Neulich: Deutschland, Hellau!

Von Andre­as Mai­er. „Ich bin Reichs­deut­scher. Wenn ich das sage, wer­de ich meis­tens miss­ver­stan­den.“

Neu­lich war mal wie­der Fast­nacht. Ande­re sagen Fasching oder Kar­ne­val. Das Fest des Abknut­schens und der Anfas­se­rei. Ich stürz­te mich mit­ten ins Getüm­mel. Ers­ter Ter­min war Wei­ber-Fast­nacht, da ging ich in die Ger­ma­nia. Die Ger­ma­nia ist eine Apfel­wein­wirt­schaft in Frank­furt am Main auf der Tex­t­or­stra­ße. Sie ist die berühm­tes­te und hef­tigs­te Adres­se zur Fast­nachts­zeit, es stan­den etwa fünf­zig Leu­te Schlan­ge vor der Tür. Ich bin aller­dings, dank Bekannt­schaft mit dem Tür­ste­her, sofort rein­ge­wun­ken wor­den. Unkos­tü­miert. Drin­nen konn­te man sich maxi­mal noch in den Tür­rah­men stel­len, so dicht war der Laden.

Ich wur­de am nächs­ten Tag gefragt: Und, wie waren sie? Dar­auf ich: Alle blond! Haha.

Sonn­tags war ich zuerst mit einem Freund in der Bier­pin­te Zum Schorsch, unweit der Ger­ma­nia. Im Schorsch gab es nichts, was auch nur annä­hernd an Fast­nacht erin­nert hät­te. Es waren sowie­so nur drei ande­re Gäs­te da. Aller­dings lief auf dem Bild­schirm, auf dem wir nor­ma­ler­wei­se Spie­le von Ein­tracht Frank­furt sehen, der Frank­fur­ter Fast­nachts­zug. Er war über­aus trost­los anzu­schau­en. Eini­ge weni­ge Men­schen, die sich auf den Römer ver­lo­ren hat­ten, hin und wie­der kam ein Gar­de­ma­rie­chen vor­bei. Dafür hat man in jeder Bild­ein­stel­lung Wer­bung für den Bäcker Eif­ler gese­hen. Rote Schrift auf gel­bem Grund. Die müs­sen dafür viel Geld bezahlt haben. Wäh­rend­des­sen hat­ten wir mit der Schorsch-Bedie­nung ein sen­sa­tio­nel­les Gespräch über Chuck Nor­ris und Bruce Lee. Ihr Sohn ist Kick-Boxen-Lan­des­meis­ter, das erfuh­ren wir auch. Sie hasst Chuck Nor­ris und ver­göt­tert Bruce Lee. Wir lern­ten die Namen von etwa zwan­zig japa­ni­schen Kara­te­m­eis­tern.

Sie hat­ten Apfel­wein dabei, aber auch einen Quit­ten­schnaps, der sofort bumm im Kopf mach­te.

Anschlie­ßend Ger­ma­nia, der Tür­ste­her stand zufäl­lig auf der Stra­ße und frag­te, ob wir nicht rein­kom­men wol­len. Dort stan­den wir im Tür­rah­men, dies­mal mit einer sehr schö­nen blon­den ehe­ma­li­gen Schön­heits­kö­ni­gin, die inzwi­schen für die Frank­fur­ter Buch­mes­se arbei­tet und die ich seit eini­gen Jah­ren ken­ne. Anschlie­ßend ging’s auf die Schwei­zer Stra­ße zum Wag­ner ans Buf­fet. Dort trifft sich immer ein