Der Georg-Büchner-Preis

Eine his­to­risch-kri­ti­sche Sum­me. Von Felix Phil­ipp Ingold

Seit 1951 ver­gibt die Deut­sche Aka­de­mie für Spra­che und Dich­tung all­jähr­lich in Darm­stadt den Georg-Büch­ner-Preis. Die Preis­sum­me betrug anfäng­lich 3.000 Mark, heu­te beläuft sie sich auf 50.000 Euro. Sat­zungs­ge­mäß kom­men als Preis­trä­ger Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler in Fra­ge, die „durch ihre Arbeit und Wer­ke in beson­de­rem Maße her­vor­ge­tre­ten sind und die an der Gestal­tung des gegen­wär­ti­gen deut­schen Kul­tur­le­bens wesent­li­chen Anteil haben“. Die­se Begriff­lich­keit – „in beson­de­rem Maße her­vor­ge­tre­ten“, „am deut­schen Kul­tur­le­ben wesent­li­chen Anteil haben“ – ist vage genug für eine brei­te Aus­le­se von Kan­di­da­ten. Dass dabei aus­schließ­lich die Qua­li­tät der intern jurier­ten Tex­te für die Zuspra­che bestim­mend sein soll, scheint Kon­sens zu sein, wird jedoch nicht expli­zit fest­ge­hal­ten, eben­so wenig die Tat­sa­che, dass der Preis aus­schließ­lich an Mit­glie­der der Aka­de­mie ver­ge­ben wird.

Paul Celan © Wolgang Oschatz

Paul Celan: Kein ande­rer Georg-Büch­ner-­Preis­trä­ger hat sich ver­gleich­bar umständ­lich aus­ge­drückt, ohne jede Rück­sicht auf Anlass und Gele­gen­heit der Rede.

Der Georg-Büch­ner-Preis gilt heu­te als die gewich­tigs­te Aus­zeich­nung im bun­des­deut­schen Lite­ra­tur­be­trieb. Natur­ge­mäß gewin­nen die por­tier­ten Autoren mit ihrem Werk alle­mal, zumin­dest vor­über­ge­hend, an Inter­es­se, wobei ihre Dan­kes­re­den bei der Ent­ge­gen­nah­me des Prei­ses im Darm­städ­ter Staats­thea­ter in den Fokus rücken. Man erwar­tet sich davon – nebst der obli­ga­ten Ehren­be­zeu­gung für Büch­ner und für die Hes­si­schen Behör­den – Auf­schluss der Lau­rea­ten nicht nur über ihr eige­nes Schaf­fen, son­dern auch über den Sta­tus heu­ti­ger Lite­ra­tur ins­ge­samt.

Das Inter­es­se an den Vor­aus­set­zun­gen, Bedin­gun­gen und Zie­len lite­ra­ri­scher Arbeit hat in jün­ge­rer Zeit ste­tig zuge­nom­men und steht hin­ter dem Inter­es­se an den Tex­ten selbst kaum noch zurück. Autoren, Autorin­nen nut­zen mit gro­ßer Selbst­ver­ständ­lich­keit unter­schied­lichs­te Podi­en und Medi­en, um ihre Poe­tik dar­zu­le­gen, sei’s in Form von Vor­trä­gen, Vor­le­sun­gen oder Work­shops, sei’s in essay­is­ti­scher Schrift­form. Dass dar­über hin­aus auch Reden bei Preis­ver­lei­hun­gen für poe­to­lo­gi­sche State­ments opti­mal geeig­net sind, bestä­tigt sich jähr­lich hun­dert­fach.

Die 72 bis­her vor­lie­gen­den Reden zum Georg-Büch­ner-Preis sind bei­spiel­haft dafür.

Gesamt­haft bie­ten sie – bald in kon­ven­tio­nel­ler Vor­trags­form, bald in bekennt­nis­haf­ter, nar­ra­ti­ver oder auch spe­ku­la­ti­ver Manier – ein viel­fäl­ti­ges Pan­ora­ma dich­tungs­theo­re­ti­scher Refle­xi­on aus acht Jahr­zehn­ten. In Druck­fas­sung sind die Tex­te bei der Deut­schen Aka­de­mie abzu­ru­fen; für die Jahr­gän­ge 1951 bis 1994 lie­gen sie bei Reclam in drei Ein­zel­bän­den vor.

In sei­ner Dan­kes­re­de zum Georg-Büch­ner-Preis von 1954 beton­te der