Autorschaft als Weltenschöpfung

Von der Wirk­lich­keit mög­li­cher Wel­ten in der Lite­ra­tur. Von Felix Phil­ipp Ingold

Rund ein hal­bes Jahr­hun­dert ist ver­gan­gen seit der Tot­sa­gung der schö­nen Lite­ra­tur und dem angeb­li­chen „Ver­schwin­den des Autors“, und noch immer wird Bel­le­tris­tik en mas­se pro­du­ziert. Autoren wie Autorin­nen pfle­gen und fei­ern, pro­fes­sio­nel­ler als je zuvor, ihren Auf­tritt auf der Büh­ne eines gla­mou­rös aus­ge­stat­te­ten „Betriebs“, der weit mehr auf öffent­li­che Ver­an­stal­tun­gen mit human touch setzt – auf Fes­ti­vals, kol­lek­ti­ve Lesun­gen, Preis­ver­lei­hun­gen, Work­shops, Poe­tik­vor­le­sun­gen – als auf indi­vi­du­el­le Lek­tü­re und unab­hän­gi­ge kri­ti­sche Rezep­ti­on.

Längst vor­bei sind die aske­ti­schen Zei­ten aukt­oria­ler Selbst­ent­mäch­ti­gung und Anony­mi­sie­rung, da das Haupt­in­ter­es­se den Tex­ten galt und die Bücher auch äußer­lich – durch spar­sa­me typo­gra­fi­sche Umschlag­ge­stal­tung – pri­mär in ihrer Qua­li­tät als Schrift­wer­ke prä­sen­tiert wur­den. Vor­bei die auto­ri­täts- und tra­di­ti­ons­feind­li­che Auf­fas­sung von Lite­ra­tur als Expe­ri­ment, als ludis­ti­sche Kom­bi­na­to­rik oder auch – auf der Gegen­sei­te – als rei­ne Fak­to­gra­fie („Arbei­ter­li­te­ra­tur“, „Indus­trie­re­por­ta­ge“, Sozi­al­rap­port“ u. ä. m.), eine Auf­fas­sung, die für den Autor bloß noch die Rol­le eines Bericht­erstat­ters oder dann eben eines Arran­geurs, gern auch eines „Bast­lers“, eines „Hand­wer­kers“ vor­sah.

Pro­gram­ma­tisch eli­tä­res und pro­gram­ma­tisch popu­lä­res Lite­ra­tur­ver­ständ­nis tref­fen sich in der