Dicker Mann auf der Suche nach dem Ausnahmezustand

Mit Augen zu und durch liegt der drit­te Band von Manu Lar­cen­ets unheim­li­cher Comic-Serie Blast in deut­scher Spra­che vor.
Manu Larcenet – Blast

Wer in Manu Lar­cen­ets defor­mier­ten Män­ner­wel­ten Opfer und wer Täter ist, bleibt oft unklar. Illus­tra­ti­on: © Manu Lar­cen­et

Pol­za Man­ci­ni wird ver­hört. Die ihm gegen­über­sit­zen­den Poli­zis­ten ekeln sich sicht­lich vor dem mensch­li­chen Koloss, den sie zu einem Geständ­nis bewe­gen wol­len. Sein jüngs­tes Opfer ist die geheim­nis­vol­le Caro­le Oudi­not, die im künst­li­chen Koma gehal­ten wird und (zu Beginn des zwei­ten Bands der Rei­he) ver­stirbt, wäh­rend Pol­za sei­ne erschre­cken­de, trau­ri­ge Geschich­te Sei­te für Sei­te vor den skep­ti­schen Ermitt­lern aus­brei­tet. Es ist dies ein Geständ­nis auf Umwe­gen, auf schlin­gern­den Pfa­den, die immer wei­ter ins Dun­kel füh­ren. Ob es die Wahr­heit ist, die der durch­aus lis­ti­ge Ver­däch­ti­ge hier preis­gibt, bleibt trotz des von den Poli­zis­ten regel­mä­ßig durch­ge­führ­ten Abgleichs mit ihren Unter­la­gen wei­ter­hin offen: „Wenn Sie ver­ste­hen wol­len … dann müs­sen Sie durch­ma­chen, was ich durch­ge­macht habe.“

In Grau­tö­nen schil­dert Lar­cen­et den Abstieg Pol­zas, der sich auf die selbst­zer­stö­re­ri­sche Suche nach den titel­spen­den­den „Blasts“ begibt, die­sen grell­bun­ten Momen­ten der Befrei­ung, in denen er sich (in jeder Hin­sicht) „leicht“ füh­len kann. Alle zivi­li­sa­to­ri­schen Nor­men und gesell­schaft­li­chen Ver­pflich­tun­gen des zwie­lich­ti­gen Prot­ago­nis­ten tre­ten hin­ter die­se gesuch­ten Aus­nah­me­zu­stän­de zurück, die zwi­schen Epi­pha­nie, tem­po­rä­rer Para­dies­schau und durch wenig kon­trol­lier­ba­re Umstän­de indu­zier­tem High ange­sie­delt sind.

Düs­te­re Odys­see

Der wenig ver­trau­ens­wür­di­ge Erzäh­ler Pol­za spart kein Detail die­ser gewalt­er­füll­ten Abstiegs­ge­schich­te aus, die zwi­schen dem Ver­hör und der Dar­stel­lung sei­ner Schil­de­rung wech­selt. Der Schrift­stel­ler und Ehe­mann lässt auf sei­ner düs­te­ren Odys­see bei­na­he alles hin­ter sich: Ein­zig die ihn pla­gen­den Erin­ne­run­gen an einen Bru­der, des­sen Unfall­tod er ver­ur­sacht hat, und der Schat­ten des Vaters, der elend an einer Krebs­er­kran­kung ver­stor­ben ist, beglei­ten ihn gespens­ter­haft bei sei­nem Gang in die Wild­nis, des­sen erklär­tes Ziel die Oster­in­seln sein sol­len. Die­se angeb­li­che Rei­se­rich­tung mutet nur im ers­ten Moment unschlüs­sig an – wenn dann aber die rie­si­gen, unver­wech­sel­ba­ren Stein­sta­tu­en, die soge­nann­ten Moai, auf­tau­chen und der tote Vater sich auch in sei­ner Gestal­tung als über­mäch­ti­ger Vogel­mann