Aus dem Zettelwerk

Von Karl-Mar­kus Gauß. „Hier und Heu­te – 100 Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur“ – Teil 72
Karl-Markus Gauß © Marco Riebler

Karl-Mar­kus Gauß. Foto: Mar­co Rieb­ler

Es ist ein Irr­tum zu glau­ben, dass jemand Faschist wird, weil es ihm schlecht geht. Er wird Faschist, weil er möch­te, dass es ande­ren schlech­ter ergeht als ihm.
Es ist nicht die „berech­tig­te Sor­ge“, auf die er lei­der nur eine fal­sche Ant­wort parat hat, son­dern die Wut, das täg­lich hal­lu­zi­nier­te oder berech­tig­te Gefühl der Demü­ti­gung, das ihn nicht von einer bes­se­ren Welt träu­men oder gar für sie ein­ste­hen, son­dern nach Men­schen Aus­schau hal­ten lässt, die er sel­ber drang­sa­lie­ren und demü­ti­gen könn­te.

Was ist ein Shit­s­torm? Die Zivi­li­sa­ti­on hat für die Aus­schei­dung von Fäka­li­en beson­de­re Orte geschaf­fen, in die sich in der Regel zurück­zieht, wer sich der leib­li­chen Gift­stof­fe ent­lee­ren möch­te. Die digi­ta­le Zivi­li­sa­ti­on stellt jenen, die Schei­ße nicht in ihrem End­darm zur Aus­schei­dung lagern, son­dern in ihrem Gehirn, digi­ta­le Abwas­ser­ka­nä­le zur Ver­fü­gung, in die sie ihren Unrat kolik­ar­tig ent­la­den kön­nen. Wenn sich vie­le dazu ent­schei­den, gerät die an und für sich schon unap­pe­tit­li­che Sache zum Shit­s­torm. Es ist hilf­reich, ame­ri­ka­ni­sche Wör­ter manch­mal in ihrer Bild­haf­tig­keit wie­der kon­kret zu neh­men: Um nichts ande­res han­delt es sich als einen Sturm aus Schei­ße, mit der jemand, der eine Auf­fas­sung ver­foch­ten hat, die ande­ren unlieb ist, über­schwemmt wer­den soll, auf dass er in ihr ertrin­ke.

Die sich am Shit­s­torm betei­li­gen, bil­den die SA der digi­ta­len Welt.

Was sind das für Men­schen, die ihre geis­ti­gen Fäka­li­en in sol­che rei­ßen­den Flüs­se lei­ten? Es ist der Abschaum, den man nicht Abschaum nen­nen darf, weil er sonst gekränkt ist, der aus der Demü­ti­gung ande­rer sei­ne Lust und sein Gefühl von Stär­ke bezieht. Die sich am Shit­s­torm betei­li­gen, bil­den die SA der digi­ta­len Welt.

Vor Jah­ren bin ich höh­nisch über einen Kri­ti­ker her­ge­zo­gen, der nach Lek­tü­re von ein paar Büchern ost­eu­ro­päi­scher Autoren selbst­herr­lich pro­kla­mier­te: „Der Osten leuch­tet nicht mehr“. Dabei ist der Osten heu­te auch mir eine erlo­sche­ne Hoff­nung, die auf­fal­lend rasch nie­der­ge­brannt ist und einen auf­fal­lend unschö­nen Asche­hau­fen ergibt. Ver­mut­lich war sie der Feh­ler, die Anma­ßung des West­lers, der uto­pie­ver­ses­sen in den Osten schau­te, als wür­de dort end­lich wie­der etwas Gro­ßes und Wür­di­ges her­auf­däm­mern. Die­ser Irr­glau­be, ande­re müss­ten die Din­ge für uns Müde rich­ten, die wir selbst gar nichts mehr zu ändern wis­sen, die­ser Sehn­suchts­export nach Osten (oder eine Gene­ra­ti­on vor­her nach Latein­ame­ri­ka), für den wir uns einen ordent­li­chen Import an unver­fälsch­tem Leben, ech­ten Idea­len etc. erwar­te­ten.
Die meis­ten Ost- und Mit­tel­eu­ro­pä­er haben 1989 übri­gens nicht davon geträumt, ihre Staa­ten auf west­lich-libe­ra­len Stan­dard zu brin­gen, son­dern nach Jahr­zehn­ten der Bevor­mun­dung so etwas wie natio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät zu erlan­gen, also über die Geschi­cke ihres Lan­des selbst bestim­men zu kön­nen und sich nicht nach den Par­tei­tags­be­schlüs­sen der KPdSU rich­ten zu müs­sen. Die­ses natio­na­le Anlie­gen, das man nicht als natio­na­lis­tisch denun­zie­ren darf, gab ihrem Auf­be­geh­ren die Kraft und Aus­dau­er und ließ das wie für ewi­ge Zei­ten gefüg­te Staa­ten­sys­tem des Ost­blocks bin­nen weni­ger Mona­te zusam­men­kra­chen. Wer die­ses natio­na­le Motiv igno­riert, weil es dem Wes­ten nicht kon­ve­niert und dort der Natio­nal­staat bereits als Hin­der­nis gilt, das der wah­ren euro­päi­schen Ver­ei­ni­gung ent­ge­gen­steht, hat vom Umsturz der euro­päi­schen Ord­nung im Jahr 1989 nichts begrif­fen.

Stei­ri­sche Wer­bung in der Sonn­tags­kro­ne: „Besu­chen Sie das Schwar­zen­eg­ger-Muse­um in Thal. Fei­ern Sie Arnold Schwar­zen­eg­ger, den größ­ten Öster­rei­cher aller Zei­ten.“ Ein­mal nach Thal fah­ren, die­se Tat­sa­che im Wirts­haus bestrei­ten und bei leben­di­gem Leib von gesun­den stei­ri­schen Zäh­nen zer­fleischt wer­den.

Kaum läuft die Kame­ra, beginnt er zu wür­gen und end­lich tüch­tig zu schluch­zen. Er wird nicht mehr damit auf­hö­ren kön­nen, so lan­ge die Kame­ra auf ihn gerich­tet ist. Es ist nicht Berech­nung, die ihn so han­deln lässt. Die Kame­ra hat die Auf­ga­be des Pfar­rers von frü­her, des­sen hör- und spür­ba­re, im Dun­kel des Beicht­stuhls aber kaum sicht­ba­re Prä­senz im Sün­der das Gefühl sei­ner Sünd­haf­tig­keit stei­ger­te. Hier ist es die Kame­ra, die Gefüh­le befeu­ert, die der Wei­nen­de gar nicht hat­te, und die er erst zu emp­fin­den fähig wur­de, als über die Kame­ra eine Öffent­lich­keit her­ge­stellt war: die öffent­li­che Beich­te als Bekennt­nis zur Lüge.

Iden­ti­tä­res Leid. Ein Rad­fah­rer, der in einer die­ser hoch­ero­ti­schen Rad­ler­ho­sen steck­te und auch sonst adjus­tiert war, als wür­de er gleich bei der Öster­reich-Rad­rund­fahrt mit­fah­ren, beschwert sich in einem Leser­brief an die Salz­bur­ger Nach­rich­ten, dass er im Café Bazar scheel von den Gäs­ten und dem Per­so­nal ange­se­hen und von bei­den offen­bar weder als zah­len­der Gast noch als Mensch wahr­ge­nom­men, son­dern auf sei­ne Exis­tenz als Rad­fah­rer redu­ziert wur­de. Eine radi­ka­le deut­sche Mode­phi­lo­so­phin, die ihr Gesicht mit einem streng gezo­ge­nen Kopf­tuch ein­ge­fasst hat, beschwert sich im Inter­view mit dem Stan­dard, dass die Leu­te in ihr immer nur die Mus­li­ma sehen. Als was möch­ten sie und der ihr wesens­ver­wand­te Rad­fah­rer denn wahr­ge­nom­men wer­den? Er als gemüt­li­cher Zivi­list und sie als für den lai­zis­ti­schen Staat wer­ben­de Athe­is­tin? Oder woll­te er mit sei­nem Sport­dress als Mus­li­ma aner­kannt wer­den und sie mit ihrem Kopf­tuch als Rad­sport­ler? Sie tre­ten aller Welt mit demons­tra­ti­ven Zei­chen ihrer Iden­ti­tät ent­ge­gen, wer­den sie aber mit ihrer iden­ti­tä­ren Selbst­in­sze­nie­rung iden­ti­fi­ziert, emp­fin­den sie das als uner­hör­te Krän­kung.

Im Radio höre ich eine berühm­te Skan­dal­nu­del, die ihre Kar­rie­re damit bestrit­ten hat, sich als Nudel zu skan­da­li­sie­ren, bit­ter­lich dar­über grei­nen, dass sie in die Schub­la­de der Skan­dal­nu­del abge­legt und nur aus die­ser noch ans Licht der Öffent­lich­keit geholt wer­de. Das ist unge­recht, denn sie betei­ligt sich seit Jah­ren an einem Pro­jekt zum Schutz von Löwen­ba­bys in Afri­ka.

Avant­gar­de ist der Ver­such, das Revier des Kom­mer­zes bestän­dig aus­zu­wei­ten, die Avant­gar­dis­ten sind die Fähr­ten­su­cher des Kapi­tals. War­hol, der Wer­be­stra­te­ge, hat die Gla­mour­pro­duk­te, für die er Rekla­me mach­te, eines Tages zu Meta-Gla­mour­pro­duk­ten erklärt, sie aus der Sphä­re der Wer­bung also in die der Kunst geholt. Für den dau­er­haf­ten Scha­den, den er mit der Aus­wei­tung der Kom­merz­zo­ne anrich­te­te, wur­de er her­vor­ra­gend ent­lohnt, mit dem Geld der Kom­merz- und dem Ruhm der Kunst­welt, aus denen er ein und die­sel­be gemacht hat.

Gelän­de­ge­winn. Die Avant­gar­dis­ten erkun­den als küh­ne Kaval­le­rie neu­es Gelän­de, ob die Kunst­welt es nicht für ertrag­reich, nütz­lich, bewirt­schaf­tens­wert hal­ten könn­te. Dicht auf den Fer­sen fol­gen der Kaval­le­rie der Krea­ti­ven die Boden­trup­pen der Kul­tur­in­dus­trie, die ihre Claims abste­cken und nun lau­ter Din­ge ver­kau­fen, die vor den avant­gar­dis­ti­schen Fähr­ten­gän­gern für unnütz, häss­lich, pein­lich gehal­ten wur­den. Es waren die Wie­ner Aktio­nis­ten, die den Ekel, die Schlacht um die Exkre­men­te zur Kunst­form adel­ten und so den Ekel­shows, dem Dschun­gel-TV, den Weg berei­te­ten. Man hat es ihnen peku­ni­är nicht wirk­lich gedankt, aber in Form von Staats­prei­sen, die sie sich in der Mie­ne von Gede­mü­tig­ten umhän­gen lie­ßen. Auf die öster­rei­chi­sche Fah­ne haben sie sei­ner­zeit so fröh­lich geschis­sen, wie sie heu­te betre­ten das Ehren­kreuz für Kunst und Wis­sen­schaf­ten tra­gen.

Die wei­ßen Juden. Gemäß dem alten Nazi­be­griff gal­ten Hei­sen­berg und Tho­mas Mann als Juden, weil sie, wie­wohl „Ari­er“, geis­tig „ver­ju­det“ waren. Die anti­ko­lo­nia­le Bewe­gung von heu­te hat das Nazi­wort auf­ge­grif­fen und die Juden zu Ange­hö­ri­gen der wei­ßen, also der ras­sis­ti­schen Ras­se erklärt. Der Holo­caust, ist neu­er­dings zu lesen, wer­de gegen­über dem Kolo­nia­lis­mus über­schätzt, und zwar aus dem ras­sis­ti­schen Grund, dass ihm mit den Juden Wei­ße, also Ange­hö­ri­ge der Her­ren­ras­se zum Opfer gefal­len sei­en. Die­se The­sen sind in den USA und Groß­bri­tan­ni­en kei­ne Äuße­run­gen skur­ri­ler Außen­sei­ter, son­dern gera­de dabei, links­li­be­ra­ler aka­de­mi­scher Main­stream zu wer­den.

Dass es ari­sche Juden gebe, davon war auch Hei­mi­to von Dode­rer über­zeugt. Den Juden war es, sei­nem gedank­li­chen Rin­gen in den spä­ten drei­ßi­ger Jah­ren zufol­ge, nicht mög­lich, gebüh­rend ergrif­fen zu sein, wenn die Nati­on vor wahr­haft Gro­ßem ste­he und ihrer als „Schick­sals­ge­mein­schaft“ inne­wer­de: „Wer den pro­fun­den Stoß“ der Erwe­ckung und Ergrif­fen­heit nicht ver­spü­re, ist „sei­ner Schick­sals­ge­mein­schaft gegen­über – Jude. Oder er wäre zumin­dest zum Juden zu ernen­nen, auch wenn er kei­nen Trop­fen semi­ti­schen Blu­tes hät­te“. So kann man es auch sehen: Wer von der Erwe­ckung der Deut­schen durch Adolf Hit­ler nicht ergrif­fen wird, der muss ein Jude sein.

Wor­an erken­nen Putin und die Sei­nen, wel­che Ukrai­ner dem Nazis­mus ver­fal­len sind? Der His­to­ri­ker Timo­thy Sny­der hat die Reden und his­to­ri­schen Auf­sät­ze Putins ana­ly­siert: Natio­nal­so­zia­list ist jeder Ukrai­ner, der sich wei­gert zuzu­ge­ben, dass er in Wahr­heit Rus­se ist. Da mag Erdo­gan in der Umwer­tung der Begrif­fe nicht zurück­ste­hen. Wer sind Ter­ro­ris­ten? Jene, gegen die das tür­ki­sche Mili­tär mit Ter­ror­an­grif­fen vor­geht. Also die Kur­den in Syri­en, deren Mili­zen Aber­tau­sen­de Jesi­den und Chris­ten vor der Ver­nich­tung durch den IS geret­tet haben.

Die Erfah­rung des Jahr­hun­derts: „Got­tes Gleich­gül­tig­keit“. Die Leh­re, die dar­aus zu zie­hen ist: Die Welt men­schen­ge­mäß zu gestal­ten. Wie das gehen soll? Indem die „von allen Dog­men eman­zi­pier­te Ehr­furcht vor dem Leben“ gelehrt und gelernt wer­de. Eine Schu­le der Ehr­furcht könn­te, müss­te gera­de die Kunst sein. Davon ist Joseph Hahn nie abge­kom­men, egal, wie oft er erfuhr, dass er eines Ande­ren belehrt wer­den soll­te. 1917 als Sohn deutsch­spra­chi­ger Juden gebo­ren, war er defi­ni­tiv einer der letz­ten Reprä­sen­tan­ten der deut­schen Kul­tur Böh­mens und Mäh­rens. Ästhe­tik und Moral sind eins, davon war er über­zeugt und ist es geblie­ben.
Er besuch­te die Pra­ger Kunst­aka­de­mie, flüch­te­te 1938 nach Eng­land, spä­ter in die USA. Sei­ne drei Gedicht­bän­de sind nicht so sehr dem Holo­caust, auch nicht der ato­ma­ren Bedro­hung gewid­met, mit denen sie sich aus­ein­an­der­set­zen, als der boh­ren­den Fra­ge, wie sich das Men­schen­ge­schlecht trotz alle­dem aus der Bar­ba­rei her­aus­ar­bei­ten kön­ne. Sei­ne Gedich­te wie sei­ne von bedeu­ten­den Muse­en erwor­be­nen Zeich­nun­gen sind düs­ter, aber Joseph Hahn appel­liert gleich­wohl dafür, nicht zu ver­zwei­feln: „Wir kamen fortzuwaschen/den Schweiß der Ver­knech­tung“. Erschie­nen ist das schma­le Buch vor Jah­ren im Ver­lag Edi­ti­on Memo­ria, der nichts ande­res ist als das Lebens­werk eines merk­wür­dig welt­frem­den und men­schen­zu­ge­wand­ten Man­nes, Tho­mas B. Schu­mann, der als Gym­na­si­ast auf die deut­sche Lite­ra­tur des Exils kam und ihr seit­her sein wach­sen­des Archiv, sei­nen Ver­lag, sein For­schen, Sam­meln und Edie­ren, sein Leben gewid­met hat.

Der Pro­test­wäh­ler. Wer Par­tei­en wählt, die ver­lan­gen, dass aus dem Aus­land kom­men­de Arbei­ter zwar die glei­chen Sozi­al­ab­ga­ben und Steu­ern wie ein­hei­mi­sche Arbeit­neh­mer ent­rich­ten, aber damit kei­ne Rech­te und Ansprü­che erwer­ben sol­len, der will damit natür­lich gegen die sozia­le Unge­rech­tig­keit pro­tes­tie­ren. Das ist doch klar. Man muss nur end­lich rich­tig ver­ste­hen, was das heißt: pro­tes­tie­ren.
Ein Pro­test­wäh­ler sieht das Unrecht in der Welt und ärgert sich. Er hört, dass die Immobilien‑, Ver­si­che­rungs- und Ban­ken­kon­zer­ne, die vor ein paar Jah­ren Mil­li­ar­den ver­spielt haben, schon wie­der mit Spie­len und Spe­ku­lie­ren beschäf­tigt sind, und macht sich Sor­gen. Und er hat auch Grund, sich zu ärgern und Sor­gen zu machen. Doch weil er gegen die Kon­zer­ne nicht ankann, schlägt er ersatz­wei­se auf Leu­te, die noch klei­ner sind als er. Und weil er kei­ne trans­na­tio­na­len Pro­fi­teu­re kennt, hält er sich eben an den Aus­län­der, den Arbeits­lo­sen, den Armen von neben­an. Gewohn­heits­mä­ßig vor den Mäch­ti­gen zu kuschen und auf Hilfs­be­dürf­ti­ge ein­zu­dre­schen, das ist das Metier des Pro­test­wäh­lers, der dafür sorgt, dass alles bleibt, wie es ist, und er Grund hat, sich zu ärgern, sich Sor­gen zu machen und auf Schwä­che­re ein­zu­schla­gen. Merk­wür­dig, wie vie­le Aus­re­den gesucht wer­den, den Pro­test­wäh­ler zu wür­di­gen, zu ver­ste­hen, zu recht­fer­ti­gen. Dabei sind nicht die Par­tei­en zu fürch­ten, die er wählt, son­dern er selbst, der sie wählt und dem, was jene ideo­lo­gisch und pro­pa­gan­dis­tisch ver­fech­ten, ver­häng­nis­voll zu gesell­schaft­li­cher Wirk­sam­keit ver­hilft.

Seit lan­gem hal­te ich in täg­li­chen Noti­zen fest, was mir durch den Kopf geht, gleich ob es sich um mei­ne eige­nen poli­ti­schen Res­sen­ti­ments, Beob­ach­tun­gen auf der Stra­ße, Gedan­ken beim Lesen von Zei­tun­gen oder Büchern, beim Fern­se­hen oder Spa­zie­ren, um ästhe­ti­sche Ein­sich­ten, Gedan­ken­blit­ze, apho­ris­ti­sche Wen­dun­gen, Ideen für lite­ra­ri­sche Pro­jek­te und noch vie­les mehr han­delt. Fast alle mei­ne Bücher haben in die­sen Noti­zen ihre Keim­zel­le. Für mich selbst nen­ne ich die­se Auf­zeich­nun­gen „Das Zet­tel­werk“.

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Karl-Mar­kus Gauß, 1954 in Salz­burg gebo­ren, wo er heu­te als frei­er Schrift­stel­ler lebt. Er hat u.a. eine Serie von Rei­se­bü­chern, die zwi­schen Repor­ta­ge, Erzäh­lung und kul­tur­ge­schicht­li­chem Essay chan­gie­ren, sechs Bän­de mit Jour­na­len, in denen er eine Viel­zahl von Gen­res erprobt, um sei­ne sub­jek­ti­ve Chro­nik der Gegen­wart zu ver­fas­sen, sowie auto­bio­gra­phi­sche Ver­su­che und Essay­bän­de ver­öf­fent­licht. Er wur­de zuletzt mit dem Öster­rei­chi­schen Kunst­preis für Lite­ra­tur (2013), dem Jean-Ame­ry-Preis für euro­päi­sche Essay­is­tik (2019) und dem Leip­zi­ger Buch­preis für Euro­päi­sche Ver­stän­di­gung (2022) aus­ge­zeich­net. Ende 2022 wird er die Her­aus­ge­ber­schaft der Zeit­schrift „Lite­ra­tur und Kri­tik“ nach 32 Jah­ren zurück­le­gen.

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„Hier und Heu­te – 100 Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur” ist ein Gemein­schafts­pro­jekt von Ger­hard Ruiss, VOLLTEXT und den bei­tra­gen­den Autorin­nen und Autoren. Die Tex­te der Serie erschei­nen wöchent­lich, jeweils am Frei­tag, und kön­nen auch als News­let­ter abon­niert wer­den. „Hier und Heu­te – Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur” wur­de auf Initia­ti­ve von Claus Phil­ipp durch Spen­den für den Lese­ma­ra­thon Die Pest sowie eine För­de­rung der Stadt Wien als Bei­trag zur Bewäl­ti­gung der Coro­na-Kri­se ermög­licht. Die ursprüng­lich für ein Jahr geplan­te Serie wird nun zur Hin­füh­rung auf den Öster­reich-Schwer­punkt der Leip­zi­ger Buch­mes­se bis März 2023 fort­ge­setzt.

Online seit: 1. Juli 2022

Zuletzt geän­dert: 1. Juli 2022