­ta­ti­on und Ermor­dung.

Nach Kriegs­en­de arbei­te­te Ilse Aichin­ger die­se kaum zu bewäl­ti­gen­den Gescheh­nis­se im Roman Die grö­ße­re Hoff­nung (1948) auf und ent­schied sich defi­ni­tiv für die soge­nann­te „schö­ne“ Lite­ra­tur als pre­kä­ren Beruf, um mit „schlech­ten“, also schlich­ten Wör­tern immer wie­der das angeb­lich Unsag­ba­re wie auch das vor­sätz­lich Unge­sag­te zu ver­ge­gen­wär­ti­gen.

Mit vie­len Erzäh­lun­gen, Hör­stü­cken und Gedich­ten hat sie