„Das erste identitäre Theater Deutschlands“

Lek­tü­re­no­ti­zen von Tho­mas Lang zu Büchern von Bret Eas­ton Ellis, Juan Guse, André Gide u.a.

Bret Eas­ton Ellis: Weiß

Ein alter wei­ßer Mann (immer­hin schwul) läuft sei­ner eins­ti­gen Bedeu­tung als Autor hin­ter­her. – So ein­fach ist es nicht. Ellis, der mit Ame­ri­can Psycho Anfang der Neun­zi­ger eine gro­ße Meta­pher auf den Neo­li­be­ra­lis­mus schuf, wäh­rend wir das Wort noch nicht ein­mal kann­ten, ist als Autor zuneh­mend zurück­ge­tre­ten und statt­des­sen zu einem Social-Media-Phä­no­men gewor­den. Twit­ter-Schlach­ten und Pod­casts säu­men die­sen Weg. Weiß ist sei­ne Refle­xi­on auf die digi­ta­le Welt, das Ver­schwin­den von Kunst und Kon­tro­ver­se aus der Kul­tur, das Über­bor­den der Selbst­dar­stel­lung, der Recht­ha­be­rei kor­rek­ter Mei­nungs­in­ha­ber, der Opfer­kul­tur. Vie­les dar­an lie­ße sich kri­tisch befra­gen. Doch wenigs­tens hat der alte Ellis etwas zur Gegen­wart zu sagen und wahrt dabei eine bele­ben­de Ambi­gui­tät.

„Wenn eine Com­mu­ni­ty sich ihrer Diver­si­tät und Ein­zig­ar­tig­keit rühmt und dann Men­schen wegen bestimm­ter Äuße­run­gen aus­schließt …, dann ist eine Art orga­ni­sa­to­ri­scher Faschis­mus akti­viert wor­den …“ Ob der Ver­gleich hilf­reich ist, las­se ich dahin­ge­stellt. Jeden­falls legt Ellis den Fin­ger in eini­ge Wun­den der Web‑2.0‑Welt – ein Mitt­fünf­zi­ger, der sich mit die­sen Essays recht frisch ins Getüm­mel wirft. Dass auch die Spra­che, wie wir alle in den sozia­len Medi­en, dabei zu einem Schau­spie­ler wird und ihr wah­res Selbst nicht zeigt, weiß Ellis ver­mut­lich, ver­schweigt es aber. Inso­fern spie­gelt das Buch etwas von der Manier Donald Trumps (zu dem er kei­ne ein­deu­ti­ge Posi­ti­on bezie­hen mag): Die Wahr­heit der Wor­te tritt zurück hin­ter ihren Effekt.

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Juan Guse: Miami Punk

Erst die Prep­per, nun die Gamer. Guse bewegt sich