Die Enden der Simulation

Zum Roman im Zeit­al­ter des Digi­ta­len. Von Phil­ipp Schön­tha­ler

Im Som­mer 2020 sorg­te eine Soft­ware mit dem unschein­ba­ren Namen GPT‑3 inter­na­tio­nal für Schlag­zei­len. Der Wirt­schafts­me­di­en­dienst Bloom­berg spe­ku­lier­te sogar, dass man das Jahr weni­ger wegen der Pan­de­mie oder Prä­si­dent­schafts­wahl in den USA, son­dern dem „Gene­ra­ti­ve Pre­trai­ned Trans­for­mer“ erin­nern könn­te, zu die­sem Zeit­punkt eines der mäch­tigs­ten Pro­gram­me zur Ver­ar­bei­tung natür­li­cher Spra­chen.1 „GPT‑3 kann abso­lut ori­gi­nel­le, kohä­ren­te und manch­mal sogar sach­li­che Pro­sa erzeu­gen“, staun­te die New York Times.2 Die Soft­ware gehört zu einer Klas­se von Deep Lear­ning-Model­len, die auf kei­nen spe­zi­fi­schen Bereich der Zei­chen­ver­ar­bei­tung ein­ge­schränkt ist. Auf ein „Prompt“ hin, die Ein­ga­be weni­ger Wör­ter, gene­riert sie selbst­tä­tig Text: „Und nicht nur Pro­sa – sie kann Gedich­te, Dia­lo­ge, Memes, Com­pu­ter­code und wer weiß, was sonst noch alles schrei­ben.“ Was sonst noch? – Die SZ half aus: „Kurz­ge­schich­ten, Song­tex­te, Betriebs­an­lei­tun­gen, Bilanz­ana­ly­sen, juris­tisch kor­rek­te Abhand­lun­gen oder eine Har­ry-Pot­ter-Fort­set­zung im Stil von Ray­mond Chand­ler.“3

Obwohl Tex­te heu­te in der Regel am Com­pu­ter ver­fasst wer­den, konn­te die Lite­ra­tur bis­her weit­ge­hend unbe­hel­ligt von den pro­phe­zei­ten und tat­säch­li­chen Errun­gen­schaf­ten der digi­ta­len Rech­ner­tech­no­lo­gie leben. Anders als in der Musik oder Kunst tun sich die Pro­gram­me mit der natür­li­chen Spra­che nach wie vor schwer, deren seman­ti­sche Dimen­si­on sie über syn­tak­ti­sche und sta­tis­ti­sche Rela­tio­nen erschlie­ßen müs­sen. Zudem waren die Auf­ga­ben gut ver­teilt: Wäh­rend eine Spiel­art der expe­ri­men­tel­len Lite­ra­tur sich ab den 1960ern offen­siv in den Dienst der Pro­gram­mie­rung stell­te, konn­te der Main­stream fort­fah­ren wie zuvor. Von der Arbeits­tei­lung pro­fi­tier­ten bei­de Sei­ten. Sofern die kon­ven­tio­nel­le Lite­ra­tur­pro­duk­ti­on über­haupt von der com­pu­ter­ge­nerier­ten Lite­ra­tur Notiz nahm, durf­te sie sich auf­grund ein­fa­cher oder inko­hä­ren­ter Tex­te dar­in bestä­tigt sehen, dass die Trans­for­ma­ti­on der natür­li­chen Spra­che in digi­ta­len Code sie gar nicht erst küm­mern muss­te. Die digi­ta­le Lite­ra­tur konn­te sich dage­gen in Abgren­zung zum Main­stream pro­fi­lie­ren, und selbst­ge­nüg­sam ein avant­gar­dis­ti­sches Erbe für sich bean­spru­chen, ohne sich all­zu ernst­haft dar­über Rechen­schaft abzu­le­gen, dass die Avant­gar­den nach 70 Jah­ren (inzwi­schen sind es über 100) auch dem Wort­sinn nach klas­sisch und ihre ästhe­ti­schen Ver­fah­ren zu Kon­ven­tio­nen wie alle ande­ren gewor­den waren. Ein nähe­rer Blick hät­te zudem gezeigt, dass sich die avant­gar­dis­ti­schen Ver­fah­ren gar nicht ohne wei­te­res mit com­pu­ter­ge­nerier­ten ver­tra­gen. Die schärfs­te Kri­tik an der frü­hen Com­pu­ter­li­te­ra­tur kam aus dem Feld der Neo­avant­gar­den, nicht vom Main­stream.

Auf dem Feld des Natu­ral Lan­guage Pro­ces­sing (NPL) war GPT‑3, das längst durch mäch­ti­ge­re Pro­gram­me über­flü­gelt wor­den ist, nur eine jün­ge­re Mel­dung in einer Rei­he wun­der­sa­mer Ver­hei­ßun­gen über die Leis­tungs­fä­hig­keit neu­er maschi­nel­ler Lern­al­go­rith­men, die neben vie­lem ande­ren auch die Text­pro­duk­ti­on revo­lu­tio­nie­ren sol­len. Ange­sichts der All­ge­gen­wart des The­mas ver­wun­dert es kaum, dass in den letz­ten Jah­ren ver­mehrt Autorin­nen und Autoren nicht nur fik­tio­nal in Roma­nen, son­dern theo­re­tisch in Bezug auf das eige­ne Hand­werk des Schrei­bens nach der Bedeu­tung der KI fra­gen, in Deutsch­land etwa Ulla Hahn, Ernst-Wil­helm Händ­ler oder Dani­el Kehl­mann.4 Die Nach­richt, dass ein com­pu­ter­ge­nerier­tes Gedicht in die Antho­lo­gie des Lyrik­wett­be­werbs der Bren­ta­no-Gesell­schaft auf­ge­nom­men wur­de, lässt Hahn rät­seln, ob Com­pu­ter ihre Pro­fes­si­on über­flüs­sig machen wer­den. Offen­sicht­lich sind die digi­ta­len Tech­no­lo­gien im lite­ra­ri­schen Main­stream ange­kom­men. Die Fol­gen sind aber von all­ge­mei­ner Trag­wei­te. „Es gibt kaum einen Aspekt von mensch­lich aus­ge­führ­ter Wis­sens­ar­beit, der nicht von GPT‑3 infra­ge gestellt wird“, mein­te Micha­el Moor­stedt in der SZ, die Ehr­furcht schwang noch in jeder Zei­le mit, iro­nie­frei sprach er von einer „Schöp­fung“ und „Magie“ – was aber eben auch jene Qua­li­tä­ten sind, die die eige­ne Tätig­keit des Schrei­bens erschüt­tern: „Wer nur ein biss­chen Zeit mit dem Pro­gramm ver­bringt, sieht sei­ne Zukunfts­aus­sich­ten brö­ckeln.“

Wo die Zukunft ihre Federn lässt, kann es hel­fen, einen Schritt zurück­zu­tre­ten. Ange­sichts der com­pu­ter­ge­nerier­ten Lite­ra­tur sug­ge­riert die Distanz nicht nur eine bes­se­re Über­sicht, auch aus der Nah­sicht stell­te sich die Lage für einen Zeit­ge­nos­sen wie Mar­tin Heid­eg­ger noch ein­deu­tig dar. 1962 kam er bün­dig zu dem Schluss: „Dar­um lässt sich ein Gedicht grund­sätz­lich nicht pro­gram­mie­ren.“5

Die Anfän­ge der Com­pu­ter­li­te­ra­tur
Drei Jah­re zuvor, im Herbst 1959, war in Stutt­gart – von Frei­burg, wo Heid­eg­ger nach sei­ner Eme­ri­tie­rung und Reha­bi­li­tie­rung als NSDAP-Mit­glied ab 1950 wie­der unter­rich­ten durf­te, kei­ne 150 Kilo­me­ter ent­fernt – der ers­te, an einer Rechen­an­la­ge gene­rier­te Text­aus­schnitt in deut­scher Spra­che erschie­nen. Sein Autor, der Elek­tro­in­ge­nieur und Infor­ma­ti­ker Theo Lutz, der nach dem Erhalt sei­nes Diploms im sel­ben Jahr einen Job bei der Stan­dard Elek­trik Lorenz AG in Stutt­gart-Zuffen­hau­sen antrat, hat­te Semi­na­re bei Max Ben­se besucht. Ben­se hielt seit 1953 eine Pro­fes­sur für Wis­sens­theo­rie und Phi­lo­so­phie in der schwä­bi­schen Metro­po­le inne und ver­sam­mel­te als „gro­ßer Mitt­ler“ (Ilse und Pierre Gar­nier) Neu­gie­ri­ge und Pro­fes­sio­nel­le aus Mathe­ma­tik und Elek­tro­tech­nik einer­seits, Lite­ra­tur und Kunst ande­rer­seits. Obwohl Ben­se zeit sei­nes Lebens nie lern­te, einen Com­pu­ter zu bedie­nen, hat er mit sei­ner ratio­na­len und nume­ri­schen Ästhe­tik, die er seit Mit­te der Fünf­zi­ger ent­wi­ckel­te und spä­ter auf den Begriff der Infor­ma­ti­ons­äs­the­tik brach­te, der Com­pu­ter­li­te­ra­tur den Boden berei­tet und ihr ein unver­zicht­ba­res theo­re­ti­sches Gerüst ver­lie­hen.

Als Lutz mit sei­ner Idee, einen „Text wie ein Künst­ler“ am Com­pu­ter zu erzeu­gen, an Ben­se her­an­trat, emp­fahl ihm die­ser, „erst ein­mal ein Voka­bu­lar anzu­le­gen, und das Voka­bu­lar nimmt man nicht aus der Tages­zei­tung, son­dern aus der Lite­ra­tur. Her­hal­ten muss­te Das Schloss von Kaf­ka.“6 Bedeut­sa­mer ist aber, dass Ben­se Lutz’ „Sto­chas­ti­sche Tex­te“7 in die von ihm gegrün­de­te und gemein­sam mit Eli­sa­beth Walt­her redi­gier­te Zeit­schrift augen­blick. zeit­schrift für ten­denz und expe­ri­ment auf­nahm, wo die gene­rier­ten Zei­len neben eta­blier­ten Grö­ßen des Lite­ra­tur­be­triebs erschie­nen, in der Herbst­aus­ga­be ’59 waren dar­un­ter Hel­mut Hei­ßen­büt­tel, Natha­lie Sar­rau­te, Jean Genet und Ben­se selbst. Dass die Zei­len kei­nen kohä­ren­ten Sinn erge­ben, irri­tier­te nicht, son­dern qua­li­fi­zier­te sie für die expe­ri­men­tel­le Zeit­schrift.

Heid­eg­ger hat­te den Text höchst­wahr­schein­lich nicht wahr­ge­nom­men. Aber was heißt das? War er schlicht nicht up to date und sein Urteil schon empi­risch falsch?

Heid­eg­ger hat­te den Text höchst­wahr­schein­lich nicht wahr­ge­nom­men. Aber was heißt das? War er schlicht nicht up to date und sein Urteil schon empi­risch falsch? Oder gibt es ande­re Grün­de, dass Heid­eg­ger, der heu­te von vie­len als der ers­te Phi­lo­soph betrach­tet wird, der die Tech­nik als onto­lo­gi­sche Fra­ge­stel­lung ins Zen­trum der Dis­zi­plin rück­te, sich so sicher war, dass Dich­tung und Pro­gram­mie­rung unver­träg­lich sind?

Im Fol­gen­den insze­nie­re ich eine Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen Ben­se und Heid­eg­ger, deren Poin­te dar­in liegt, dass der Kon­flikt noch immer viru­lent ist. In aktu­el­len Debat­ten – dies zeigt GPT‑3 – keh­ren sprach- und zei­chen­theo­re­ti­sche Pro­ble­me wie­der, die schon die bei­den Phi­lo­so­phen umtrei­ben. Eine iro­ni­sche Vol­te des Erfolgs gegen­wär­ti­ger Sprach­ver­ar­bei­tungs­pro­gram­me liegt aus die­ser Per­spek­ti­ve dar­in, dass sie die Bedeu­tung der Lite­ra­tur eher unter­strei­chen, statt zu schmä­lern. Ori­en­tiert man sich am Stand der Tech­no­lo­gie, rückt der Roman als Gat­tung der Stun­de in den Blick, in der sich ele­men­ta­re Fra­ge­stel­lun­gen der algo­rith­mi­schen Wis­sens­pro­duk­ti­on und Pro­ble­me der Pro­gram­mie­rung ver­dich­ten.

Die Trans­for­ma­ti­on der Schrift
Der Titel von Heid­eg­gers Vor­trag „Die über­lie­fer­te Spra­che und die tech­ni­sche Spra­che“ deu­tet schon an, dass sein Urteil sprach­theo­re­tisch begrün­det ist. Die Über­set­zung der natür­li­chen Spra­che in digi­ta­len Code per­spek­ti­viert Heid­eg­ger aus­ge­hend vom „Bau und d[er] Leis­tung der Groß­re­chen­an­la­gen“, die die Schrift als „bloß zei­chen­ge­ben­de Mel­dung“ ver­ar­bei­ten. Die For­mu­lie­rung ruft die Semio­tik auf, wie sie Charles San­ders Peirce oder Charles W. Mor­ris in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts als Kon­kur­renz­pro­jekt zur Her­me­neu­tik mit­be­grün­de­ten. In der Her­me­neu­tik blie­ben die Zei­chen auf Sub­jek­te bezo­gen und muss­ten von die­sen gedeu­tet wer­den. Die Semio­tik erwei­ter­te und dif­fe­ren­zier­te den Zei­chen­be­griff und mach­te Zei­chen­pro­zes­se denk­bar, die unab­hän­gig von mensch­li­chen Zuschrei­bun­gen qua­si aus sich selbst her­aus wirk­sam wer­den.

Infor­ma­ti­ons­theo­rie und Kyber­ne­tik konn­ten dar­auf auf­bau­en. Die Ent­se­man­ti­sie­rung und Ent­gren­zung der Zei­chen war eine Vor­aus­set­zung dafür, dass auch sprach­li­che Zei­chen der mathe­ma­ti­schen Bere­chen­bar­keit zuge­führt wer­den konn­ten. Clau­de E. Shan­non erklär­te die seman­ti­schen Aspek­te der Spra­che gleich auf der ers­ten Sei­te sei­ner gemein­sam mit War­ren Wea­ver ver­öf­fent­lich­ten Theo­rie der mathe­ma­ti­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on (1949) für irrele­vant. Wäh­rend Shan­non sich mit der Beschrän­kung auf syn­tak­ti­sche Rela­tio­nen auf die Kom­mu­ni­ka­ti­on als tech­ni­schen Akt einer effi­zi­en­ten Über­tra­gung kon­zen­trier­te, ver­such­ten ande­re die Infor­ma­ti­ons­theo­rie im Rah­men der Kyber­ne­tik auf die seman­ti­sche und prag­ma­ti­sche Dimen­si­on der Spra­che zu erwei­tern. Die Infor­ma­ti­ons­theo­rie trug wesent­lich dazu bei, dass der Begriff der Kom­mu­ni­ka­ti­on auch über den Bereich der Spra­che hin­aus zu einem abso­lu­ten Begriff wur­de, der unter­schieds­los auf natür­li­che, tech­ni­sche und sozia­le Mecha­nis­men, Orga­nis­men oder Sys­te­me ange­wen­det wur­de. Der Auf­stieg des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­griffs dürf­te fer­ner dazu bei­getra­gen haben, dass der Fach­ter­mi­nus der „natür­li­chen Spra­che“ in Reak­ti­on auf die Ent­wick­lung von Pro­gram­mier­spra­chen gebräuch­lich wur­de, um gespro­che­ne Spra­chen von for­mal­sprach­li­chen Nota­tio­nen und Code zu unter­schei­den; zumin­dest ist nicht evi­dent, dass Pro­gram­mier­spra­chen, denen die seman­ti­sche und prag­ma­ti­sche Ebe­ne natür­li­cher Spra­chen fehlt, gleich­falls als Spra­che bezeich­net wer­den sol­len.

Das Modell einer Kom­mu­ni­ka­ti­on als bloß zei­chen­ge­ben­der Mel­dung tauch­te fer­ner in Alan Turings Ent­wurf einer Uni­ver­sal­ma­schi­ne auf, die alle Ope­ra­tio­nen als Instruk­tio­nen ver­ar­bei­tet, die sich in eine end­li­che Abfol­ge ein­zel­ner, binär struk­tu­rier­ter Schrit­te zer­le­gen las­sen. In sei­nem berühm­ten Simu­la­ti­ons­spiel brach­te Turing Mensch und Maschi­ne in ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hält­nis, das die Dif­fe­renz zwi­schen bei­den til­gen soll­te. Turing traf spe­zi­fi­sche Vor­keh­run­gen, die das Gelin­gen des Simu­la­ti­ons­spiels garan­tie­ren soll­ten. Sei­ne fik­ti­ve Maschi­ne ope­riert im Unend­li­chen, sie ist also imma­te­ri­ell, was sei­ne Ent­spre­chung in einem kör­per­lo­sen Sub­jekt hat. Außer­dem unter­wirft Turing die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­si­tua­ti­on der Logik der Maschi­ne, sodass sich der Mensch nach ihrer Funk­ti­ons­wei­se rich­ten muss. Mit der Zurück­füh­rung der Spra­che auf logi­sche, inter­pre­ta­ti­ons­freie Zei­chen­ope­ra­tio­nen ist der Reduk­tio­nis­mus der Turing­ma­schi­ne absichts­voll ein­ge­schrie­ben.

Heid­eg­gers „tech­ni­sche Spra­che“ refe­rier­te auf maschi­nen­ba­sier­te und digi­ta­le For­ma­li­sie­rungs­ver­su­che der Kom­mu­ni­ka­ti­on, wie sie Shan­non oder Turing vor­nah­men. Aller­dings betont er, dass die natür­li­che Spra­che die For­mal­spra­chen umfas­se, nicht aber umge­kehrt. „Indes­sen stößt auch die Infor­ma­ti­ons­theo­rie der Spra­che not­wen­dig an eine Gren­ze.“ Heid­eg­ger zitiert Carl Fried­rich von Weiz­äcker: „jeder Ver­such, einen Teil der Spra­che (durch For­ma­li­sie­rung in ein Zei­chen­sys­tem) ein­deu­tig zu machen“, set­ze den Gebrauch der natür­li­chen Spra­che vor­aus. Des­halb blei­be die über­lie­fer­te Spra­che „gleich­sam im Rücken aller tech­ni­schen Umfor­mung des Sprach­we­sens“ erhal­ten.

Die Unver­ein­bar­keit zwi­schen der Pro­gram­mie­rung und Dich­tung lei­te­te Heid­eg­ger dar­aus ab, dass den Pro­gram­mier­spra­chen kate­go­ria­le Gren­zen gesetzt sind, die inner­halb der natür­li­chen Spra­che lie­gen. Zur Dich­tung gehö­re es hin­ge­gen, dass sie die Spra­che an ihre Gren­zen füh­re und an ein Unaus­sprech­li­ches oder Unsag­ba­res rüh­re. Heid­eg­gers Urteil ist kein tech­ni­sches, in dem es um Mach­bar­keits­fra­gen gin­ge, ob sich Wor­te am Com­pu­ter mani­pu­lie­ren las­sen. Unab­hän­gig davon war es trotz Fik­tio­nen wie der von Turings Uni­ver­sal­ma­schi­ne Anfang der 60er noch kei­nes­wegs klar, was es hieß, dass Rechen­ma­schi­nen auch Text ver­ar­bei­ten kön­nen. Selbst für Lutz hat­te es Ende der 50er noch Neu­ig­keits­wert, „dass sich die Ver­wen­dung pro­gramm­ge­steu­er­ter elek­tro­ni­scher Rechen­an­la­gen tat­säch­lich nicht nur auf Pro­ble­me beschränkt, die an den Begriff der Zahl gebun­den sind“.8

Die Autorin als Pro­gram­mie­re­rin
Man gin­ge aller­dings fehl, wenn man meint, dass sich die Posi­tio­nen in Frei­burg und Stutt­gart vor die­sem Hin­ter­grund ver­mit­teln lie­ßen – etwa in dem Sinn, dass Heid­eg­ger mit der Dich­tung Höl­der­lin oder Ril­ke im Kopf hat­te. Ben­se ging dage­gen im Anschluss an den deut­schen Phy­si­ker Wil­helm Fucks von einer moder­nen Text­theo­rie aus, und ver­stand alle Schrift­er­zeug­nis­se, Wer­bung oder Poe­sie, als „geglie­der­te Men­ge von Elemente[n], also von Wör­tern“: „Die­se Defi­ni­ti­on sieht natür­lich von Wör­tern als Bedeu­tungs­trä­gern völ­lig ab und fasst sie nur als schreib­ba­re oder sprech­ba­re lin­gu­is­ti­sche Gebil­de, sozu­sa­gen als pures sprach­li­ches Mate­ri­al auf.“9 Nur so wer­de sie für „die Anwen­dung mathe­ma­ti­scher Ver­fah­rens­wei­sen“ zugäng­lich. Ana­log zu Shan­non kon­zen­trier­te sich Ben­se oppor­tu­nis­tisch auf syn­tak­ti­sche und sto­chas­ti­sche Rela­tio­nen.

Ben­se führ­te dar­auf auf­bau­end die für ihn zen­tra­le Unter­schei­dung zwi­schen einer natür­li­chen und künst­li­chen Poe­sie ein. Wäh­rend ers­te­re von einem Sub­jekt und der Welt­hal­tig­keit (Refe­ren­zia­li­tät) der Wor­te aus­ging und sich mit Heid­eg­gers Ver­ständ­nis der Dich­tung in Ein­klang brin­gen lie­ße, grün­de­te letz­te­re auf der Pro­gram­mier­bar­keit von Tex­ten. Ben­se begriff das Com­pu­ter­pro­gramm als abs­trak­tes Prin­zip, führ­te es aber den­noch als eigen­stän­di­gen Akt in den Pro­zess der Tex­terzeu­gung ein. „Im Gan­zen, so lässt sich viel­leicht for­mu­lie­ren, unter­schei­det sich die künst­li­che von der natür­li­chen Pro­duk­ti­ons­ka­te­go­rie durch die Ein­füh­rung eines Ver­mitt­lungs­sche­mas zwi­schen Schöp­fer und Werk, bestehend aus Pro­gramm und Pro­gram­mier­spra­che, womit eine unge­wohn­te Arbeits­tei­lung im ästhe­ti­schen Pro­zess ver­knüpft ist.“10 Mög­li­cher­wei­se lie­ßen sich die Posi­tio­nen zwi­schen Heid­eg­ger und Ben­se noch schlich­ten, indem man sie zwei unter­schied­li­chen Zustän­dig­keits­be­rei­chen zuschlägt.

Aller­dings waren Ben­ses Kate­go­rien mit einer star­ken Wer­tung ver­se­hen: Die natür­li­che Poe­sie gehö­re der Ver­gan­gen­heit an, mit der künst­li­chen for­mu­lier­te er eine pro­gres­si­ve Posi­ti­on. Im gemein­sam mit Rein­hard Döhl ver­fass­ten Mani­fest „Zur Lage“, das 1965 in der Zeit­schrift manu­skrip­te erschien, wird der tech­ni­sche Aspekt der Pro­gram­mie­rung nor­ma­tiv gesetzt: „Zur Rea­li­sa­ti­on ästhe­ti­scher Gebil­de bedarf es des Autors und des Dru­ckers und des Malers und des Musi­kers und des Über­set­zers und des Tech­ni­kers und Pro­gram­mie­rers.“11 Drei Jah­re spä­ter spitz­te der fran­zö­si­sche Inge­nieur und Phi­lo­soph Abra­ham Moles, der die Infor­ma­ti­ons­äs­the­tik par­al­lel in Frank­reich ent­wi­ckel­te, die Neu­be­stim­mung zu: „Der Künst­ler wird nicht ersetzt, son­dern ver­setzt. Dem­nach müss­te er zum ‚Pro­gram­mie­rer‘ wer­den.“12 Spä­tes­tens hier, mit der Autorin als Pro­gram­mie­re­rin, hät­te Heid­eg­ger wohl Vor­be­hal­te ange­mel­det.

Ben­se presch­te noch wei­ter vor und erklär­te das infor­ma­ti­ons­theo­re­ti­sche Modell der Schrift zur Norm des Schrei­bens schlecht­hin. Ben­se voll­zog damit jenen Schritt, den die Kyber­ne­tik schon in den Vier­zi­gern vor­be­rei­tet hat­te. Die infor­ma­ti­ons­theo­re­ti­sche Model­lie­rung der Spra­che hat­te von Anfang an eine Ent­spre­chung in der Refor­mu­lie­rung des mensch­li­chen Sub­jekts. 1943 stell­ten War­ren McCul­loch und Wal­ter Pitts logi­sche Nota­tio­nen vor, mit der sie die neu­ro­na­len Akti­vi­tä­ten des Gehirns in ein­fa­che, mathe­ma­tisch dar­stell­ba­re Aus­sa­ge­funk­ti­on ver­wan­del­ten. Neben Shan­nons Infor­ma­ti­ons­theo­rie, Wie­ners beha­vio­ris­ti­scher Model­lie­rung von Mensch, Tier und Maschi­ne, gilt die Rück­füh­rung neu­ro­na­ler Akti­vi­tä­ten auf eine alge­bra­ische Schalt­lo­gik zu den drei Bau­stei­nen der Kyber­ne­tik. „Alles, was wir über Orga­nis­men ler­nen, führt uns nicht nur zu dem Schluss, dass sie ana­log sind zu Maschi­nen, son­dern zu dem, dass sie Maschi­nen sind“, so fass­te McCul­loch die binä­re Schalt­lo­gik des Den­kens 1955 zusam­men: „Vom Men­schen gemach­te Maschi­nen sind kei­ne Gehir­ne, aber Gehir­ne sind eine bis­her kaum ver­stan­de­ne Art der Rechen­ma­schi­ne.“13 In der Gegen­über­stel­lung der über­lie­fer­ten zur tech­ni­schen Spra­che ging es von Anfang an nicht nur um die Schrift, son­dern im Zuge der Kyber­ne­tik als „lar­ger theo­ry of mes­sa­ges“ (Nor­bert Wie­ner) wur­den auch der Mensch und der Begriff des Den­kens umge­deu­tet.

Maschi­nen­ana­lo­ges Schrei­ben
Ben­se unter­zog sei­ne Infor­ma­ti­ons­äs­the­tik meh­re­ren Revi­sio­nen, in den spä­ten 60ern über­setz­te er die infor­ma­ti­ons­theo­re­ti­schen und kyber­ne­ti­schen Prä­mis­sen in die Poe­tik eines „maschi­nen­ana­lo­gen Schrei­bens“. „Das intui­ti­ve intel­lek­tu­el­le Tun kann leicht als auto­ma­ti­sches intel­lek­tu­el­les Tun gedeu­tet“ wer­den „und als sto­chas­ti­sches maschi­nell simu­liert wer­den.“14 Wäh­rend er mit der künst­li­chen Poe­sie noch von einer Arbeits­tei­lung aus­ging, die die Tex­terzeu­gung an den Com­pu­ter dele­gier­te, träum­te er nun von einer Kon­ver­genz: „Das Team ›Mensch-Maschi­ne‹ ist zu einem wech­sel­sei­ti­gen gewor­den, in dem die Maschi­ne (wie­der­um: min­des­tens im Prin­zip) nicht nur das Bewusst­sein des Men­schen simu­liert, son­dern der Mensch unter Umstän­den den Auto­ma­tis­mus der Maschi­ne nach­ahmt. Eine noch tie­fe­re Part­ner­schaft lässt sich kaum den­ken.“

Ben­se ent­warf das maschi­nen­ana­lo­ge Schrei­ben als Simu­la­ti­ons­spiel, das aller­dings nur bedingt etwas mit dem Turings gemein hat­te. Turings Fra­ge nach der Unun­ter­scheid­bar­keit von Mensch und Maschi­ne über­setz­te sich bei Ben­se in eine erzwun­ge­ne Ver­schmel­zung, in der sich der Mensch der Funk­ti­ons­wei­se des Com­pu­ters anglich: Die Maschi­ne simu­lier­te schein­bar den Mensch, der Mensch die Maschi­ne, was auf die Simu­la­ti­on des­sen hin­aus­lief, was die Kyber­ne­tik unter mensch­li­chem Den­ken ver­stand.

Ein Bei­spiel der Kon­ver­genz lie­fert Ben­se in Der Mono­log der Ter­ry Jo (1968), einer Hör­spiel­ad­ap­ti­on des Tex­tes Viel­leicht zunächst wirk­lich nur. Mono­log der Ter­ry Jo im Mer­cey Hos­pi­tal (1963). Wäh­rend die frü­he Schrift­text­ver­si­on noch im Stil der Kon­kre­ten Poe­sie gehal­ten ist, setzt das Hör­spiel mit sto­chas­ti­schen Annä­he­rungs­stu­fen ein, wie sie Shan­non in sei­ner Mathe­ma­ti­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­theo­rie vor­stell­te. In sei­ner Trans­for­ma­ti­on des Alpha­bets in digi­ta­len Code knüpf­te Shan­non an den rus­si­schen Mathe­ma­ti­ker Andrej A. Mar­kov an und erschloss die Schrift nach sta­tis­ti­schen Gesetz­mä­ßig­kei­ten (e ist z. B. der häu­figs­te Buch­sta­ben im Eng­li­schen, auf ein q folgt stets ein u etc.). Shan­non begann mit einer gleich­wahr­schein­li­chen Buch­sta­ben­ver­tei­lung („XFOML RXKHR…“); in ein­zel­nen Annä­he­rungs­stu­fen führ­te er unter­schied­li­che sta­tis­ti­sche Wer­te ein und erhielt schließ­lich einen halb­wegs les­ba­ren Satz, der sei­ner sta­tis­ti­schen Her­kunft zufol­ge gar kei­ne Bedeu­tung haben kann, auf­grund sei­nes Inhalts aber den­noch berüch­tigt wur­de: „THE HEAD AND IN FRONTAL ATTACK ON AN ENGLISH WRITER …“

Ben­ses Hör­spiel setzt iden­tisch ein. Wäh­rend der Über­gang von einer unwahr­schein­li­chen Buch­sta­ben- zu einer sta­tis­tisch wahr­schein­li­chen Wort­ket­te auf der Inhalts­ebe­ne die Rück­kehr des Bewusst­seins der Prot­ago­nis­tin Ter­ry sym­bo­li­sie­ren soll­te, erklär­te Ben­se die sto­chas­ti­sche Schreib­wei­se der letz­ten Annä­he­rungs­stu­fe zugleich zum pro­duk­ti­ons­äs­the­ti­schen Prin­zip des maschi­nen­ana­lo­gen Schrei­bens. Als Resul­tat muss sich Ben­ses Autor-Pro­gram­mie­re­rin die Geset­ze der Logik und Sta­tis­tik, auf der die sto­chas­ti­sche Schreib­wei­se fußt, antrai­nie­ren. Für Ben­ses Poe­tik ist es nicht nötig, das Hand­werk des Pro­gram­mie­rens zu erler­nen, die Poin­te liegt dar­in, dass die Dich­te­rin die Funk­ti­ons­wei­se des Com­pu­ters (hier die sta­tis­tisch-sto­chas­ti­sche Model­lie­rung der Spra­che) inter­na­li­siert. Selbst der mit Fül­ler bewaff­ne­ten Hand (bei Ben­se ist es die Schreib­ma­schi­ne) ent­strömt des­halb rei­ne Maschi­nen­schrift, die unter­halb der Schwel­le zur Sinn­haf­tig­keit stil­los dahin­stot­tert: „denn wenn wer über was was weiß / dann auch wem anders / als ihm ich die­ses / in den indes jene /das von zum so doch bald“, so lau­tet eine typi­sche Sequenz in Ter­ry Jo (1968). Die Sinn­ent­stel­lung war kein Man­ko, son­dern Aus­weis der pro­gres­si­ven Ästhe­tik, die nach einer sto­chas­ti­schen Pro­gram­mier­bar­keit des Alpha­bets model­liert war. Den unwahr­schein­li­chen Wort­fol­gen ver­lieh Ben­se eine höhe­re „ästhe­ti­sche Punk­te­zahl“ als sta­tis­tisch wahr­schein­li­che­ren, wie sie kon­ven­tio­nel­le Pro­sa aus­zeich­net.15

Die Repro­duk­ti­on der Rea­li­tät
Im vor­lie­gen­den Kon­text ist aber ein ande­rer Aspekt von Inter­es­se: Wür­de man Ben­se und Heid­eg­ger mit­ein­an­der kon­fron­tie­ren, wür­de Ben­se sich mit dem maschi­nen­ana­lo­gen Schrei­ben näher an der Rea­li­tät wäh­nen als Heid­eg­ger mit der natür­li­chen Spra­che. Das maschi­nen­ana­lo­ge Schrei­ben will die Ord­nung der Reprä­sen­ta­ti­on hin­ter sich las­sen. In sei­ner Rück­füh­rung der sprach­li­chen Zei­chen auf sto­chas­ti­sche Prin­zi­pi­en ent­wi­ckel­te Ben­se eine semio­ti­sche Signal­theo­rie, die die Rea­li­tät nicht nur reprä­sen­tier­te, son­dern syn­the­tisch repro­du­zie­ren soll­te: „Es han­delt sich dabei also um einen Über­gang von jener Zei­chen­welt, die Rea­li­tät bedeu­tet, zu einer Zei­chen­welt, die Rea­li­tät ist.“16 Die Hier­ar­chien hat­ten dem­nach gewech­selt: Die tech­ni­sche Spra­che Ben­ses ope­rier­te auf einer tie­fe­ren, gegen­über der natür­li­chen Spra­che Heid­eg­gers vor­gän­gi­gen Ebe­ne. Die prä­lin­gu­is­ti­schen Zei­chen waren das „uni­ver­sa­le, nicht mehr tie­fer zu legen­de Fun­da­ment“, das Ben­se der Wis­sen­schaft, Ästhe­tik und mensch­li­chen Rea­li­täts­wahr­neh­mung unter­schob.17

Ben­ses Posi­ti­on war sym­pto­ma­tisch für den „cyborg-dis­cour­se“, den der Wis­sen­schafts­his­to­ri­ker Paul N. Edwards als Merk­mal des Kal­ten Kriegs iden­ti­fi­ziert. In der Nach­kriegs­zeit führ­ten Kyber­ne­tik und Com­pu­ter zu einer Wis­sens­pro­duk­ti­on, die der Simu­la­ti­on oft mehr Signi­fi­kanz als rea­len Ereig­nis­sen bei­maß: „Im geschlos­se­nen Hori­zont der unkla­ren Poli­tik wur­den Simu­la­tio­nen rea­ler als die Rea­li­tät selbst, da sich die nuklea­re Aus­ein­an­der­set­zung zu einem gänz­lich abs­trak­ten Stel­lungs­krieg ent­wi­ckel­te. Simu­la­tio­nen – Com­pu­ter­mo­del­le, Kriegs­spie­le, sta­tis­ti­sche Ana­ly­sen, Dis­kur­se über die nuklea­re Stra­te­gie – hat­ten in einer ent­schei­den­den Hin­sicht mehr poli­ti­sches Gewicht und weit­rei­chen­de­rer kul­tu­rel­le Aus­wir­kun­gen als die Waf­fen, die nicht ein­ge­setzt wer­den konn­ten.“18

Die epis­te­mo­lo­gi­schen Fall­stri­cke von Ben­ses „semio­ti­schen Fun­da­men­ta­lis­mus“ kön­nen hier ver­nach­läs­sigt wer­den.19 Es genügt der Hin­weis, dass der sto­chas­ti­schen Model­lie­rung der Spra­che Gren­zen gesetzt sind. Shan­non beton­te schon Mit­te der 50er, dass die Reich­wei­te sei­ner Sto­chas­tik allen­falls für kur­ze Buch­sta­ben- und Wort­se­quen­zen funk­tio­nie­re, nicht für die glo­ba­le Struk­tur von Tex­ten. Die Pro­ble­ma­tik treibt noch die gegen­wär­ti­gen NPL-Model­le um. Mit sei­nem rie­si­gen Volu­men an Trai­nings­da­ten, „ein Kor­pus von fast einer Bil­li­on Wör­tern aus Tex­ten, die aus dem Web abge­saugt wur­den“20 und 175 Mil­li­ar­den Para­me­tern, die die Ver­hal­tens­wahr­schein­lich­keit steu­ern, erhält GPT‑3 die Kohä­renz zwar mit­un­ter über weni­ge Absät­ze auf­recht; die Vor­gän­ger­ver­si­on GPT‑2 büßt schon nach weni­gen Sät­zen die inhalt­li­che Strin­genz ein. Im Ver­hält­nis zur Macht der Soft­ware fällt der Leis­tungs­sprung den­noch ernüch­ternd aus: „Zu wenig hat sich geän­dert. Das Hin­zu­fü­gen von hun­dert­mal mehr Ein­ga­be­da­ten hat gehol­fen, aber eben nur ein klei­nes biss­chen.“21 Der vor­herr­schen­de Trend, die Ver­ar­bei­tung natür­li­cher Spra­che durch grö­ße­re Daten­sät­ze, Model­le und mehr Rechen­leis­tung zu lösen, wirft des­halb grund­sätz­li­che Zwei­fel auf, ob die Ent­wick­lun­gen mit einer Soft­ware wie GPT‑3 auf einem ziel­füh­ren­den Pfad hin zu einer all­ge­mei­nen Intel­li­genz sind (die etwa Spra­che tat­säch­lich ver­steht).

Für Ben­se und Heid­eg­ger waren tech­ni­sche Mach­bar­keits­fra­gen aller­dings nicht von Belang. Ben­se eig­ne­te sich das sto­chas­ti­sche Sprach­mo­dell hän­disch an, um das Sub­jekt in die Tech­no­sphä­re ein­zu­kap­seln, was er zu der „gro­ßen Auf­ga­be einer phi­lo­so­phi­schen Anthro­po­lo­gie von mor­gen“ zähl­te. Sei­ne Cyborg-Anthro­po­lo­gie setz­te dar­auf, dass die kyber­ne­ti­schen Maschi­nen in die „Fein­struk­tu­ren der Welt, die imma­te­ri­el­len Bestand­tei­le“ ein­drin­gen und eine onto­lo­gi­sche Tech­no­sphä­re her­vor­brin­gen, in der das „tech­ni­sche Sein umfas­sen­der ist als die Sphä­re des­sen, was man Natur oder was man Geist nennt. Tech­ni­sches Sein umfasst bei­de.“22

Heid­eg­ger begriff die Dich­tung als Gegen­ent­wurf zur tech­ni­schen Spra­che und Kyber­ne­tik. Spä­tes­tens an die­ser Stel­le wird klar, dass die Fra­ge, wer von bei­den ange­sichts com­pu­ter­ge­nerier­ter Gedich­te falsch liegt, irre­füh­rend ist, weil bei­de von ande­ren Prä­mis­sen aus­ge­hen und ande­re Ziel­set­zun­gen ver­fol­gen. Ben­se und Heid­eg­ger reprä­sen­tie­ren zwei theo­re­ti­sche und poe­to­lo­gi­sche Hal­tun­gen, die unver­ein­bar sind. In Bezug auf die Trans­for­ma­ti­on der natür­li­chen Spra­che in digi­ta­len Code macht die Gegen­über­stel­lung den­noch deut­lich, dass Ben­se, im Ver­such, das Schrei­ben maschi­nen­kom­pa­ti­bel zu machen, zual­ler­erst einen neu­en Begriff der Lite­ra­tur in Anschlag brin­gen muss­te.

Dich­tung als Wahr­heit oder Wahr­schein­lich­keit
Der Kern der Trans­for­ma­ti­on der natür­li­chen Spra­che in digi­ta­len Code war in Shan­nons wahr­schein­lich­keits­theo­re­ti­scher Refor­mu­lie­rung des Alpha­bets ange­legt. Die sta­tis­tisch-sto­chas­ti­sche Model­lie­rung des Alpha­bets ver­än­der­te den Sta­tus der lin­gu­is­ti­schen Zei­chen. An die Stel­le eines Kom­mu­ni­ka­ti­ons­akts, der eine Aus­sa­ge über einen Sach­ver­halt trifft, trat die Bot­schaft als eine mög­li­che Aus­sa­ge unter ande­ren (oder einer bestimm­ten Anzahl von Wahl­mög­lich­kei­ten). Was Shan­non für das Alpha­bet leis­te­te, über­trug die Kyber­ne­tik auf sämt­li­che Dis­zi­pli­nen und die Gesell­schaft als Gan­ze. Sie ersetz­te eine onto­lo­gi­sche durch eine wahr­schein­li­che und eine refe­ren­zi­el­le durch eine pro­zes­sua­le Wis­sens­ord­nung.

Wenn Heid­eg­gers Poe­tik mit der Ben­ses kol­li­diert, dann also auch des­halb, weil Heid­eg­ger nach dem Wesen der Dich­tung frag­te, und das heißt nach einer Wahr­heit. Unter Wahr­heit ver­stand er den Akt einer Her­vor­brin­gung, den Tech­nik und Poe­sie tei­len, auch wenn sich ihr Modus dar­in fun­da­men­tal unter­schei­det. Genau das war für Heid­eg­ger aber die Bedin­gung, die Dich­tung als stim­mi­gen Gegen­ent­wurf zur Tech­no­lo­gie in Posi­ti­on zu brin­gen: „Weil das Wesen der Tech­nik nichts Tech­ni­sches ist, dar­um muss die wesent­li­che Besin­nung auf die Tech­nik und die ent­schei­den­de Aus­ein­an­der­set­zung mit ihr in einem Bereich gesche­hen, der einer­seits mit dem Wesen der Tech­nik ver­wandt und ande­rer­seits von ihm doch grund­ver­schie­den ist. Ein sol­cher Bereich ist die Kunst.“23 Dem­ge­gen­über füg­te sich Ben­ses maschi­nen­ana­lo­ges Schrei­ben in die kyber­ne­ti­sche Ord­nung der Wahr­schein­lich­keit und Vor­her­sa­ge. Die Fra­ge nach dem Wesen und der Wahr­heit der Dich­tung (Heid­eg­ger) wur­de in das Pro­blem ihrer Funk­ti­ons­wei­se über­führt, die ihr Modell in einem kal­ku­lier­ba­ren und auto­ma­tisch gene­rier­ba­ren Pro­zess fand (Ben­se). Den epis­te­mo­lo­gi­schen Wech­sel vom Sein (being) zum Machen (doing), den die Kyber­ne­tik in die Wis­sen­schaf­ten ein­führ­te, pro­ji­zier­te Ben­se auf die Ästhe­tik und Lite­ra­tur.

Die Enden der Simu­la­ti­on
Inwie­fern ist die Gegen­über­stel­lung von Ben­se und Heid­eg­ger aber heu­te noch von Bedeu­tung? Zur Beant­wor­tung die­ser Fra­ge sind weni­ger die Poe­ti­ken selbst von Inter­es­se, son­dern deren Bezie­hung zum Ver­hält­nis der natür­li­chen und tech­ni­schen Spra­che, die Ben­se und Heid­eg­ger jeweils anders gewich­ten. Folgt man die­ser Spur, scheint zunächst vie­les dafür zu spre­chen, dass Ben­se mit der tech­ni­schen Spra­che auf das rich­ti­ge Pferd gesetzt hat. Das maschi­nen­ana­lo­ge Schrei­ben mag zwar hin­fäl­lig sein. Ange­sichts heu­ti­ger Sprach­mo­del­le, die ein­zel­ne Wör­ter bei­spiels­wei­se sta­tis­tisch in einem vek­to­ri­el­len Raum reprä­sen­tie­ren, in denen ihnen jeweils hun­der­te Zah­len­wer­te zuge­ord­net sind, die sie in gra­nu­la­re Rela­tio­nen zu den ande­ren in den Daten­sät­zen ent­hal­te­nen Wör­tern set­zen, mutet eine hän­di­sche Imi­ta­ti­on sto­chas­ti­scher Gesetz­mä­ßig­kei­ten abwe­gig an. Die Hypo­the­se, dass außer­sprach­li­che Zei­chen näher an der Wirk­lich­keit sind und die­se sogar fun­die­ren, scheint sich hin­ge­gen bestä­tigt zu haben.

Seit den Neun­zi­gern haben Com­pu­ter ihre Gehäu­se ver­las­sen und sind in Objek­te ein­ge­wan­dert. Heu­te gewinnt die Tech­no­lo­gie ihre Domi­nanz als adap­ti­ve Umge­bungs­tech­no­lo­gie: „ver­strickt in die­sen Daten­fluss“, schreibt N. Kathe­ri­ne Hayl­es, „wird mensch­li­ches Ver­hal­ten zuneh­mend in das tech­no­lo­gi­sche Unbe­wuss­te inte­griert, das ver­mit­tels soma­ti­scher Reak­tio­nen, hap­ti­scher Feed­backs, ges­ti­scher Inter­ak­tio­nen und einer Viel­zahl ande­rer kogni­ti­ver Akti­vi­tä­ten, die habi­tu­ell und repe­ti­tiv sind, und daher unter­halb der Schwel­le des bewuss­ten Bewusst­seins lie­gen.“24 Die Tech­no­lo­gie ope­riert in einer Sphä­re, die dem Bewusst­sein der Sub­jek­te und der alpha­be­ti­schen Schrift­kul­tur vor­aus­geht, sodass Sub­jek­ti­vie­rungs­pro­zes­se nun auch jen­seits der mensch­li­chen Wahr­neh­mung und her­me­neu­ti­scher Sinn­ope­ra­tio­nen gestal­tet wer­den.

Der Medi­en­phi­lo­soph Erich Hörl spricht von einer „tech­no­lo­gi­schen Sinn­ver­schie­bung“, die einer­seits ein Ende der Schrift­kul­tur mar­kie­re und ande­rer­seits die Pro­duk­ti­on eines neu­en tech­no­lo­gi­schen Sinns her­auf­be­schwö­re, der „pri­mär auf nicht-sprach­li­chen, unter­schied­li­chen, nicht-bezeich­nen­den Semio­ti­ken wie Soft­ware und Pro­gram­mier­spra­chen, Algo­rith­men, mathe­ma­ti­schen Glei­chun­gen, Dia­gram­men, Bör­sen­in­di­zes etc.“ basie­re.25 In einem prä­zi­sen Sinn ope­riert die tech­ni­sche, nicht län­ger die natür­li­che Spra­che im Rücken des Sprach­we­sens und der Sub­jek­te. Hörl, der die­se Posi­ti­on ver­tritt, sieht das vor­nehm­lich in rechen­ba­sier­ten und adap­ti­ven Umwel­ten ver­wirk­licht, die eigen­stän­di­ge Hand­lungs­mäch­te dar­stel­len und digi­ta­le Sub­jek­te her­vor­brin­gen, mit denen tra­dier­te Vor­stel­lun­gen alpha­be­ti­scher, huma­nis­ti­scher und sou­ve­rä­ner Sub­jek­te ihre Gel­tung ein­bü­ßen. For­ciert wird das durch die rasan­te Ver­brei­tung der KI in Mili­tär, Finanz­wirt­schaft, Sicher­heits­po­li­tik, Polizei‑, Ver­si­che­rungs- oder Gesund­heits­we­sen, die von einer neu­en Ära der „Auto­ma­ti­sie­rung der Auto­ma­ti­sie­rung“ (Lucia­na Pari­si) kün­det.

Im Tech­no­ka­pi­ta­lis­mus liegt die Hege­mo­nie heu­te ein­deu­tig im Digi­ta­len. Im Bereich der natür­li­chen Spra­che – dies fand bereits Erwäh­nung – ist es den­noch gera­de der Erfolg maschi­nel­ler Sys­te­me, der zuneh­mend auf Kri­tik stößt. Der Grund dafür ist das Pro­blem der Ver­zer­rung (bias), das Dis­kri­mi­nie­run­gen repro­du­ziert, sowie der big­ger is bet­ter-Trend, der unter ande­rem auf den enor­men (fos­si­len) Ener­gie­ver­brauch der KI auf­merk­sam gemacht hat.

Mir geht es aber um eine ande­re Pro­ble­ma­tik, die die Bezie­hung der Pro­gram­mier­spra­chen zur Rea­li­tät betrifft. Die der­zei­ti­gen Sprach­pro­gram­me schei­tern am Pro­blem der Refe­ren­zia­li­tät. „Das Ver­ständ­nis von GPT‑3 gleicht einem Tun­nel­blick, der nur sieht, wie sich die Wör­ter zuein­an­der ver­hal­ten; nie­mals zie­hen sie aus all die­sen Wör­tern einen Schluss, der eine Aus­sa­ge über die blü­hen­de und brum­men­de Welt tref­fen wür­de. Es lernt über Kor­re­la­tio­nen zwi­schen Wör­tern, mehr nicht.“26 Gary Mar­cus und Ernest Davis sind kei­ne KI-Ver­äch­ter, son­dern argu­men­tie­ren, dass gegen­wär­ti­ge Sys­te­me wie das Deep Lear­ning einer tat­säch­li­chen künst­li­chen Intel­li­genz, die zum Bei­spiel auch der Spra­che mäch­tig wäre, den Weg ver­stellt. Ihr Fazit fällt ent­spre­chend rüde aus: GPT‑3 sei eine „spru­deln­de Quel­le des Bull­shits“ und allen­falls für sur­rea­lis­tisch anmu­ten­de Dich­tung zu gebrau­chen.

Das Wis­sen des Romans
Die Ein­sicht, dass maschi­nel­le Sprach­soft­ware kei­nen Zugang zur Bedeu­tung hat, und den Zie­len, Sys­te­me mit einem all­ge­mei­nen Sprach­ver­ständ­nis zu ent­wi­ckeln, des­halb nicht näher­bringt, setzt sich zuneh­mend durch. Als Mit­be­grün­der des Deep Lear­ning erklärt etwa Yoshua Ben­gio, dass sich aus Text allein kein Sprach­ver­ständ­nis gewin­nen lässt: „Um natür­li­che Spra­che zu ver­ste­hen, muss man ein Modell der Welt haben. Man muss irgend­wie ein Ver­ständ­nis für die intui­ti­ven Aspek­te haben, wie die Din­ge in der Welt funk­tio­nie­ren.“27 Ben­gio ist des­halb dazu über­ge­gan­gen, sich mit der Pro­gram­mie­rung außer­sprach­li­cher Fak­to­ren und impli­zi­ten Wis­sens­for­men wie Com­mon Sen­se, Kau­sa­li­tät oder Auf­merk­sam­keit zu beschäf­ti­gen.

Die Neu­aus­rich­tung der KI-For­schung ist bemer­kens­wert. Die Fra­ge, ob sich ein intui­ti­ves Wis­sen der Welt oder Com­mon Sen­se pro­gram­mie­ren las­sen, ist kei­nes­wegs neu, unter­streicht aber aktu­ell, dass offen­bar ganz neue For­men der Pro­gram­mie­rung not­wen­dig sind, die jen­seits deduk­ti­ver Ver­fah­ren lie­gen, auf denen die sym­bo­li­sche KI basiert oder induk­ti­ver Ver­fah­ren, mit denen die kon­nek­ti­vis­ti­sche KI der­zei­ti­ger Sprach­sys­te­me arbei­tet. „Der Sprung zum all­ge­mei­nen ›gesun­den Men­schen­ver­stand‹ ist etwas völ­lig ande­res, und es führt kein bekann­ter Weg dort­hin. Man darf mit gutem Grund skep­tisch sein, dass ein sol­cher Algo­rith­mus aus wei­te­ren Bemü­hun­gen mit Deep Lear­ning-Sys­te­men oder einem ande­ren der heu­te gän­gi­gen Ansät­ze her­vor­ge­hen wird. Viel wahr­schein­li­cher ist es, dass ein gro­ßer wis­sen­schaft­li­cher Durch­bruch not­wen­dig ist, und nie­mand hat der­zeit die gerings­te Ahnung, wie die­ser über­haupt aus­se­hen könn­te, oder weiß über die Details Bescheid, wie man dort­hin gelangt.“28

Bedeut­sam ist die Neu­ori­en­tie­rung fer­ner, weil in der KI-For­schung offen­bar wie­der jene seman­ti­sche und nicht-lin­gu­is­ti­sche Dimen­si­on der Spra­che The­ma ist, die Shan­nons Infor­ma­ti­ons­theo­rie und die frü­he Com­pu­ter­li­te­ra­tur metho­disch aus­ge­schlos­sen haben. Die com­pu­ter­ge­nerier­te Lite­ra­tur, die die Mate­ria­li­tät, Objekt­haf­tig­keit und Selbst­re­fe­ren­zia­li­tät der Schrift auf Kos­ten der Her­me­neu­tik und Refe­ren­zia­li­tät auf­ge­wer­tet hat, und mein­te, so einen objek­ti­ven, kon­trol­lier­ten und expe­ri­men­tell über­prüf­ba­ren Zugriff auf die Schrift zu erhal­ten, gerät nun von­sei­ten einer tech­no­lo­gi­schen Avant­gar­de, wie sie Mar­cus, Davis oder Ben­gio ver­tre­ten, unter Legi­ti­ma­ti­ons­druck. Offen­bar greift es zu kurz, Schrift „als pures sprach­li­ches Mate­ri­al“ (Ben­se) auf­zu­fas­sen, oder davon aus­zu­ge­hen, dass das Geschrie­be­ne im Inter­net voll­um­fäng­lich vor­lie­ge, sodass es fort­an genü­ge, das Gege­be­ne nach der Vor­ga­be einer Regel oder eines Kon­zepts neu zu arran­gie­ren. Letz­te­res hat Ken­neth Golds­mith vor­ge­schla­gen, und mit der Erklä­rung, dass Autorin­nen des­halb heu­te „eher wie Pro­gram­mie­rer denn als tra­di­tio­nel­le Schrift­stel­ler“ agie­ren, auch eine Maxi­me der Infor­ma­ti­ons­äs­the­tik wie­der­be­lebt.29

Die Unzu­läng­lich­kei­ten sta­tis­tisch-induk­ti­ver Ver­fah­ren, Text aus Text zu gene­rie­ren, wer­den vor allem anhand der Kate­go­rien der Kohä­renz und Kon­sis­tenz ersicht­lich. Bei­de Kate­go­rien bil­den pro­ble­ma­ti­sche Kenn­grö­ßen von Sprach­ver­ar­bei­tungs­pro­gram­men, was sich auch dar­in nie­der­schlägt, dass sie an der glo­ba­len Struk­tur län­ge­rer Text schei­tern. Dies lässt sich auch dahin­ge­hend deu­ten, dass zu Beginn des 21. Jahr­hun­derts nicht län­ger Lyrik, die mit Zei­len­sprün­gen syn­tak­ti­sche und seman­ti­sche Inko­hä­ren­zen und Inkon­sis­ten­zen bes­ser über­spie­len kann, son­dern Pro­sa und Roma­ne den Maß­stab der com­pu­ter­ba­sier­ten Text­ver­ar­bei­tung bil­den.

Das Unter­neh­men Ele­men­tal Cogni­ti­on, das ein tat­säch­li­ches maschi­nel­les Sprach­ver­ständ­nis erzie­len will, wen­det sich aus die­sem Grund Roma­nen zu. Weil die Lek­tü­re von Erzäh­lun­gen und Roma­nen ein Welt­wis­sen vor­aus­setzt, das von außen an die Fik­tio­nen her­an­ge­tra­gen wer­den muss, sol­len sie als Richt­schnur für die maschi­nel­le Sprach­ver­ar­bei­tung die­nen. Der Roman adres­siert jene Pro­ble­me, an der die Sprach­soft­ware schei­tert: Fik­tio­na­le Erzäh­lun­gen ent­fal­ten eine in sich geschlos­se­ne Welt, die offen­bar alle nöti­gen Infor­ma­tio­nen ent­hält, die für ein Ver­ständ­nis not­wen­dig sind. Der Soft­ware bleibt die Dar­stel­lung aller­dings unzu­gäng­lich, weil ihr im Gegen­satz zu Men­schen impli­zi­tes Welt­wis­sen fehlt, das die Schrift für Men­schen trans­por­tiert. Die Ana­ly­se fik­tio­na­ler Erzäh­lun­gen soll dem Unter­neh­men des­halb Auf­schlüs­se dar­über geben, wie sich ein pro­gram­mier­ba­res Ver­ständ­nis von Welt und Spra­che erlan­gen lässt. „Ori­gi­nä­re Geschich­ten sind infor­ma­ti­ons­reich, nicht zu goo­geln und zen­tral für vie­le Anwen­dun­gen, was sie zu einem idea­len Test­ob­jekt für ein Lese­ver­ständ­nis macht.“30 Das Unter­neh­men beschränkt sich vor­erst auf die Ana­ly­se, nicht die Gene­rie­rung von Text.

David Fer­ruc­ci, CEO von Ele­men­tal Cogni­ti­on, ist kein Unbe­kann­ter des Fachs. 2011 hat er als Lei­ter von IBMs Super­com­pu­ter Wat­son die TV-Quiz­show Jeo­par­dy! gewon­nen, nach dem Sieg von IBMs Deep Blue über den amtie­ren­den Schach­welt­meis­ter Gari Kas­pa­row gilt das als wei­te­rer Mei­len­stein in der Kon­kur­renz­be­zie­hung zwi­schen Mensch und Maschi­ne. Fer­ruc­ci unter­schei­det vier Ebe­nen der Ana­ly­se, um den Pro­gram­men anhand von Erzäh­lun­gen auf die Sprün­ge zu hel­fen: „Ört­lich­keit: Wo befin­det sich alles und wo ist sein Platz in der Geschich­te? Zeit­lich­keit: Wel­che Ereig­nis­se tre­ten wann auf? Kau­sa­li­tät: Wie füh­ren Ereig­nis­se mecha­nis­tisch zu ande­ren Ereig­nis­sen? Moti­va­ti­on: War­um ent­schei­den sich die Cha­rak­te­re für bestimm­te Hand­lun­gen?“ Der Fra­ge­ka­ta­log illus­triert, dass der Zugriff auf Tex­te rudi­men­tär ist, her­me­neu­ti­sche, poe­to­lo­gi­sche oder (sprach-)philosophische Fra­gen nach dem Sinn der Spra­che oder Lite­ra­tur stel­len sich nicht. Auch das unter­streicht die anhal­ten­de Kluft zwi­schen der natür­li­chen und tech­ni­schen Spra­che.

Erzäh­lun­gen des Digi­ta­len
Der ent­schei­den­de Aspekt für mei­ne Argu­men­ta­ti­on liegt aber in dem simp­len Befund, dass die Her­aus­for­de­rung der KI-For­schung in jenem außer­sprach­li­chen Bereich liegt, der die Ver­mitt­lungs­pro­zes­se selbst betrifft: die der Zei­chen und Spra­che zur Welt und die der Men­schen zur Spra­che, die wie­der­um nicht von ihrer Bezie­hung zur Welt zu tren­nen ist. Zwar steht außer Fra­ge, dass das Digi­ta­le auch unab­hän­gig von der Fähig­keit maschi­nel­ler Lern­sys­te­me, die natür­li­che Spra­che zu model­lie­ren, an öko­no­mi­schem und sozio­kul­tu­rel­lem Ein­fluss gewinnt. Die Orga­ni­sa­ti­on und Steue­rung der Sub­jek­te, Gesell­schaf­ten und Welt wird ver­stärkt über infor­ma­tio­nel­le Daten­strö­me und adap­ti­ve Umwelt­tech­no­lo­gien rea­li­siert.

In der Digi­ta­l­öko­no­mie wer­den Sub­jek­te zudem als bio­me­tri­sche und daten­be­ha­vio­ris­ti­sche adres­siert und for­miert, die Vor­stel­lung des Men­schen als sprach­be­gab­tes Tier ist mit der Model­lie­rung digi­ta­ler Sub­jek­te erklär­ter­ma­ßen Maku­la­tur. Shosha­na Zuboff spricht vom Pro­blem der zwei Tex­te. Auf der Ober­flä­che und über Inter­faces fin­det die Kom­mu­ni­ka­ti­on wie gewohnt in der natür­li­chen Spra­che statt, wäh­rend im Hin­ter­grund ein „Schat­ten­text“ ent­steht.31 Die digi­ta­len Sub­jek­te wer­den zur Kom­mu­ni­ka­ti­on ani­miert, sol­len dar­in aber in dem was und wie es gesagt wird, zual­ler­erst zu Daten­spen­de­rin­nen wer­den. „Nicht was in ihren Sät­zen steht, zählt, son­dern deren Län­ge und Kom­ple­xi­tät, nicht was Sie auf­lis­ten, son­dern die Tat­sa­che, dass sie eine Lis­te auf­stel­len.“ Die Über­wa­chung, auf die Zuboff abhebt, ist nur ein Aspekt. Die umfas­sen­de­re Bedeu­tung des Digi­ta­len liegt dar­in, dass der Daten­be­ha­vio­ris­mus die Sub­jek­te, die er kon­trol­liert, durch das digi­ta­le Erfas­sungs­re­gime über­haupt erst als sol­che her­vor­bringt.

Den­noch legen die der­zei­ti­gen For­schun­gen im Bereich der maschi­nel­len Lern­sys­te­me nahe, dass es ver­früht wäre, der natür­li­chen Spra­che ange­sichts der All­ge­gen­wart digi­ta­ler Daten­strö­me ihre Bedeu­tung abzu­spre­chen. Dass die alpha­be­ti­sche Schrift- und Bedeu­tungs­kul­tur bis­lang unhin­ter­geh­bar ist, zeigt sich schon dar­an, dass die Refle­xi­on über die tech­no­lo­gi­sche Sinn­ver­schie­bung selbst­ver­ständ­lich im Medi­um der natür­li­chen Spra­che statt­fin­det (gera­de auch dort, wo ihr Ende behaup­tet wird). Dass die Sys­te­me an der Bedeu­tung und Refe­ren­zia­li­tät des lin­gu­is­ti­schen Zei­chen­sys­tems schei­tern, spricht nicht nur gegen die Uni­ver­sa­li­tät des digi­ta­len Codes, son­dern erhär­tet, dass sich des­sen Gren­zen im Medi­um der natür­li­chen Spra­che auf­zei­gen und reflek­tie­ren las­sen, nicht in der Pro­gram­mie­rung.

In Bezug zur Lite­ra­tur ist hier vor allem die Fähig­keit der Spra­che im Kon­trast zur Pro­gram­mie­rung zu beto­nen, „von der Spra­che selbst zu spre­chen, ohne die Spra­che zu wech­seln (eine Mög­lich­keit, die den for­ma­len Spra­chen abgeht).“32 Die­ser Aspekt ist wesent­lich, denn er macht auch deut­lich, dass mit der natür­li­chen und tech­ni­schen Spra­che unter­schied­li­che Ver­mitt­lungs­for­men zur Dis­po­si­ti­on ste­hen. Die natür­li­che Spra­che und der digi­ta­le Code stel­len zwei unter­schied­li­che Modi dar, wie Sub­jek­te, Natur und Welt rela­tio­nal zu den­ken und zu erschlie­ßen sind. Zur Spra­che gehört es, dass sie ihre eige­ne Ver­mitt­lungs­leis­tung und die Ver­ket­tung von Sät­zen im Voll­zug des Spre­chens und Schrei­bens reflek­tie­ren und pro­ble­ma­ti­sie­ren kann.

Dar­über hin­aus lässt sich fest­hal­ten, dass die natür­li­che Spra­che nicht nur im Rücken des Digi­ta­len erhal­ten bleibt, son­dern in des­sen Zen­trum wirk­sam ist. Das Digi­ta­le lässt sich nicht auf das Tech­ni­sche beschrän­ken, son­dern erhält sei­ne Bedeu­tung und Aus­rich­tung im Rah­men sozio­kul­tu­rel­ler Zuschrei­bun­gen, was über Meta­phern, aber vor allem über die Kul­tur­tech­nik des Erzäh­lens geschieht. Mythi­sche Ver­spre­chen wie die eines uni­ver­sa­len oder all­mäch­ti­gen Codes sind nur ein Bei­spiel für die struk­tu­rel­le Bedeu­tung von Nar­ra­ti­ven für die Tech­no­wis­sen­schaf­ten. Nen­nen lässt sich außer­dem die Sci­ence-Fic­tion, die zur Pro­dukt­ent­wick­lung oder Kom­mu­ni­ka­ti­on von Ideen und Visio­nen ein­ge­setzt wird; inner­halb inter­na­tio­na­ler For­schungs­la­bo­re stif­tet sie einen Gemein­sinn und schwört For­schen­de auf geteil­te Zie­le ein. Die Abhän­gig­keit der Digi­ta­l­öko­no­mie von Erzäh­lun­gen zeigt sich aber auch im unter­neh­me­ri­schen Sto­rytel­ling. Inner­halb einer Bran­che, in der Inves­ti­ti­ons­gel­der und Bör­sen­in­di­zes auch von den Fik­tio­nen abhän­gen, die über Unter­neh­men und Pro­duk­te zir­ku­lie­ren, sind sowohl Start-ups als auch die Gigan­ten auf die Kunst des Erzäh­lens ange­wie­sen (vgl. dazu jüngst Robert J. Shil­ler, Nar­ra­ti­ve Eco­no­mics. How Sto­ries Go Viral & Dri­ve Major Eco­no­mic Events). Die Tech­kon­zer­ne gehö­ren ver­mut­lich zu den letz­ten, die in das Lied vom Ende der alpha­be­ti­schen Schrift- und Sinn­kul­tur ein­stim­men wür­den.

Die Erzäh­lun­gen, die die Tech­bran­che ver­brei­tet, sind nur ein Bereich, der die Ver­flech­tun­gen von digi­ta­lem Code und natür­li­cher Spra­che vor Augen füh­ren. Der digi­ta­le Code mag die Spra­che in vie­ler­lei Hin­sicht unter­lau­fen, umge­kehrt trägt dies aber dazu bei, dass das Tech­ni­sche immer wie­der über­setzt und in Sinn­zu­sam­men­hän­ge ein­ge­fügt wird. Für Roma­ne, die sich der tech­no­lo­gi­schen Sinn­ver­schie­bung wid­men, schei­nen die viel­schich­ti­gen Aus­tausch- und Über­set­zungs­pro­zes­se zwi­schen digi­ta­len Daten­strö­men, adap­ti­ven Umwel­ten, der natür­li­chen Spra­che und Sub­jek­ten, die von infor­ma­tio­nel­len und alpha­be­ti­schen Daten- und Zei­chen­pro­zes­sen durch­kreuzt wer­den, zahl­rei­che Ansatz­punk­te zu bie­ten.

Den­noch schlie­ße ich mit einer ande­ren Beob­ach­tung. Sie betrifft den simp­len Umstand, dass der Roman, ori­en­tiert man sich an der For­schung im Bereich der maschi­nel­len Sprach­ver­ar­bei­tung, in eine Avant­gar­de­po­si­ti­on geho­ben wird, sofern man dar­un­ter nicht mehr als den Anspruch der ers­ten Avant­gar­den ver­steht, dass die Lite­ra­tur sich an den tech­no­me­dia­len Ent­wick­lun­gen der Zeit ori­en­tie­ren müs­se. Folgt man der avan­cier­ten For­schung, wie sie etwa Ben­gio oder Ele­men­tal Cogni­ti­on ver­tre­ten, resul­tiert die erkennt­nis­theo­re­ti­sche Bedeu­tung des Romans weni­ger aus Aspek­ten, die gemein­hin mit avant­gar­dis­ti­schen Poe­ti­ken ver­knüpft wer­den, son­dern die den Roman von Anfang an umtrei­ben (berühmt etwa schon in Miguel de Cer­van­tes Don Qui­jo­te). Die Aspek­te betref­fen die grund­sätz­li­che Bezie­hung der Spra­che und von Fik­tio­nen zu mate­ri­el­len und sozia­len Wirk­lich­kei­ten und wel­che Rol­le der Mensch dar­in als sprach­be­gab­tes Wesen ein­nimmt.

Das heißt kei­nes­wegs, dass der Roman von den tech­no­lo­gi­schen Sinn­ver­schie­bun­gen des Digi­ta­len unbe­rührt blie­be. Den­noch lässt sich fol­gern, dass das lite­ra­ri­sche Schrei­ben dort, wo es sich auf das Digi­ta­le ein­lässt, und sich von den Über­set­zun­gen der Spra­che in digi­ta­len Code, sowie den Steue­rungs- und Kon­troll­funk­tio­nen, die die­ser in der Gestal­tung rechen­ba­sier­ter Umge­bungs­tech­no­lo­gien und digi­ta­ler Sub­jek­te über­nimmt, affi­zie­ren und infra­ge stel­len lässt, Pro­ble­ma­ti­ken in sich auf­neh­men, reflek­tie­ren und zur Dar­stel­lung brin­gen kann, die im Zen­trum der tech­no­lo­gi­schen Umbrü­che und Sinn­ver­schie­bun­gen ste­hen. Der Akt, die tech­no­lo­gi­sche, daten­ge­sät­tig­te Ver­fasst­heit der Welt in die natür­li­che Spra­che und Erzäh­lun­gen zu über­set­zen, oder jene Erzäh­lun­gen zu befra­gen, mit denen die Digi­ta­l­öko­no­mie den Ein­satz und die Ent­wick­lung von Tech­no­lo­gien legi­ti­miert und vor­an­treibt, unter­streicht fer­ner, dass die Tech­no­lo­gien nie­mals ein­fach gege­ben oder unum­gäng­lich, son­dern ver­än­der­bar sind und sich somit auch immer anders gestal­ten, ver­wen­den und erzäh­len las­sen.

Der vor­lie­gen­de Essay stellt beglei­tend zum Erschei­nen von Phil­ipp Schön­tha­lers Die Auto­ma­ti­sie­rung des Schrei­bens & Gegen­pro­gram­me der Lite­ra­tur  (Matthes&Seitz) zen­tra­le The­sen des Buchs vor. 

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1) Tyler Cowen, „Arti­fi­ci­al Intel­li­gence Is the Hope 2020 Needs“, in: Bloom­berg 21.7.2020, {https://www.bloomberg.com/opinion/articles/2020–07-21/artificial-intelligence-offers-the-hope-2020-needs}.
2) Far­had Man­joo, „How Do You Know a Human Wro­te This?“, in: New York Times 29.7.2020, {https://www.nytimes.com/2020/07/29/opinion/gpt-3-ai-automation.html}.
3) Micha­el Moor­stedt, „Feder­hal­ter“, in: Süd­deut­sche Zei­tung 6.8.2020, S. 9.
4) Ulla Hahn, „Ver­nunft ist auch eine Her­zens­sa­che“, in: FAZ 10.3.2019; Ernst-Wil­helm Händ­ler, „Die Lite­ra­tur in Zei­ten der Inter­net­platt­for­men“, in: Voll­text 3 (2018), {https://volltext.net/texte/die-literatur-in-zeiten-der-internetplattform-gesellschaften/}; Dani­el Kehl­mann, Mein Algo­rith­mus und Ich. Stutt­gar­ter Zukunfts­re­de, Stutt­gart 2021.
5) Mar­tin Heid­eg­ger, Über­lie­fer­te Spra­che und tech­ni­sche Spra­che, St. Gal­len 1989, S. 25.
6) „Maschi­nen­spra­che – Nach­rich­ten aus der ›Galee­re‹. Inter­view mit Eli­sa­beth Walt­her, Wal­ter Knö­del und Rul Gun­zen­häu­ser“, in: Bar­ba­ra Büscher u.a. (Hg.), Ästhe­tik als Pro­gramm. Max Bense/Daten und Streu­ung, Ber­lin 2004, S. 130–140, S. 134 u. S. 136.
7) Theo Lutz, „Sto­chas­ti­sche Tex­te“, sie­he: {https://www.stuttgarter-schule.de/lutz_schule.htm}; {https://zkm.de/de/werk/stochastische-texte}.
8) Lutz, „Sto­chas­ti­sche Tex­te“.
9) Max Ben­se, „Die Gedich­te der Maschi­ne der Maschi­ne der Gedich­te. Über Com­pu­ter-Tex­te“, in: ders., Die Rea­li­tät der Lite­ra­tur. Autoren und ihre Tex­te, Köln 1971, S. 74–98, S. 77.
10) Max Ben­se, Aes­the­ti­ca. Ein­füh­rung in die neue Ästhe­tik [1965], Baden-Baden 1982, S. 338.
11) Max Ben­se, Rein­hard Döhl, „Die ›Stutt­gar­ter Grup­pe‹. Zur Lage“, in: manu­skrip­te. Zeit­schrift für Lite­ra­tur, Kunst und Kri­tik 13 (1965), S. 2.
12) Zit. n. Büscher, Ästhe­tik als Pro­gramm, S. 214–219, S. 219.
13) Zit. n. Erich Hörl, „Das kyber­ne­ti­sche Bild des Den­kens“, in: ders., Micha­el Hagner (Hg.), Die Trans­for­ma­ti­on des Huma­nen. Bei­trä­ge zur Kul­tur­ge­schich­te der Kyber­ne­tik, Frank­furt a.M. 2008, S. 163–197, S. 175.
14) Ben­se, „Die Gedich­te der Maschi­ne“, S. 92 u. S. 96.
15) Claus Pias, „›Hol­le­rith gefie­der­ter Kris­tal­le‹. Kunst, Wis­sen­schaft und Com­pu­ter in Zei­ten der Kyber­ne­tik“, in: Hagner, Hörl (Hg.), Trans­for­ma­tio­nen des Huma­nen, S. 72–106, S. 85.
16) Ben­se, Aes­the­ti­ca, S. 63.
17) Max Ben­se, Das Uni­ver­sum der Zei­chen, Baden-Baden 1983, S. 133.
18) Paul N. Edwards, The Clo­sed World. Com­pu­ters and the Poli­tics of Dis­cour­se in Cold War Ame­ri­ca, Cam­bridge 1997, S. 14.
19) Die­ter Mersch, „Ben­ses exis­ten­zi­el­ler Ratio­na­lis­mus. Phi­lo­so­phie, Semio­tik und exak­te Ästhe­tik“, in: Elke Uhl, Claus Zit­tel (Hg.), Max Ben­se. Welt­pro­gram­mie­rung, Stutt­gart 2018, S. 61–81, S. 65.
20) Tier­nan Ray, „OpenAI’s gigan­tic GPT‑3 hints at the limits of lan­guage models for AI“, 1.6.2020, {https://www.zdnet.com/article/openais-gigantic-gpt-3-hints-at-the-limits-of-language-models-for-ai/}
21) Gary Mar­cus, Ernest Davis, „GPT‑3, Blo­via­tor: OpenAI’s lan­guage gene­ra­tor has no idea what it’s tal­king about“, 22.8.2020, {https://www.technologyreview.com/2020/08/22/1007539/gpt3-openai-language-generator-artificial-intelligence-ai-opinion/}.
22) Max Ben­se, „Kyber­ne­tik oder die Meta­tech­nik einer Maschi­ne“, in: Mer­kur 5 (1951), S. 205–218, S. 218.
23) Mar­tin Heid­eg­ger, „Die Fra­ge nach der Tech­nik“, in: ders., Vor­trä­ge und Auf­sät­ze, GA Bd. 7, Frank­furt a. M. 2000, S. 5–36, S. 36.
24) N. Kathe­ri­ne Hayl­es, „Trau­ma in Code“, in: Cri­ti­cal Inquiry 33/1 (2006), S. 136–157, S. 140.
25) Erich Hörl, „Intro­duc­tion to Gene­ral Eco­lo­gy. The Eco­lo­giza­ti­on of Thin­king“, in: ders., James Bur­ton (Hg.), Gene­ral Eco­lo­gy. The New Eco­lo­gi­cal Para­digm, Lon­don 2017, S. 1–74, S. 16.
26) Mar­cus, Davis, „GPT‑3, Blo­via­tor“.
27) Yoshua Ben­gio, „Deep Lear­ning Cogni­ti­on, Full Key­note – AI in 2020 & Bey­ond“, 27.2.2020 (Video), {www.youtube.com/watch?v=GibjI5FoZsE}.
28) Erik J. Lar­son, The Myth of Arti­fi­ci­al Intel­li­gence. Why Com­pu­ters Can’t Think the Way We Do, Lon­don 2021, S. 2.
29) Ken­neth Golds­mith, Uncrea­ti­ve Wri­ting. Sprach­ma­nage­ment im digi­ta­len Zeit­al­ter, Ber­lin 2017, S. 13.
30) Jes­se Dunietz, „The field of natu­ral lan­guage pro­ces­sing is cha­sing the wrong goal“, 31.7.2020, {www.technologyreview.com/2020/07/31/1005876/natural-language-processing-evaluation-ai-opinion/}.
31) Shosha­na Zuboff, Das Zeit­al­ter des Über­wa­chungs­ka­pi­ta­lis­mus, Frank­furt, New York 2018, S. 217 f. u. 316.
32) Luc Bol­tan­ski, Sozio­lo­gie und Sozi­al­kri­tik, Ber­lin 2010, S. 111.

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Phil­ipp Schön­tha­ler, gebo­ren 1976 in Stutt­gart, lebt als frei­er Autor in Ber­lin. Für sei­nen Erzähl­band Nach oben ist das Leben offen (Matthes & Seitz, 2012) erhielt er den Cle­mens-Bren­ta­no-Preis. Zuletzt erschie­nen der Erzähl­band Vor Anbruch der Mor­gen­rö­te. Leben und Diens­te I. (Matthes & Seitz, 2017) und der Roman Der Weg aller Wel­len (Matthes & Seitz, 2019).

Quel­le: Volltext.net – Ori­gi­nal­bei­trag

Online seit: 13. Janu­ar 2022

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Zuletzt geän­dert: 13. Jan. 2022