Der Tod des Fahrrads

Nicht mehr lie­fer­bar! – Eine Serie von Cle­mens J. Setz über ver­grif­fe­ne Wer­ke bedeu­ten­der Autoren. Teil 7: Donald Bart­hel­me.

F: Ist der Roman tot?
A: Ohja. Und wie.
F: Was ersetzt ihn?
A: Ich wür­de mei­nen, dass er ersetzt wird durch das, was da war, bevor er erfun­den wur­de.
F: Das­sel­be?
A: Unge­fähr das­sel­be.
F: Ist das Fahr­rad tot?

Auf der­sel­ben Sei­te, auf der die­se berühm­te Unter­hal­tung in Donald Bart­hel­mes Kurz­ge­schich­te „Die Erklä­rung“ steht, sieht man ein gro­ßes schwar­zes Male­witsch-Qua­drat. Es hockt ein­fach da, tut nicht viel, absor­biert Licht. Ich glau­be, wir alle ste­hen, egal wie auf­ge­schlos­sen wir sind, irgend­wann ein­mal vor der Fra­ge: War­um ist expe­ri­men­tel­le Lite­ra­tur oft so fad? Aber damit ver­wandt ist die noch viel wich­ti­ge­re Fra­ge: War­um sind Donald Bart­hel­mes Kurz­ge­schich­ten so wit­zig, so bele­bend, so bewe­gend? Denn sie wir­ken von außen immer genau wie die Art von expe­ri­men­tel­ler Lite­ra­tur, die man zwar inter­es­sant, aber dann doch nicht wei­ter berüh­rend fin­den wird. Sie sehen sogar so aus, als könn­te das, was er macht, jeder. (Ein ganz ähn­li­cher Effekt exis­tiert in Bezug auf das Werk von Kon­rad Bay­er.) Man denkt sich: Das ist groß­ar­tig, aber das kann ich auch. Und dann setzt man sich hin, ver­sucht es, und spricht nie wie­der dar­über.

Ich glau­be, wir alle ste­hen, egal wie auf­ge­schlos­sen wir sind, irgend­wann ein­mal vor der Fra­ge: War­um ist expe­ri­men­tel­le Lite­ra­tur oft so fad?

Gefragt nach sei­ner Bio­gra­fie ant­wor­te­te Donald Bart­hel­me gern: „Ich glau­be nicht, dass sie das Inter­es­se eines Men­schen auch nur für eine Sekun­de gewin­nen könn­te.“ Er wur­de 1931 gebo­ren und starb 1989. Auf Par­tys frag­te er oft Leu­te: „Wenn Sie irgend­ei­nen Gegen­stand in die­sem Raum steh­len dürf­ten, wel­cher wäre es?“

Ich gebe zu, als ich zu schrei­ben begann, stahl ich sehr viel aus Bart­hel­mes Kurz­ge­schich­ten. Ich hat­te ja kei­ne Wahl. Die Leu­te, denen ich mei­ne ers­ten Geschich­ten zeig­te, merk­ten es nicht. In Ame­ri­ka war Bart­hel­me ein Klas­si­ker, aber auf Deutsch war alles seit lan­gem ver­grif­fen. Und selbst wenn ich mei­nen ers­ten Roman, Söh­ne und Pla­ne­ten, heu­te lese – und ich habe es nie­mals ganz geschafft – ist Bart­hel­me über­all, und natür­lich auch Kon­rad Bay­er, aber das, was die Lek­tü­re die­ses Werks eines damals 23-Jäh­ri­gen so über­aus pein­lich macht, ist