Laura Lichtblau, „Schwarzpulver“

Von Andrea Schuh
Dieser Beitrag entstand im Zusammenhang mit dem Seminar „Literatur- und Kulturkritik schreiben“ im Herbst 2020.

Online seit: 30. November 2020

In Laura Lichtblaus Debütroman begegnen wir drei Menschen, welche im Gezerre zwischen Symbiosen und Gehorsam einerseits, sowie Anarchie und Widerstand andererseits beinahe zerrieben werden.

Wann immer mit unserer dunklen Vergangenheit konfrontiert, fragen wir uns, wie wir uns wohl in den 20er und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts verhalten hätten, als eine ganze Gesellschaftsordnung in Schieflage geriet und schließlich kippte.

Laura Lichtblaus Figuren führen uns vor Augen, dass wir jetzt gerade in einer Zeit leben, in welcher Wachsamkeit wieder wichtig ist. An einer Stelle, eine Mitarbeiterin des Amtes für Staatsmoral überprüft ein Plattenlabel, heißt es, „… keiner traute sich, zu plaudern, Gags zu machen, aber wir haben uns doch schnell an sie gewöhnt – komisch, wie das immer so geht.“

Die Icherzähler geben uns Einblick in die herrschende Gesellschaftsordnung, die Wünsche, Hoffnungen und Widrigkeiten des Individuums: Da ist Charlie, der seinen Vater nicht kennt und dafür in den fürsorglichen Netzen seiner Mutter verstrickt ist. Er träumt davon allein zu leben. Als es dann soweit ist, vermisst er die vertraute Abhängigkeit

Charlotte, Charlies Mutter, enttäuscht von ihrem Leben als Künstlerin und vom Vater ihres Sohnes, ist voller Zukunftsängste, findet schließlich für sich eine halbherzige Lösung und schließt sich der Bürgerwehr an. Sie kommt zunächst gut damit zurecht. Im Laufe ihrer Erinnerungen und Erzählungen spüren wir jedoch sehr bald, dass diese Überzeugung, das Richtige zu tun, nicht sehr stark verwurzelt ist und der Gedanke, Widerstand zu leisten, immer stärker wird.

Schließlich begegnen wir noch Burschi alias Elisa, die, im Schatten ihrer großartigen Schwester Barbara aufgewachsen, in der Großstadt ihren Platz sucht. Im Laufe ihrer Erzählung erfahren wir, dass ein traditionell veraltetes Bild von Mann und Frau keine Grautöne mehr zulässt. Die Partei bestimmt, was richtig oder falsch ist.

Laura Lichtblau malt ein zweischichtiges Tableau: Die Grau- und Schwarzstufen des Hintergrundes lassen uns die Welt erahnen, welche uns blüht, wenn wir uns einer trügerischen Selbstzufriedenheit und Ichbezogenheit überlassen und in ein neues Biedermeier flüchten. Sehr intensiv erlebbare Naturschilderungen in lila, violett und veilchenbraunen Schattierungen verweisen auf Spiritualität, Entschlusskraft, Hingabe und Idealismus dieses Szenario doch noch abwenden zu können.

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