Was ist echt?

Drei Fra­gen an Nava Ebra­hi­mi anläss­lich der Euro­päi­schen Lite­ra­tur­ta­ge [ADVERTORIAL]

Bir­git Poli­ty­cki: Sie sind in Tehe­ran gebo­ren und in Köln auf­ge­wach­sen. In Ihrem Debüt Sech­zehn Wör­ter geht es um Wor­te, die wir nicht ken­nen, deren Bedeu­tung wir aber erah­nen. Wie sehr prägt uns eine gemein­sa­me Spra­che?

Nava Ebra­hi­mi: Sehr, den­ke ich. Um das zu ver­deut­li­chen, ver­wen­de ich am liebs­ten ein Wort­paar aus Sech­zehn Wör­ter: Was auf Deutsch die „Kreu­zung“ ist, ist auf Per­sisch wört­lich über­setzt ein „Vier­weg“. Die­se Bei­spiel ver­an­schau­licht mir, wie Spra­che unse­re Wahr­neh­mung und unser Den­ken prägt. Wie schön, dass wir den­noch über die Gabe ver­fü­gen, ein­an­der über Sprach­gren­zen hin­weg zu ver­ste­hen.

Bir­git Poli­ty­cki: Ihr aktu­el­ler Roman Und Federn über­all ist „ein Plä­doy­er für mehr Mensch­lich­keit in einer immer inhu­ma­ne­ren Gesell­schaft“. Wor­in besteht die größ­te Gefahr?

Nava Ebra­hi­mi: Dass wir eben­die­se Erzäh­lung von der inhu­ma­ne­ren Gesell­schaft über­neh­men, die Erzäh­lung von „Jetzt muss jeder sehen, wo er bleibt“. Letzt­lich sind wir die Gesell­schaft, und wir ent­schei­den, wohin es geht.

Bir­git Poli­ty­cki: Die gegen­sätz­li­chen Wel­ten in Deutsch­land und Iran sind immer wie­der Bestand­teil Ihres Schrei­bens. Was bedeu­tet für Sie in die­sem Zusam­men­hang die Fra­ge: Was ist echt?

Nava Ebra­hi­mi: Echt im Sin­ne von ursprüng­lich, uni­ver­sell ist für mich das Stre­ben aller Men­schen nach Bin­dung, Zuge­hö­rig­keit, Sinn­stif­tung. Das liegt letzt­lich unter allen sozia­len Kon­ven­tio­nen, Tra­di­tio­nen, Bräu­chen, unter allem, was wir im wei­tes­ten Sin­ne unter Kul­tur ver­ste­hen.

Nava Ebra­hi­mi, gebo­ren 1978 in Tehe­ran, ist eine ira­nisch-deut­sche Schrift­stel­le­rin. Zuletzt erschien ihr Roman Und Federn über­all. Am 21. Novem­ber liest sie im Rah­men der Euro­päi­schen Lite­ra­tur­ta­ge im Klang­raum Krems. 

 

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Online seit: 3. Novem­ber 2025

Zuletzt geän­dert: 3. Nov. 2025