Unter der Drachenwand

Aus dem neu­en Roman von Arno Gei­ger.

Im Him­mel, ganz oben, konn­te ich eini­ge zie­hen­de Wol­ken erken­nen, und da begriff ich, ich hat­te überlebt. / Spä­ter stell­te ich fest, dass ich dop­pelt sah. Alle Kno­chen taten mir weh. Am nächs­ten Tag Ripp­fell­rei­zung, zum Glück gut überstanden. Doch auf dem rech­ten Auge sah ich wei­ter­hin dop­pelt, und der Geruchs­sinn war weg.

So hat­te mich der Krieg auch dies­mal nur zur Sei­te geschleu­dert. Im ers­ten Moment war mir gewe­sen, als würde ich von dem Kra­chen ver­schluckt und von der ohne­hin alles ver­schlu­cken­den Step­pe und den ohne­hin alles ver­schlu­cken­den Flüssen, an die­sem gro­ben Knie des Dnjepr. Unter mei­nem rech­ten Schlüsselbein lief das Blut in leuch­ten­den Bächen her­aus, ich schau­te hin, das Herz ist eine leis­tungs­fä­hi­ge Pum­pe, und es wälz­te mein Blut jetzt nicht mehr in mei­nem Kör­per im Kreis, son­dern pump­te es aus mir her­aus, bum, bum. In Todes­angst rann­te ich zum Sani­täts­of­fi­zier, der die Wun­de tam­po­nier­te und mich notdürftig ver­band. Ich schau­te zu, in stau­nen­dem Glück, dass ich noch atme­te. / Ein Gra­nat­split­ter hat­te die rech­te Wan­ge ver­letzt, äußer­lich wenig zu sehen, ein wei­te­rer Split­ter steck­te im rech­ten Ober­schen­kel, schmerz­haft, und ein drit­ter Split­ter hat­te unter dem Schlüsselbein ein grö­ße­res Gefäß ver­letzt, Hemd, Rock und Hose waren blut­ge­tränkt.

[…]

Die­ser Text ist nur in der Aus­ga­be 3/2017 ver­füg­bar.

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Online seit: 12.10.2017

Zuletzt geän­dert: 20. Okt. 2017