Ein verschollener Apostel der Schönheit

Robert Hamer­ling (1830–1889) beein­druck­te das weib­li­che Lese­pu­bli­kum sei­ner Zeit wie kein Zwei­ter. Ger­ma­nis­ten moch­ten ihn schon damals nicht. Von Karl Wag­ner

Rupert Ham­mer­ling, spä­ter: Robert Hamer­ling, war zu sei­nen Leb­zei­ten einer der meist­ge­le­se­nen und berühm­tes­ten Autoren. Der in Not und Elend im Wald­vier­tel gebo­re­ne Sohn eines Lei­nen­we­bers schaff­te allen Wid­rig­kei­ten zum Trotz den Bil­dungs­auf­stieg und brach­te es zum Gym­na­si­al­leh­rer. Elf Jah­re unter­rich­te­te er in Tri­est, wo er auch für die Tri­es­ter Zei­tung Arti­kel schrieb und aus dem Ita­lie­ni­schen über­setz­te (Gedich­te Leo­par­dis). Aus Krank­heits­grün­den gab er sei­nen Beruf auf, zog nach Graz (1866) und wur­de zum umschwärm­ten Idol ästhe­ti­scher Tee­kränz­chen, nach­ro­man­ti­scher Sehn­süch­te über­voll.

„Häu­fig beläs­tigt wur­de Hamer­ling
von der Zudring­lich­keit frem­der Leu­te
weib­li­chen Geschlech­tes.“

Die Spu­ren und Fol­gen sol­chen Ruhms lie­ßen nicht auf sich war­ten und sie beschränk­ten sich nicht auf den Bereich des Ästhe­ti­schen: „Häu­fig beläs­tigt wur­de Hamer­ling von der Zudring­lich­keit frem­der Leu­te weib­li­chen Geschlech­tes. Da lasen sie sei­ne unge­still­te Sehn­sucht nach Schön­heit und Lie­be und woll­ten bei­sprin­gen, aus­hel­fen. […] Ich habe Wei­ber gese­hen, […] die ihn außer im Bil­de nie gese­hen, außer in sei­nen Dich­tun­gen nie spre­chen gehört hat­ten und die von einer Art Lie­bes­ra­se­rei für ihn erfüllt waren. Da kamen sie denn geflo­gen, die schwär­me­ri­schen, duf­ti­gen Brief­chen, die getrock­ne­ten Rosen und Ver­giß­mein­nich­te, die Hand­sti­cke­rei­en und Feder­zeich­nun­gen, selbst Haar­lo­cken dabei, wel­che unter Tausch­be­din­gung gege­ben wur­den, und die Ange­bo­te von Besu­chen und Stell­dich­ein, von Wär­ter­diens­ten, unter den Schwü­ren, daß sie ihr Leben und Blut für ihn las­sen woll­ten!“ So steht es in P. K. Roseg­gers Per­sön­li­chen Erin­ne­run­gen an Robert Hamer­ling, 1891 bei Hart­le­ben in Wien erschie­nen.

Robert Hamerling © Doris Raab

Robert Hamer­ling: Lese­rin­nen schick­ten ihm Locken und schwo­ren, Blut und Leben für ihn zu las­sen.
Illus­tra­ti­on: Doris Raab

Weit­aus kru­der liest sich Roseg­gers Pro­to­koll über Hamer­lings Ména­ge à trois mit der Lebens­ge­fähr­tin Clot­hil­de Gstir­ner und Ber­tha See­ger, Gat­tin eines Gra­zer Papier­wa­ren­händ­lers: „1865 mit Fami­lie S. bekannt wor­den, Frau gescheidt, Anfangs fes­sel­te ihn ihr Sinn für Poe­sie, wuss­te ihn an sich zu locken, wur­de ihm unent­behr­lich. Herr See­ger das Ver­hält­niss still­schwei­gend zuge­ge­ben, weil er sel­ber nicht fähig, sie phi­sisch zu befrie­di­gen, ihr Frei­zü­gig­keit gestat­tet. Ers­tes Kind der Frau S. aus einer Zeit, da H. noch nicht mit ihr ver­kehr­te; spä­te­re Kna­ben wahr­schein­lich sei­ne Söh­ne, obwohl Frau S. ihrem Man­ne weiss­ge­macht, sie von ihm – im Rausch – emp­fan­gen zu haben. H. im Hau­se S. wie daheim, ver­brach­te gan­ze Tage dort, arbei­te­te dort. Ein nun fast 7jähriges Mäd­chen ist da; die Schwan­ger­schaft der Mut­ter nahm ihr Mann gleich­gil­tig hin, zur Ent­bin­dung ging sie aus dem Hau­se, u. ging sel­be im Land­hau­se H.s vor sich.“

Die Berühmt­heit Hamer­lings war aller­dings ein Glücks­fall für Roseg­ger. Der Ende der 1860er-Jah­re noch weit­ge­hend unbe­kann­te Bau­ern­sohn aus der Ober­stei­er­mark, der in Graz die vor­ent­hal­te­ne Bil­dung mehr schlecht als recht nach­hol­te, und, geför­dert von Gra­zer Auto­ri­tä­ten wie Adal­bert V. Svo­bo­da, sei­nes Zei­chens Redak­teur der Gra­zer Tages­post, woll­te Schrift­stel­ler wer­den. Sei­ne Juve­ni­lia hat er 1868 an den damals bereits berühm­ten Dich­ter Hamer­ling geschickt, der sie gele­sen und den Ver­fas­ser zu sich ein­ge­la­den hat. Hamer­ling befür­wor­te­te eine Aus­wahl aus die­ser frü­hen Lyrik. Wich­ti­ger für den Wer­be­ef­fekt war nur, dass der künst­lichs­te aller zeit­ge­nös­si­schen Autoren die­sen stei­ri­schen Dia­lekt­ge­dich­ten ein Vor­wort wid­me­te und dem im glei­chen Jahr erschie­ne­nen Geschich­ten­band Tan­nen­harz und Fich­ten­na­deln eine Rezen­si­on, in der er den noch weit­ge­hend Unbe­kann­ten den „ober­stei­ri­schen Burns“ nann­te – nach dem schot­ti­schen Dia­lekt­dich­ter Robert Burns, des­sen Lob von Goe­the abwärts ange­stimmt wor­den ist, nicht zuletzt von den berühm­tes­ten Kom­po­nis­ten wie Beet­ho­ven, Haydn, Men­dels­sohn-Bar­thol­dy oder Robert Schu­mann, die sei­ne Lie­der ver­tont haben.

Die sol­cher­art erfolg­reich ein­ge­fä­del­te Kar­rie­re führ­te bald dazu, dass Roseg­ger als Kalen­der­mann (Das Neue Jahr) und Zeit­schrif­ten­her­aus­ge­ber (Heim­gar­ten, ab 1876) sei­nen Men­tor um Bei­trä­ge ersuch­te. Mit zuneh­men­der freund­schaft­li­cher Nähe wird Roseg­ger in die kom­pli­zier­ten und unüber­sicht­li­chen Lebens- und Lie­bes­ver­hält­nis­se Hamer­lings ein­ge­weiht. Brie­fe und Memo­ra­bi­li­en bele­gen ein­drück­lich, dass Roseg­ger von Hamer­ling für die Ver­wal­tung des Nach­ruhms ein­ge­setzt wor­den ist. Mehr noch: als Freund und Ken­ner soll er für die unver­fälsch­te Rezep­ti­on ein­ste­hen. In einer denk­wür­di­gen Ver­keh­rung der Men­tor­rol­le tritt Roseg­ger gegen­über Hamer­lings Ham­bur­ger Ver­le­ger als Befür­wor­ter einer Volks­aus­ga­be von Hamer­lings Wer­ken auf. Die­se kommt auch zustan­de, mit ein­lei­ten­den Wor­ten Roseg­gers ver­steht sich.

Dabei soll­te man nicht über­se­hen, dass mit Hamer­lings Tod die Gegen­stim­men zu sei­nem Erfolg, die es immer schon gege­ben hat, deut­li­cher wer­den. Für die Gene­ra­ti­on der Natu­ra­lis­ten steht sei­ne Lite­ra­tur für all das, was zum Abge­ta­nen einer ver­gan­ge­nen Epo­che und obso­le­ten Schreib­re­gel gehört. Dis­pu­te blie­ben auch beim Denk­mal­set­zen nicht aus. Noch im Todes­jahr erging von Graz aus der Auf­ruf zu einem Hamer­ling-Denk­mal, der einen pro­mi­nen­ten Geg­ner fand.

Ein 1993 in Kirch­berg gegrün­de­tes  Hamer­ling-Muse­um ist seit län­ge­rem wegen Neu­baus der Raiff­ei­sen­bank geschlos­sen.

Expo­niert hat sich der bedeu­ten­de Ger­ma­nist Erich Schmidt, der län­ge­re Zeit in Graz und Wien gelebt und gear­bei­tet hat­te, bevor er in Ber­lin Nach­fol­ger Wil­helm Sche­rers wur­de. Schmidt hat­te sich näm­lich, in einem pri­va­ten Schrei­ben, gewei­gert, den Auf­ruf eines Gra­zer „Denk­mal-Comi­tés“ zur „Errich­tung eines Stand­bil­des für Robert Hamer­ling zu unter­zeich­nen“. In die­sem Brief an den Gra­zer Bür­ger­meis­ter, der Vor­sit­zen­de die­ses Comi­tés, habe er sei­ne Absa­ge damit erklärt, dass sein „per­sön­li­ches Ver­hält­nis zu Hamer­lings gesamm­ter Poe­sie sehr kühl sei und der Ver­stor­be­ne nach mei­ner unmaß­geb­li­chen Mei­nung nicht zu den monu­men­ta­len Erschei­nun­gen zäh­le, denen die deut­sche Nati­on Stand­bil­der zu grün­den habe“. Als die­se Nach­richt in einer Rei­he von Zei­tun­gen mit­ge­teilt und kom­men­tiert wird, tritt Schmidt den Gang an die Öffent­lich­keit an und spielt eine schrof­fe­re, sati­ri­sche Ver­si­on sei­ner Wei­ge­rung durch.

„Ich mag ihn nicht, das ist mein Kate­chis­mus.“

Dem­nach hät­te er also gesagt: „[M]ein Sieb – ihr mögt fei­ne­re Haar­sie­be füh­ren! – hat aus Hamer­lings Lyrik nur ein paar Gold­kör­ner des Sin­nens und Min­nens aus­ge­schwemmt; die vol­len, bren­nen­den Far­ben und die gepeitsch­te Sinn­lich­keit der Epen pei­ni­gen mei­ne Augen und Ner­ven; der Roman ‚Aspa­sia‘ ödet mich an; ‚Dan­ton und Robes­pierre‘ berei­chern nach mei­nem schon im Stu­den­ten­thea­ter befes­tig­ten Ein­druck nur das Schat­ten­volk der ehe­mals gras­si­ren­den Revo­lu­ti­ons­hel­den um eine Schiffs­la­dung neu­er Sche­men; ‚Amor und Psy­che‘ schei­nen mir ihrer Thu­man­ni­schen Bil­der­chen [gemeint ist der über­aus erfolg­rei­che Illus­tra­tor und Por­trät­ma­ler Paul Thu­mann] werth, die ‚Sie­ben Tod­sün­den‘ eine Tod­sün­de gegen den hei­li­gen Geist der Poe­sie; ‚Teut‘ und sati­ri­sche Genos­sen hal­ten mit aller Bit­ter­keit schief­ge­wi­ckel­ter Men­schen den deut­schen Zustän­den einen Hohl­spie­gel vor, dem ich schleu­nig den Rücken keh­re, weil der Ver­zer­rung der Reiz fehlt, den ein gro­ßes Talent auch in Absur­des und Wid­ri­ges legen kann.“ Der sati­ri­schen Prä­gnanz die­ser klei­nen Werk-Revue ist nichts hin­zu­zu­fü­gen. Bemer­kens­wert ist jedoch das radi­kal sub­jek­ti­ve ästhe­ti­sche Bekennt­nis, das sich von jeg­li­cher „aka­de­mi­schen Juris­dik­ti­on“ fern­hält. Es lau­tet: „Ich mag ihn nicht, das ist mein Kate­chis­mus“.

In einem Nach­wort zu die­sem Arti­kel berich­tet Erich Schmidt von den vie­len Schmä­hun­gen und Anwür­fen, die er sich wegen sei­ner Hal­tung in der Denk­mal-Fra­ge gefal­len las­sen muss­te. Er lenkt zwar nicht ein, aber die­ser Nach­satz ist ihm wich­tig: „Der Vor­ein­ge­nom­men­heit gegen öster­rei­chi­sche Dich­ter darf mich nie­mand zei­hen; jeder mei­ner Zuhö­rer könn­te ihn kurz­weg wider­le­gen. Ich habe Anzen­gru­ber gesucht und gefun­den, habe in Stei­er­mark den Dich­ter und Men­schen Roseg­ger mit Freu­de ken­nen gelernt, und es ver­schlägt mir gar nichts, wenn jetzt irgend ein Stru­del­kopf mich bei Bier und Taback als einen Feind der Poe­sie und der deut­schen Sache nie­der­don­nert, weil mir Hamer­ling zum Schutz­hei­li­gen die­ser Mäch­te viel zu klein ist.“

Schon die zeit­ge­nös­si­sche Lite­ra­tur­kri­tik asso­zi­ier­te zu Hamer­ling Homer, um so sei­nem anti­ken For­men- und The­men­re­per­toire die Ehre zu erwei­sen, ohne sie zu begrün­den.

Den­noch wur­den Hamer­ling auch in der Zeit schwin­den­den Ruhms Denk­mä­ler und Muse­en errich­tet, die heu­te aber funk­ti­ons­los wer­den, wie es den Anschein hat. Der radi­ka­le Deutsch­na­tio­na­le und Anti­se­mit Georg Rit­ter von Schö­ne­rer (dem Hamer­ling ein Spott­ge­dicht gewid­met hat: „Ich ach­te dich, die­weil es zwar nicht Schlimm’re / Als du bist, gie­bt, doch, was noch schlim­mer: Dümm’re“) ließ Hamer­lings Geburts­haus im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Kirch­berg am Wal­de nie­der­rei­ßen , um an des­sen Stel­le das Haus der Hamer­ling-Stif­tung zu errich­ten, in des­sen Gar­ten, zumin­dest bis vor weni­gen Jah­ren, ein Bis­marck-Denk­mal stand. Ein 1993 in Kirch­berg gegrün­de­tes Hamer­ling-Muse­um ist seit län­ge­rem wegen Neu­baus der Raiff­ei­sen­bank geschlos­sen; nach einem geeig­ne­ten Ort wird offen­bar noch immer gesucht. Einen papie­re­nen Erin­ne­rungs­kult hat der einst von Hamer­ling geför­der­te Roseg­ger für den Nach­ruhm sei­nes För­de­rers insze­niert: Neben den erwähn­ten Per­sön­li­chen Erin­ne­run­gen gab er ein Hamer­ling-Album her­aus und publi­zier­te im Heim­gar­ten den (pur­gier­ten) Brief­wech­sel mit dem ver­ehr­ten Freund; noch zu Leb­zei­ten erschien in Ros­eggers Zeit­schrift Hamer­lings lesens­wer­te Selbst­bio­gra­fie Sta­tio­nen mei­ner Lebens­pil­ger­schaft.

Schon die zeit­ge­nös­si­sche Lite­ra­tur­kri­tik asso­zi­ier­te zu Hamer­ling Homer, um so sei­nem anti­ken For­men- und The­men­re­per­toire die Ehre zu erwei­sen, ohne sie zu begrün­den. Der spä­ter­hin feind­se­lig argu­men­tie­ren­de Fer­di­nand Kürn­ber­ger ver­knüpf­te mit Hamer­lings Epos Ahas­ver in Rom, das begeis­ter­te Auf­nah­me fand, einen ande­ren gro­ßen Namen: „hier ist Ten­ny­son“, also der gefei­er­te „poet lau­rea­te“ des vik­to­ria­ni­schen Zeit­al­ters. Mit Ahas­ver hat Hamer­ling die roman­ti­sche Gestalt des „ewi­gen Wan­de­rers“ ein wei­te­res Mal als Epo­chen­fi­gur bemüht. Ahas­ver ist der Legen­de nach einer, der Jesus auf dem Kreuz­weg Hil­fe ver­wei­gert hat und dafür zu einem unstet-noma­di­schen, „moder­nen“ Leben ver­ur­teilt wor­den ist. Hamer­lings epi­sches Gedicht iden­ti­fi­ziert den römi­schen Kai­ser Nero mit Ahas­ver, der Deka­denz und Dege­ne­ra­ti­on reprä­sen­tiert.

Ande­re Zeit­ge­nos­sen erkann­ten vor allem Hamer­lings Nähe zu Hans Makart, der sich übri­gens mit dem Plan befass­te, den Ahas­ver zu illus­trie­ren: His­to­ris­mus zur Potenz also. Hamer­lings for­ma­le Ver­sa­ti­li­tät, sein Kult anti­ker und ger­ma­ni­scher For­men­spra­che erzeugt präch­ti­ge Geschichts-Bil­der. Die­ser Erfolg auf­wän­di­ger kul­tur­ge­schicht­li­cher Beu­te­zü­ge durch alle Epo­chen – bevor­zugt: Epo­chen­schwel­len und ‑über­gän­ge – schütz­te indes nicht vor Rat- und Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit. Prunk und Pracht wur­den ger­ne als Kom­pen­sa­ti­on die­ses Vaku­ums ange­se­hen, aber der in die­ser Bil­der­flut ent­fes­sel­te His­to­ris­mus konn­te auf Dau­er sei­ne Lee­re nicht ver­ber­gen. „Reich­tum! Fül­le! Über­fluß! das ist das Feld­ge­schrei unse­rer Zeit“ heißt es in Kürn­ber­gers Feuil­le­ton „An der Wie­ge von Kaul­bachs ‚Nero‘“ von 1873. Es erin­nert dar­an, dass Hamer­lings Nero-Figur (im Ahas­ver) nicht nur in der Lite­ra­tur wie in der Bil­den­den Kunst und Male­rei eine the­ma­ti­sche Serie aus­lös­te, son­dern dass Hamer­ling selbst, wie der Maler Wil­helm Kaul­bach auch, eine Epo­chen­ge­stalt war.

Im Roseg­ger-Jubi­lä­ums­jahr 2018 wur­de des­sen kom­plet­ter Brief­wech­sel mit Hamer­ling ediert; dass er Auf­takt für eine Hamer­ling-Gesamt­aus­ga­be sein soll, ist immer­hin erstaun­lich. Ver­ges­sen kann ein kom­pli­zier­ter Vor­gang sein.

* * *

Die Serie „Zu Recht ver­ges­sen – die bes­ten schlech­ten Dich­ter aller Zei­ten“ wid­met sich dem Phä­no­men der Berühmt­heit zu Leb­zei­ten, die durch kei­ner­lei ästhe­ti­sche oder poe­to­lo­gi­sche Qua­li­tät gerecht­fer­tigt ist. Der zu Recht ver­ges­se­ne, einst aber bekann­te und gefei­er­te Autor ist men­ta­li­täts­ge­schicht­lich grund­sätz­lich inter­es­san­ter als das zu Leb­zei­ten ver­kann­te Genie, das „sei­ner Zeit vor­aus“ war. Im Unter­schied zum „all­zeit gül­ti­gen“ Werk des Klas­si­kers stellt sich am Bei­spiel der Pro­duk­ti­on des schlech­ten Autors oder der schlech­ten Autorin die Fra­ge nach der his­to­ri­schen Kon­tin­genz ästhe­ti­scher Wer­te und Wer­tun­gen. – Danie­la Stri­gl, Karin S. Wozo­nig

* * *

Karl Wag­ner ist Prof. em. für Neue­re deut­sche Lite­ra­tur an der Uni­ver­si­tät Zürich. Zu sei­nen For­schungs­schwer­punk­ten zäh­len die Lite­ra­tur des 19. und 20. Jahr­hun­derts. Aus­ge­wähl­te Publi­ka­tio­nen: Wei­ter im Blues. Bonn 2010; Moder­ne Erzähl­theo­rie. 2. Aufl. Wien 2015 (Hg.); Der Held im Schüt­zen­gra­ben. Füh­rer, Mas­sen und Medi­en­tech­nik im Ers­ten Welt­krieg. Zürich 2014 (Mit­hg.); Peter Roseg­ger: Aus­ge­wähl­te Wer­ke in [vier] Ein­zel­bän­den. Wien etc. 2018 (Mit­hg.).

Quel­le: VOLLTEXT 1/2019 – 24. März 2019

Online seit: 8. Sep­tem­ber 2019

Online seit: 8. Sep­tem­ber 2019

Zuletzt geän­dert: 11. Dez. 2019