Fragebogen: Klaus Kastberger

Lite­ra­tur­kri­tik heu­te

Was sehen Sie als die pri­mä­re Auf­ga­be der Lite­ra­tur­kri­tik heu­te?
Kom­ple­xi­tä­ten redu­zie­ren und neu zusam­men­bau­en.

Was sind die größ­ten Herausforderungen/Probleme für die Kri­tik heu­te?
Platz haben, aber nicht zu viel.

Spie­len lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­che Theo­rien eine Rol­le für Ihre Tätig­keit als Kri­ti­ke­rIn?
Alle, je nach Buch. Essen­zi­ell aber ist in jedem Fall die Abkehr vom Struk­tu­ra­lis­mus, mit dem gan­ze aka­de­mi­sche Gene­ra­tio­nen auf­ge­wach­sen sind.

Wel­che Lite­ra­tur­kri­ti­ke­rIn­nen schät­zen Sie am meis­ten? Für wel­che Qua­li­tä­ten?
MRR für den Satz „Grön­land inter­es­siert mich nicht!“.

Wie vie­le Bücher muss ein/e Kri­ti­ke­rIn gele­sen haben, um kom­pe­tent urtei­len zu kön­nen?
Alles von May­rö­cker, alles von Celan, alles von Mari­an­ne Fritz.

Wie vie­le Neu­erschei­nun­gen lesen Sie pro Jahr?
Zu vie­le.

Wel­che AutorIn­nen haben Sie mit 15 geschätzt?
Peter Hand­ke, viel­leicht auch erst mit 16.

Wel­che AutorIn­nen schät­zen Sie heu­te?
Stif­ter und Goe­the, Robert Musil und nicht Tho­mas Mann.

Was lesen Sie, wenn es nicht mit dem Beruf zu tun hat?
Den Blog von Don Alphon­so in der FAZ, über­haupt FAZ.

Haben Sie in Ihrer Lauf­bahn als Kri­ti­ke­rIn je ein Urteil grund­le­gend revi­die­ren müs­sen?

Ich habe jüngst in einer Rezen­si­on zu Tere­sa Prä­au­ers John­ny und Jean Jean und John­ny ver­wech­selt, so sehr hat mich die­ses Buch genervt. Freund­li­che Men­schen aus Salz­burg haben mich auf den Feh­ler hin­ge­wie­sen. Den­noch bleibts dabei: Für den Herr­scher aus Über­see ist ful­mi­nant.

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Klaus Kast­ber­ger, gebo­ren 1963 in Gmun­den, ist Pro­fes­sor für Neue­re Deutsch­spra­chi­ge Lite­ra­tur in Graz und Lei­ter des Lite­ra­tur­hau­ses Graz. Sei­ne Kri­ti­ken erschei­nen unter ande­rem in der Pres­se und im Fal­ter. Unter dem Hash­tag #tddl twit­tert er als @KlausKastberger von den Tagen der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur in Kla­gen­furt.

Quel­le: VOLLTEXT 2/2015

Online seit: 17. Janu­ar 2016

Zuletzt geän­dert: 18. Jan. 2016