Unheimlicher Lobpreis

Über die neue Aus­ga­be von Franz Kaf­kas Zeich­nun­gen. Von Cle­mens J. Setz

Böse Zun­gen, oder viel­mehr deren Besit­zer, behaup­ten – und ich sehe sie dabei hämisch lächeln – daß ich an einem Buch über Kaf­ka schrei­be. Die­se Anschul­di­gung trifft nicht zu, ich wei­se sie zurück. Denn ich schrei­be an einem Buch über Golch.“

Die Kaf­ka-Lite­ra­tur hat den Dich­ter in einen Pro­mi­nen­ten ver­wan­delt, von dem selbst der Abfall wert­voll ist.

Mit die­sen denk­wür­di­gen Zei­len beginnt Wolf­gang Hil­des­hei­mers Kurz­ge­schich­te Ich schrei­be kein Buch über Kaf­ka. Der Prot­ago­nist räumt ein, dass er in sei­ner Jugend durch­aus mit dem Gedan­ken gespielt hat, ein Buch über Kaf­ka zu schrei­ben, aber was ihn schließ­lich davon abhielt, „war weni­ger eine Abkehr von dem The­ma als der Umstand, daß mei­ne sämt­li­chen Bekann­ten bereits an einem Buch über Kaf­ka schrie­ben (nicht alle an einem; jeder für sich natür­lich).“ So kam es, dass er, der­ge­stalt ent­mu­tigt, sich zu einem wür­di­ge­ren Gegen­stand durch­rang: Ekke­hard Golch, Stu­di­en­rat in Alt­münz­ach.

Franz Kafka

Bild 9

Franz Kafka

Bild 10

„Gegen den Impf­zwang“

Bücher über Kaf­ka sind ein wun­der­li­ches Gen­re. Zum Bei­spiel Ist das Kaf­ka? 99 Fund­stü­cke, her­aus­ge­ge­ben von Rei­ner Stach, der auch eine drei­bän­di­ge Kaf­ka-Bio­gra­fie ver­fasst hat. Das Buch ver­sam­melt Hin­wei­se auf Lebens­ge­wohn­hei­ten und Taten Franz Kaf­kas, häu­fig belegt durch Berich­te und Foto­gra­fien. So ler­nen wir etwa, dass er bestimm­te Turn­übun­gen mach­te, wir lesen alle Stel­len sei­ner Brie­fe, in denen er erwähnt, Bier getrun­ken zu haben, wir erfah­ren, wor­über er wein­te, wel­che Far­be sei­ne Augen mög­li­cher­wei­se hat­ten, wir ler­nen, dass er „gegen den Impf­zwang“ gewe­sen sei, dass 1924 ein Mann namens Franz Kaf­ka, der aller­dings nicht mit dem Dich­ter iden­tisch sein kann, in Ber­lin als Eigen­tü­mer eines Hau­ses ein­ge­tra­gen