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VOLLTEXT 4/2020

VOLLTEXT 4/2020

€5,90

Mit Bei­trä­gen von Michel Hou­el­le­becq, Micha­el Braun, Nora Bossong, Peter Fabjan, Arno Gei­ger, Nor­bert Gst­rein, Felix Phil­ipp Ingold, Alex­an­der Klu­ge, Tho­mas Lang, Andre­as Mai­er, Ste­fan Neu­haus, Tere­sa Prä­au­er, Uwe Schüt­te, Jose­fi­ne Sop­pa, Danie­la Stri­gl, Jan Wilm, Karin S. Wozo­nig, Susan­ne Schley­er, Paul-Hen­ri Camp­bell, Mat­thi­as Gru­ber, Cle­mens J. Setz.

Umfang: 76 Sei­ten
For­mat: PDF
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Kategorien: 2020, Ausgaben
  • Beschreibung

Beschreibung

Die Inhal­te: 

Faul­heit, Frech­heit, Grö­ßen­wahn
Tho­mas Lang über Michel Hou­el­le­becqs Inter­ven­tio­nen

Den Katho­li­zis­mus fin­det Hou­el­le­becq aller­dings „ziem­lich ange­schla­gen.“ Für sich selbst schließt er eine Kon­ver­si­on aus: „Gott will mich nicht … Er hat mich zurückgewiesen.“


Emma­nu­el Car­rè­re und das Pro­blem des Guten
Von Michel Hou­el­le­becq

Die Men­schen wis­sen gelin­de gesagt nicht mehr, wie man lebt. Das Cha­os ist abso­lut, die Des­ori­en­tie­rung flä­chen­de­ckend.

Die­je­ni­gen, die man liebt, sind nicht immer die, die es ver­die­nen; mit die­ser so trau­ri­gen Wahr­heit kann sich Somer­set Maug­ham ein­fach nicht abfin­den.

Dass Limo­now talen­tiert war, lässt sich kaum bestrei­ten, aber dass er außer­dem in gewis­ser Hin­sicht ein rich­ti­ger Mist­kerl war, ist eben­so offen­sicht­lich.


Chan­cen­gleich­heit als lee­res Ver­spre­chen
Uwe Schüt­te über Deniz Ohdes Streu­licht

Unver­hofft ist die Klas­sen­fra­ge zum aktu­el­len Ver­kaufs­trend avan­ciert.

Demons­triert wird in Deutsch­land für Black Lives Mat­ter und gegen Coro­na-Maß­nah­men, die zwan­zig Pro­zent Kin­der­ar­mut im Land trei­ben dage­gen nie­man­den auf die Stra­ße.


Ein Leben an der Sei­te von Tho­mas Bern­hard
Von Peter Fabjan

Ich habe mir sein Ver­hal­ten oft mit sei­nem frühkindlichen Schick­sal erklärt, wo Ver­las­sen­heits­ängs­te und Wirr­nis­se um die Mut­ter domi­niert haben müssen.

„Mei­ne Krank­heit ist die Distanz“, schrieb Tho­mas in einem Brief an mich.


Begeg­nun­gen in der Auto­fik­ti­on III
Für Paul Nizon – one year of love. Von Jan Wilm

Ich hat­te den Reiz, die Ver­lo­ckung von etwas verspürt, was ich das „uner­laub­te Lesen“ nann­te – ein Lesen wie Schu­le­schwän­zen, nein, viel bes­ser, ein Lesen wie Abhau­en, wie Unter­tau­chen.

Ich has­se eure ritua­li­sier­te Reser­viert­heit, eure kri­ti­sche Kalt­schnäu­zig­keit, eure aka­de­mi­sche Abgebrühtheit, eure habi­tua­li­sier­te Gefühlsrohheit.


An einem See
Von Nor­bert Gst­rein

Seit die­sem Herbst ver­su­chen sie zudem eine Sexkul­tur zu haben, und obwohl mir das nicht regel­recht Angst berei­tet, weiß ich nicht, was davon zu hal­ten ist, wenn so etwas aus­ge­rech­net von den Deut­schen kom­men soll.

Bis dahin gra­ben wir uns alle durch Sta­pel und Sta­pel von Büchern, die irgend­wie okay sind, immer auf der Suchen nach dem einen, das auf eine Wei­se von der Schön­heit und der Kürze des Lebens erzählt, wie es davor noch kei­nes getan hat.


Die Erfin­dung des Natio­na­lis­mus
Ste­fan Neu­haus über Gus­tav Frey­tag

Im Gegen­satz zu dem immensen Ein­fluss, den der Natio­na­lis­mus auf die Welt ausübt, steht es um sei­ne theo­re­ti­sche Bewäl­ti­gung auf­fal­lend schlecht.

Soll und Haben galt Zeit­ge­nos­sen als pro­gram­ma­ti­sches Meis­ter­werk, doch wie sich leicht fest­stel­len lässt, ist der Roman anti­se­mi­tisch, xeno­phob und kli­schee­haft.

Tho­mas Manns Bud­den­brooks las­sen sich spä­ter auch als eine Sati­re auf den ein­fäl­ti­gen Kauf­manns­ro­man Freytag’scher Prä­gung lesen.


Der Hen­ker und sein Dich­ter
Felix Phil­ipp Ingold über Ralf Roth­mann und Isaak Babel

Was bei Roth­mann völ­lig aus­ge­blen­det bleibt, ist Babels eige­ne Nähe zum sta­li­nis­ti­schen Gewalt­re­gime.

Isaak Babel: „Ich war erschöpft und schlepp­te mich unterm Toten­kranz dahin, vom Schick­sal die ein­fachs­te aller Gaben erfle­hend – die Fähig­keit, einen Men­schen zu töten.“

Babel dien­te bei Ver­hö­ren und Exe­ku­tio­nen der Tsche­ka als Dol­met­scher und stand spä­ter mit hohen Funk­tio­nä­ren der Geheim­diens­te in per­sön­li­chem Kon­takt.

Mehr als 5000 Titel unlieb­sa­mer Autoren kamen auf den Index, Mil­lio­nen von Ein­zel­ex­em­pla­ren wur­den phy­sisch ver­nich­tet – es war der größ­te Biblio­zid aller Zei­ten.

Fast macht es den Ein­druck, als wäre hier ein hoch­in­tel­li­gen­ter Sadist am Werk, der sein Lei­den und sei­ne Lust lite­ra­risch abzu­gel­ten ver­sucht.


Unsor­tier­te Wirk­lich­keit
Alex­an­der Klu­ge im Gespräch mit dem Kri­mi­no­lo­gen Joa­chim Kers­ten

Je mehr Men­schen da sind, umso mehr wird Ver­ant­wor­tung dele­giert und auf Insti­tu­tio­nen abge­wie­sen.

Das ist einer der Gründe, war­um die Todes­stra­fe spä­ter heim­lich voll­streckt wur­de – es gibt die plötz­li­che Erre­gung einer Men­ge.

Da geht es um die Pie­tät, dass an den Rei­fen nicht ein Stück eines Toten durch die Stadt gefah­ren wird.


Ein Gedicht aus dem Welt­raum
Aus dem Tage­buch des Cle­mens J. Setz

Und gibt es überhaupt so etwas wie einen voll­kom­men slap­stick­lo­sen Selbst­mord?

Mei­ne Unfä­hig­keit, zu erzäh­len – den gan­zen Tag war­te ich den „rech­ten Augen­blick“ ab, wo es viel­leicht „aus mir spru­deln“ wird, so wie früher.


Neu­lich
Andre­as Mai­er schleicht durchs düs­te­re Frank­furt

Die weni­gen Leu­te lau­fen scheu und in End­zeit­stim­mung an einem vor­bei, irgend­wie rat­ten­haft, Ver­schla­gen­heit scheint sich breit­zu­ma­chen.


Hin­ter dem Mond
Der Sie­ger­text des FM4-Kurz­ge­schich­ten­wett­be­werbs „Wort­laut“. Von Mat­thi­as Gru­ber.

Emma nickt und ich den­ke, dass es im Ultra­schall wirk­lich so aus­ge­se­hen hat, als würde das alles irgend­wo im Welt­raum pas­sie­ren.

Frucht­was­ser­punk­ti­on tip­pen wir ein, Risi­ko Fehl­ge­burt denkt die Such­ma­schi­ne unse­re Sor­gen zu Ende.

Er zieht die Sprit­ze her­aus und wischt sie mit einem Papier­hand­tuch ab, wie den Ölmess­stab eines Autos.


Mir­mar
Jose­fi­ne Sop­pas Gewin­ner­text beim open mike 2020

Es ist wie immer, wenn man in etwas ein­tritt: Man ver­gisst, wie man drau­ßen war.


Die Zer­brech­lich­keit in uns allen
Lek­tü­re­no­ti­zen von Nora Bossong


Schley­ers Foto­jour­nal


Die Bewoh­ner von Châ­teau Tal­bot
Von Arno Gei­ger


Prä­au­er streamt „Bau­er sucht Frau“ 
Von Tere­sa Prä­au­er

Gibt es das doch, das rich­ti­ge Leben in der fal­schen Doku-Soap?


Lyrik-Log­buch
Ein­tra­gun­gen zu Gedich­ten von Du Fu, Marie T. Mar­tin, Ser­hij Zha­dan und Yev­ge­niy Brey­ger. Von Micha­el Braun und Paul-Hen­ri Camp­bell.


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