Dr. Roseis Welt-Impromptus

Eini­ge Über­le­gun­gen zu und anhand Peter Ros­eis Die gro­ße Stra­ße. Rei­se­auf­zeich­nun­gen. Von Kurt Neu­mann
Peter Rosei © Gabriela Brandenstein

Peter Ros­ei: Ding um Ding erzählt – das ist der Grund­rhyth­mus sei­ner Lite­ra­tur. Foto: Gabrie­la Bran­den­stein

Zuge­ge­ben: Auf den ers­ten Blick scheint es wich­ti­ge­re und span­nen­de­re Bücher zu geben als eine mit dem groß­ar­ti­gen Under­state­ment der Unbe­stimmt­heit ange­kün­dig­te Samm­lung von „Rei­se­auf­zeich­nun­gen“. Dass es sich dabei um lite­ra­ri­sche Kunst­stü­cke und kei­nes­wegs um dienst­leis­tungs­ar­ti­ge Bei­läu­fig­kei­ten eines rei­sen­den Gewer­be­trei­ben­den han­delt, die­se „Auf­zeich­nun­gen“ also nicht äuße­ren Anläs­sen oder ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen, son­dern der einer­seits kon­stan­ten, ande­rer­seits sich wan­deln­den inne­ren Not­wen­dig­keit einer sich nun­mehr in rund fünf­zig Jah­ren aus­fal­ten­den schrift­stel­le­ri­schen Lauf­bahn ent­sprun­gen sind, ver­rät der Ver­lag nicht, es erschließt sich erst, wenn man das Buch liest.

Wes­halb also ein genau­er Blick auf Peter Ros­eis Die gro­ße Stra­ße und somit die Lek­tü­re des Buches unbe­dingt loh­nen, soll hier aus­ge­führt wer­den.

Der vier­te und letz­te Block des Sam­mel­ban­des umfasst Tex­te aus dem ers­ten Jahr­zehnt von Ros­eis schrift­stel­le­ri­schem Schaf­fen, ab 1972. In den drei vor­an­ge­hen­den Abschnit­ten, die ein­mal einen Zeit­raum von zwan­zig, dann drei­ßig, dann vier­zig Jah­ren über­span­nen, fin­den sich jedoch punk­tu­ell direk­te Gegen­über­stel­lun­gen früher(er) und später(er) Pro­sa­stü­cke zu ver­gleich­ba­ren oder den­sel­ben Ört­lich­kei­ten – und die gewäh­ren sub­stan­zi­el­le Ein­sich­ten in den Wer­de­gang eines Schrift­stel­lers, der nicht zuletzt durch sei­ne regel­mä­ßi­ge Publi­zis­tik in den Zei­tungs­feuil­le­tons im lite­ra­ri­schen Bewusst­sein der Zeit­ge­nos­sen­schaft ver­an­kert ist.

Mögen die­se Ent­wick­lungs­aspek­te viel­leicht wie Spe­zi­al­the­men für Ros­ei-Fans anmu­ten, so ent­hal­ten die unter­schied­li­chen Grund­per­spek­ti­ven der Pro­sa­stü­cke doch ein erstaun­li­ches Erkennt­nis­po­ten­zi­al in Hin­blick auf ver­bor­ge­ne zeit­ge­schicht­li­che und ästhe­tisch-dyna­mi­sche Zusam­men­hän­ge.

Die welt­läu­fi­ge, gleich­sam noma­den­haf­te Grund­hal­tung jun­ger Schrift­stel­ler in den 1970ern impo­niert wie ein Pri­vi­leg der künst­le­ri­schen Frei­heits­su­che in den all­mäh­lich zu wach­sen­dem Wohl­stand gelan­gen­den Nach­kriegs­ge­sell­schaf­ten des Wes­tens. Die Wahr­heit ihrer Tex­te fand sich in einer die Nor­men der gän­gi­gen Welt­be­schrei­bung