Andreas Maier: Neulich

Andre­as Mai­er liest in Albert Speers Tage­bü­chern.

Neu­lich lief ich in den Holz­hau­sen­park. Ich habe ja Zeit, mein nächs­ter Roman ist fer­tig, Fern­se­her habe ich nicht, über­dies benut­ze ich das Inter­net nicht mehr. Auch kein Radio. Das ist sehr wohl­tu­end. Vie­les fühlt sich plötz­lich an wie frü­her. Ich besor­ge mir jetzt sogar wie­der Lexi­ka, um dar­in Din­ge nach­zu­schla­gen. Gott sei Dank besit­ze ich noch ein dtv-Lexi­kon aus dem Jahr 1967. Auch der Brug­ger und der Hirsch­berg sind noch da. Der Kind­ler! Arno Schmidt hat die Ency­clo­pe­dia Bri­tan­ni­ca zu Hau­se gehabt, auf Mikro­fi­che und mit dazu­ge­hö­ri­gem Lese­ge­rät. Frei­lich gibt es seit über zwan­zig Jah­ren kei­ne aktu­el­len dtv-Lexi­kon-Aus­ga­ben mehr. Die Lexi­ka waren das Ers­te, was starb, als die neue Zeit sich ankün­dig­te.

Ich habe nicht ver­ges­sen (nie ver­ges­sen!), wie es vor drei Jah­ren war, kurz bevor die neue Zeit ihr Gesicht zu zei­gen begann.

Im Holz­hau­sen­park herrsch­te wie immer eine leicht mor­bi­de Stim­mung. Kin­der spiel­ten auf der Wie­se und dem nahe­ge­le­ge­nen Spiel­platz, aber nicht zu vie­le. Es war ein Herbst­tag, Laub über­all. Ein paar Men­schen saßen an den Weg­rän­dern, frü­her hät­te man hier