Andreas Maier: Neulich

Die Schwal­be, der Eis­vo­gel und Frank-Wal­ter Stein­mei­er.

Neu­lich saß ich mal wie­der an einem See. Um mich her­um Schilf, eini­ge Büsche, ein blau­er Him­mel, kaum eine Wol­ke dar­in. Ich saß auf einem Holz­pon­ton und betrach­te­te das gegen­über­lie­gen­de Ufer. Es pas­sier­te nicht viel. Nur eini­ge gel­be Fisch­rü­cken beleb­ten dahin­zie­hend das stil­le Bild. Noch immer habe ich die Fähig­keit, auch mit sechs­und­fünf­zig Jah­ren, die Stil­le eines sol­chen Bil­des in mich zu über­tra­gen. Als ich jung war, war ich ein regel­rech­ter Natur­fa­na­ti­ker. Damals hät­te ich aus­ge­mer­gelt und kaum beklei­det auf den Holz­plan­ken geses­sen, natür­lich mit frei­em Ober­kör­per, und hät­te mir sug­ge­riert, ich sei Teil des Natur­bil­des und damit selbst antei­lig an einem bes­se­ren, höhe­ren, natur­haf­ten Sein. Es war eine regel­rech­te Natur­ver­klä­rung damals, jeden Früh­ling erwar­te­te ich, jedes Dahin­ster­ben im Herbst eben­so, und mein Leben lag vor mir und ich dach­te, so müss­te es der­mal­einst dau­er­haft sein, die­ses Leben, ein Leben im bes­se­ren Sein.

Viel­leicht hät­te ich ihm zur Erhei­te­rung ein­fach die neu­es­te Steinmeier-„Demokratie“-Rede vor­le­sen sol­len.

Davon ist wenig bis nichts geblie­ben, ich bin damals auch noch nicht so viel in Knei­pen gegan­gen. Dass ich über die Maßen von einem lot­rech­ten inne­ren Stolz erfüllt war, wuss­te ich nicht, und