An einem See

Von Nor­bert Gst­rein

Für Wolf­gang Matz, nach über fünf­und­zwan­zig Jah­ren
als Lek­tor im Han­ser Ver­lag

Sehr pole­misch und nur halb ernst gesagt, hat Geor­ge Stei­ner mit sei­nem Reden von der Suhr­kamp-Kul­tur, ohne es zu wis­sen und ohne es zu wol­len, dem Suhr­kamp Ver­lag womög­lich gro­ßen Scha­den zuge­fügt. Zwar war er kein Deut­scher, aber die Deut­schen haben es lie­bend gern hun­dert­fach und tau­send­fach wie­der­holt, und man kann fast davon aus­ge­hen, dass es ein Pro­blem gibt, wenn die Deut­schen eine Wort­zu­sam­men­set­zung mit „Kul­tur“ bil­den. Statt sich ein­fach zu erin­nern, haben sie eine Erin­ne­rungs­kul­tur, statt jeman­den will­kom­men zu hei­ßen, haben sie eine Will­kom­mens­kul­tur, um sich, noch wäh­rend sie sich erin­nern und noch wäh­rend sie jeman­den will­kom­men hei­ßen, gleich­zei­tig auf die Schul­tern zu klop­fen, wie gut sie das machen, wah­re Erin­ne­rungs- und Will­kom­mens­kul­tur­welt­meis­ter, denn Welt­meis­ter sind sie immer, egal, was sie tun. Seit die­sem Herbst ver­su­chen sie zudem eine Sexkul­tur zu haben, und obwohl mir das nicht regel­recht Angst berei­tet, weiß ich nicht, was davon zu hal­ten ist, wenn so etwas aus­ge­rech­net von den Deut­schen kom­men soll. Dazu haben sie eine Leit­kul­tur und eine Leit­kul­tur­de­bat­te und eben auch eine Suhr­kamp-Kul­tur, die man irgend­wo zwi­schen Erin­ne­rungs­kul­tur und Leit­kul­tur plat­zie­ren könn­te oder viel­leicht genau auf dem schma­len Grat, auf dem Erin­ne­rungs­kul­tur und Leit­kul­tur im bes­ten Sinn eben­so wider­spruchs­frei wie para­dox in eins fal­len.

Seit die­sem Herbst ver­su­chen sie zudem eine Sexkul­tur zu haben, und obwohl mir das nicht regel­recht Angst berei­tet, weiß ich nicht, was davon zu hal­ten ist, wenn so etwas aus­ge­rech­net von den Deut­schen kom­men soll.

Es ist indes nur gut, dass in all den Jah­ren nie­mand je von einer Han­ser-Kul­tur gespro­chen hat, zum Nut­zen und From­men des Ver­lags, wenn man so will, obwohl es die natür­lich gibt, wenn auch ohne den Über­bau aus Hof­fär­tig­keit und