Weltempfänger Herbst 2020

Die 48. Lit­prom-Bes­ten­lis­te mit Büchern aus Afri­ka, Asi­en, Latein­ame­ri­ka und der ara­bi­schen Welt.

1.
Mary­se Con­dé: Das unge­schmink­te Leben
Auto­bio­gra­phie. Aus dem Fran­zö­si­schen von Bea­te Thill.
Luch­ter­hand Ver­lag. 304 Sei­ten. 22,00 €
Mary­se Con­dé, 1937 auf Gua­de­lou­pe gebo­ren, beginnt 1953 mit dem Stu­di­um in Paris. Die jun­ge Frau aus der Kari­bik begeis­tert sich für die anti­ko­lo­nia­le Bewe­gung. Von Män­nern wird sie schwer ent­täuscht. Sie fin­det den­noch ihren Weg und lernt dabei sehr unter­schied­li­che afri­ka­ni­sche Rea­li­tä­ten ken­nen. Beein­dru­ckend unsen­ti­men­tal und selbst­kri­tisch for­mu­liert, so geht Post­ko­lo­nia­lis­mus. – Andre­as Faniz­adeh

2.
Rober­to Bola­ño: Cow­boy­grä­ber
Drei Erzäh­lun­gen. Aus dem Spa­ni­schen von Luis Ruby, Chris­ti­an Han­sen.
Han­ser Ver­lag. 192 Sei­ten. 22,00 €
Ein Vexier­spiel des latein­ame­ri­ka­ni­schen Leucht­sterns: Vage Erin­ne­run­gen an den Putsch in Chi­le von 1973; an sei­ne Her­kunft; sowie die Uto­pie eines Dich­ter­le­bens in der „sur­rea­lis­ti­schen Unter­grund­li­ga“ in der Kana­li­sa­ti­on von Paris. Mit dem schlag­ar­ti­gen Abdrif­ten in wech­seln­de Erzähl­wei­sen und Wel­ten. – Rut­hard Stäb­lein

3.
Dany Laf­er­riè­re: Ich bin ein japa­ni­scher Schrift­stel­ler
Roman. Aus dem Fran­zö­si­schen von Bea­te Thill.
Ver­lag Das Wun­der­horn. 200 Sei­ten. 22,00 €
Laf­er­riè­re zer­schred­dert den Unfug, der mit den Begrif­fen „Authen­ti­zi­tät“ und „Iden­ti­tät“ so getrie­ben wird. Das ist komisch und sehr intel­li­gent: War­um auch soll­te ein kari­bi­scher, schwar­zer, in Kana­da leben­der Autor kein japa­ni­scher Schrift­stel­ler sein? Gran­dio­ses State­ment in Roman­form. – Tho­mas Wört­che

4.
P. Siv­a­ka­mi: Die Zei­ten ändern sich
Roman. Aus dem Eng­li­schen von Tho­mas Vogel.
Drau­pa­di Ver­lag. 152 Sei­ten. 16,00 €
Katha­mut­hu, ein ange­se­he­ner „Unbe­rühr­ba­rer“, erkennt sein Dorf nicht wie­der: Wegen einer Frau begeh­ren die unters­ten gegen die höhe­ren Kas­ten auf! Ein kecker Roman über das kom­ple­xe Regel­werk der indi­schen Kas­ten – erschie­nen 1989 auf Tamil; 2006 von der Autorin, selbst „Unbe­rühr­ba­re“, ins Eng­li­sche über­setzt. – Clau­dia Kra­mat­schek

5.
Mie­ko Kawa­ka­mi: Brüs­te und Eier
Roman. Aus dem Japa­ni­schen von Kat­ja Bus­son.
Dumont Ver­lag. 496 Sei­ten. 24,00 €
Frau­en­kör­per machen Arbeit. Das erlebt auch Nat­suko. Sty­ling, OPs, Kin­der­wunsch – damit schlägt sich die Tokio­te­rin her­um. Und ist damit sehr allein. So rosa der Umschlag ist, die Geschich­te ist rau und wird immer rau­er. Fluf­fig erzähl­te Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te mit schar­fen Kan­ten. – Katha­ri­na Bor­chardt

6.
Hideo Yokoya­ma: 50
Roman. Aus dem Japa­ni­schen von Nora Bartels.
Atri­um Ver­lag. 352 Sei­ten. 22,00 €
Ein Dogma-„Krimi“ als Behör­den­ro­man, die Behör­de als Spie­gel der Gesell­schaft, die Gesell­schaft erstarrt in Regeln und Ritua­len: Gran­di­os, wie Hideo Yokoya­ma die Erzähl­kon­ven­tio­nen des Poli­zei­ro­mans unter­läuft und zugleich doch auch bedient – und wie er dabei aus dem Unei­gent­li­chen die Essenz fil­triert. – Ulrich Nol­ler

7.
Amjad Nas­ser: Wohin kein Regen fällt
Roman. Aus dem Ara­bi­schen von Regi­na Karachouli.
Lenos Ver­lag. 300 Sei­ten. 24,80 €
Als er die Hand auf die Schul­ter des Jun­gen legt, bleibt die des Man­nes im Spie­gel unbe­wegt. 20 Jah­re sind ver­gan­gen. Der Oppo­si­tio­nel­le ist zurück in der Hei­mat­stadt, und alles ist anders gewor­den: das Regime, die Reli­giö­sen, die Oppo­si­ti­on, die Jugend­lie­be. Sogar sein Dop­pel­gän­ger. – Jörg Plath

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Die Welt­emp­fän­ger-Bes­ten­lis­te erscheint vier Mal im Jahr und emp­fiehlt jeweils sie­ben Neu­erschei­nun­gen aus Afri­ka, Asi­en, Latein­ame­ri­ka und der ara­bi­schen Welt.

Die Jury: Ili­ja Tro­ja­now (Vor­sitz), Katha­ri­na Bor­chardt, Ani­ta Dja­fa­ri, Andre­as Faniz­adeh, Clau­dia Kra­mat­schek, Ulrich Nol­ler, Jörg Plath, Rut­hard Stäb­lein und Tho­mas Wört­che

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Online seit: 1. Sep­tem­ber 2020

Zuletzt geän­dert: 1. Sep. 2020